Lebenslauf

Ein Nachkriegsleben

Rainer Waterkamp (*31. Oktober 1935 in Brandenburg/Havel) ist ein deutscher Politikwissenschaftler, Referatsleiter in mehreren Regierungsstellen und Autor verschiedener politischer Veröffentlichungen sowie mehrerer Reisebücher und Reportagen zu touristischen Themen.

 

Kindheit, Schulzeit und Studium

 

Der in Brandenburg/Havel als Sohn eines Arbeiters geborene Rainer Waterkamp erlebt das Kriegsende mit den alliierten Bomberangriffen (am 20. April 1945 wird er verschüttet und überlebt mit viel Glück) sowie dem Einmarsch der sowjetischen Armee.

Rainer Waterkamp geht in Brandenburg/Havel zur Schule, zieht zu seinen Eltern nach Hennigsdorf bei Berlin, nimmt Kontakt zum Schulamt in Westberlin auf, geht zunächst auf eine sprachwissenschaftliche Oberschule in Berlin-Reinickendorf und beendet seinen Schulbesuch an der 6. OWZ in Berlin-Schöneberg mit Ablegung des Abiturs. Er beginnt im Oktober 1955 ein Geschichtsstudium und im März 1956 zusätzlich ein Studium an der Deutschen Hochschule für Politik, das spätere Otto-Suhr-Institut an der Freien Universität. Ihm Jahre 1959 volontiert er mehrere Monate bei der Nederlandsche Radio Unie in Hilversum in verschiedenen Reportage-Abteilungen. Sein Studium beendet er 1960  mit dem Erwerb des akademischen Grades als Diplom-Politologe.

Wirken bis 1977

Nach dem Studium wird er für zwei Semester Wissenschaftlicher Hilfsassistent von Professor Dr. Gerhard Oestreich (1910-1978) am Lehrstuhl zur Geschichte der politischen Theorien des Otto-Suhr-Instituts in Berlin und beginnt danach durch Vermittlung von Dietrich Spangenberg (1922-1990), dem späteren Staatssekretär beim Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen, als Redakteur beim Gesamtdeutschen Referat des Verbandes Deutscher Studentenschaften (später Zentralstelle für gesamtdeutsche Hochschulfragen), wo er für die Zeitschrift »Hochschulinformationen« verantwortlich ist.

Nachdem sich eine Anstellung als Pressereferent beim Berliner Senator für Wirtschaft und Kredit, Professor Dr. Karl Schiller (1911-1994), wegen eines Einspruchs des damals von Skandalen umwitterten Berliner Landesamtes für Verfassungsschutz zerschlagen hat, geht er nach Westdeutschland. Als stellvertretender Pressechef beim Presseamt der Stadt Kiel redigiert er ab 1964 städtische Publikationen, verwaltet das Bildarchiv, fertigt Redeentwürfe und ist für die Pressearbeit zu nichtsportlichen Ereignissen während der Kieler Woche zuständig. Sein Vorschlag, für das Kulturprogramm die Beatles zur Kieler Woche einzuladen, wird entrüstet abgelehnt. Ein Jahr später kann ein Auftritt dieser mittlerweile berühmten Gruppe von der Stadtverwaltung nicht mehr finanziert werden.

Bei der Staatlichen Pressestelle der Freien und Hansestadt Hamburg, in die er auf Vermittlung von Erich Ernst Lüth (1902-1989) gelangt, baut er  als verantwortlicher Redakteur einen internen Nachrichtendienst zur Unterrichtung über politische Ereignisse für den Ersten Bürgermeister auf und betreut Journalisten von Presse und Rundfunk unter anderem während des Staatsbesuchs der britischen Königin Elizabeth II. am 28. Mai 1965. In diese Zeit fällt der Rücktritt von Paul Nevermann (1902-1979) aufgrund eines aufgebauschten Skandals durch die »Bild-Zeitung« sowie der Amtsantritt von Herbert Weichmann als seinem Nachfolger.

Das Jahr 1965 führt ihn wieder nach Berlin, wo er noch seinen ersten Wohnsitz hat. Zunächst arbeitet er als Wissenschaftlicher Assistent am Zentralinstitut für sozialwissenschaftliche Forschung an der Freien Universität bei Professor Dr. Peter Christian Ludz (1931-1979), der in seiner Habilitations-Schrift »Parteielite im Wandel« [1]. die DDR als eine moderne und von sozialem Wandel geprägte Industriegesellschaft beschreibt, deren politisches System sich vom autoritären zum »konsultativen Autoritarismus« entwickle.

Waterkamp folgt dem industriegesellschaftlichen Ansatz insoweit, als die »Führungselite sowohl in der Bundesrepublik Deutschland wie in der DDR gleichermaßen unter dem Druck ökonomischer und technologischer Zwänge« stünden und »gleichen Erwartungen der Bevölkerung ausgesetzt« seien [2]. Doch prognostiziert er, dass es in der DDR dabei »zu Spannungen zwischen zwei Zielen: der Bewahrung des Führungsanspruchs der Partei und dem Aufbau einer fortschrittlichen industriellen Gesellschaft« komme [3].. Er vertritt mit der Systemtheorie die These, die etablierte Führungsgruppe der DDR sei weder bereit noch in der Lage, ihren Führungsanspruch aufzugeben [4]. Es sei eine generelle Eigenschaft aller sozialen Systeme, umfähig zu sein, ihre eigene Identität in Frage zu stellen [5].

Nachdem Waterkamp 1966 vorübergehend am Europa-Haus Berlin als Studienleiter die überwiegend internationalen Informations- und Studientagungen vorbereitet und geleitet und dabei auch an einer Tagung in Paris teilgenommen hat, das von der Geschäftsführerin des Bildungswerks Europäische Politik, Dr. Katharina Focke (1922-2016) geleitet wird, verlegt er ab 1967 seinen Wohn- und Arbeitssitz endgültig in das Bundesgebiet. Zunächst ist er im Rahmen eines Werkvertrages für den Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatssekretär Willi Birkelbach (1913-2008) tätig und entwickelt u.a. ein Konzept für eine langfristige publizistische Planungsarbeit der Landesregierung [6] Anschließend wird er als Referent in die Planungsabteilung der Hessischen Staatskanzlei übernommen. Hier wird der »Große Hessenplan« erarbeitet, der die Wirkung eines Kabinettsbeschluss der Landesregierung hat und somit zu einem Bestandteil des Regierungsprogramms für die folgenden Jahre wird [7]Ausgerechnet die später enttarnte Christel Guillaume (1927-2004), die Personalratsvorsitzende und Büroleiterin von Staatssekretär Birkelbach war, fungiert auch als seine Sekretärin.

Im Jahr 1969 kommt es anläßlich einer Veröffentlichung von Rainer Waterkamp (»Sind die Verhältnisse in Westberlin stabil?«) zu Kontroversen mit Joachim Nawrocki (1934-2013), Wirtschaftskorrespondent für Die Zeit, und dem umstrittenen Berliner Innen-Senator Kurt Neubauer (1922-2012) [8]. Bereits Ende der 1960er Jahre erscheinen Bücher zur Konfliktforschung und Friedensplanung sowie zur Zukunftsplanung (Futurologie)  [8a].

Ende 1969 treten der Hessische Ministerpräsidenten Dr. Zinn (1901-1976) und Staatssekretär Birkelbach von ihren Ämtern zurück, Birkelbach wird erster Datenschutzbeauftragter des Landes Hessen. Waterkamp wechselt zum gleichen Zeitpunkt nach Bonn und wird Nachfolger von Geert Müller-Gerbes (1937-2020), der von der IBM-Presseabteilung als Pressereferent zu Bundespräsident Gustav Heinemann geht. Als Pressesprecher des multinationalen Konzerns in der Außenstelle in Bonn und zugleich Leitender Beauftragter für Unternehmensverbindungen, im September 1969 neu errichtet, hat Waterkamp die Unternehmensleitung über relevante industriepolitische und gesetzgeberische Vorhaben der Bundesregierung zu unterrichten. Seine Aufgabe ist es zudem, Kontakte zu Politikern und wichtigen Ministerialbeamten zu vermitteln, die Planungsgremien der IBM-Deutschland in Sindelfingen zu beraten und Planungsvorhaben mit der IBM-Europa in Paris abzustimmen. Im Jahr 1970 bricht das  Management der IBM World Trade Corporation in New York das Finanzierungsprojekt »Computer and Privacy« für die Interparlamentarische Arbeitsgemeinschaft (IPA) als »zu heikel« ab - zeitgleich mit der Absage des mit der Stadt Hannover am 7.2.1970 geschlossenen Vertrages zum Bau eines neuen Fertigungswerkes auf der Pferderennbahn in Laatzen bei Hannover [9]  

Der bisherige Leiter des IBM-Verbindungsbüros, Werner Gerdes, verlässt aus Protest gegen die Absage des Projekts »Computer and Privacy« den multinationalen Konzern IBM und geht zur deutschen Computer-Firma Nixdorf. Waterkamp erarbeitet in Abstimmung mit der IBM-Europa in Paris als Alternative einen »Fonds für Umweltschutz-Studien« mit der IPA, in den die IBM 8,1 Millionen DM einzahlt [10].

Waterkamp nimmt 1971 das Angebot von Professor Dr. Thomas E. Ellwein (1927-1998) an und geht 1971 als Leiter der Arbeitsgruppe Information und Kommunikation an das Wissenschaftliche Institut für Erziehung und Bildung in den Streitkräften (seit 2013 Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam) nach München. Hier führt er wissenschaftsorganisatorische Untersuchungen für ein funktionierendes Kommunikations- und Koordinationswesen zwischen den verschiedenen Arbeitsgruppen des Instituts durch und baut ein Informationssystem für Innovationsentscheidungen der Institutsleitung auf. Außerdem arbeitet er an der Konzeption für eine längerfristige publizistische Planungsarbeit des Instituts und an der Entwicklung eines Curriculums der Fachrichtung Wirtschafts- und Organisationswissenschaften für die neu zu errichtenden Hochschulen der Bundeswehr mit. Ausgegangen wird dabei von dem Gutachten der Kommission zur Neuordnung der Ausbildung und Bildung in der Bundeswehr über die künftige Organisation und die Inhalte der Aus- und Fortbildung von Offizieren, Unteroffizieren und länger dienenden Mannschaften vom Mai 1971. Die Vorarbeiten für die Verwirklichung dieser Vorschläge beginnen im Herbst 1971 [11]. Neben diesen Arbeiten ist es seine Aufgabe, die einzelnen Schritte zwischen dem Münchner Institut und dem Führungsstab der Streitkräfte (FüS I 5) im Bundesministerium der Verteidigung zu koordinieren. Im Jahr 1974 geht Ellwein als Präsident der neu geschaffenen Hochschule der Bundeswehr nach Hamburg. 

Zum gleichen Zeitpunkt kehrt Waterkamp von der Wissenschaft wieder in die Staatsverwaltung zurück und beginnt als Leiter des Referats I2  im Planungsstab der Niedersächsischen Staatskanzlei von Ministerpräsident Alfred Kubel (1909-1999). Neben Vorlagen für das Staatsministerium (Kabinett) in Fragen der Gesundheit und des Sozialwesens im Planungsstab der Staatskanzlei gehört zu seinen Aufgaben die Organisation von Klausurtagungen mit Vertretern der Landtagsfraktionen und die Geschäftsführung für den Kreis der Planungsbeauftragten der Ressorts. Zudem ist er zuständig für den Erfahrungsaustausch mit dem Bund und den anderen Ländern in Angelegenheiten der ressortübergreifenden Planung. 

Die Nachfoigeregelung des ausscheidenden bisherigen Ministerpräsidenten Alfred Kubel (1909-1999) im Jahre 1976 erfolgt dilettantisch. Der eigentlich vorgesehene bisherige Finanzminister Helmut Kasimier (1926-2013) scheitert an einer Gegenstimme aus dem eigenen sozialliberalen Lager, auch der neu aufgestellte Kandidat Karl Ravens (1927-2017) kann sich nicht durchsetzen. Zum neuen Ministerpräsidenten wird überraschend Ernst Albrecht (1930-2014) von der CDU gewählt.

Film- und Bildarbeit 

Rainer Waterkamp wechselt von Niedersachsen wieder nach Bonn und übernimmt im Geschäftsbereich des Bundesministers für innerdeutsche Beziehungen die Leitung  des Referats »Film, Bild, Fernsehen«. Er wird ausgerechnet vom Referatsleiter für die Abwehr der DDR-Spionage und Überläufer Hansjoachim Tiedge sowie Klaus Kuron (IM Berger, der für den Geschäftsbereich des Bundesministers für innerdeutsche Beziehungen zuständig ist, sicherheitsüberprüft - beide arbeiten für die Stasi der DDR.  [12] Zum Referat gehört ein umfangreiches Bildarchiv, in dem Bilder aus dem Lebens- und Arbeitsalltag der DDR, Aufnahmen aus der deutschen Geschichte (siehe »Deutschland 1945-1949. Eine Bilddokumentation des Gesamtdeutschen Instituts«, Bonn,  o.J.) sowie Dia- und Bildmaterialien von Städten und Landschaften der DDR bzw. aus den neuen Bundesländern gesammelt werden. Aufträge werden ab 1988 mit Listen zu fotografierender Motive (Gebäude, Denkmäler, Sehenswürdigkeiten) insbesondere an Gert Koshofer (geboren 1936), dem Generalsekretär der »Deutschen Gesellschaft für Photographie« erteilt, [13] Bildmaterialien zu deutschlandpolitischen Ereignissen stellt insbesondere Karl-Heinz Jürgens (geboren 1948) von der Bildagentur »Jürgens Ost+Europa Photo« zur Verfügung. An allen Aufnahmen werden zumeist nichtgewerbliche Nutzungsrechte erworben; die Bildmaterialien stehen für Publikationen als auch für die politische Bildungsarbeit zur Verfügung.

Bei den Film-Materialien des Referats handelt es sich sowohl um Spiel- und Dokumentarfilme der DEFA bzw. des Fernsehens der DDR, an denen Vorführrechte erworben wurden, als auch um Filmproduktionen über die DDR und zur Geschichte der innerdeutschen Beziehungen, die vom Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen bei westdeutschen Filmproduzenten (beispielsweise Allcom, Chronos-Film, Multimedia) in Auftrag gegeben wurden oder in Kooperation mit Fernsehanstalten wie NDR, WDR oder HR entstanden [14]. Sie werden den Landesbildstellen und Landesfilmdiensten, dem Deutschen Filmzentrum, der Arbeitsgemeinschaft Staat und Gesellschaft (ASG) und anderen Stellen für die politische Bildung zur Verfügung gestellt. Darunter befinden sich viele DEFA-Spielfilme wie »Einer trage des anderen Last«, »Märkische Forschungen« und »Die Architekten«. Im Verleihkatalog »Filme zur Deutschen Frage« werden diese Filme der Defa bzw. des Fernsehens der DDR aufgeführt, der nachgewiesene Einsatz in der politischen Bildungsarbeit wird finanziell gefördert. Beigegeben sind jeweils »Begleitmaterialien« als Handreichungen für die medienkritische Arbeit mit den Filmen [15]. Zudem werden im Auftrag des Referats zahlreiche Sendungen des Fernsehens der DDR wegen der besseren Empfangsmöglichkeit von einer Außenstelle des Bundespresseamtes der Bundesregierung in Hannover mitgeschnitten (4.700 Fernsehmitschnitte). Die medienarchivarische Sammlung zum Thema DDR soll als gesamtdeutsches Kulturgut für die Nachwelt  erhalten bleiben.          

Besonders wertvoll sind die Fernsehmitschnitte der »Aktuellen Kamera«, der Nachrichtensendung des DDR-Fernsehens, die für den Zeitraum vom 17.8.1983 bis 30.4.1991 lückenlos dokumentiert werden [16]. Die Sicherung und Erschließung der DDR-Film- und Fernsehmaterialien erweist sich als  wichtige Aufgabe, denn es stellt sich heraus, dass in der DDR zahlreiche Film- und Fernsehmaterialien »kassiert«, also vernichtet worden waren. So hat der Chefkommentator des »Schwarzen Kanals« der DDR, Karl-Eduard von Schnitzler (1918-2001), nach eigenem Bekunden viele seiner Sendungen löschen lassen, »weil wir die Bänder brauchten« [17]. Mit dem Ende der DDR werden auch das Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen und das nachgeordnete Gesamtdeutsche Institut aufgelöst. 

Das Bildarchiv mit rund 50.000 Bildmotiven wird nach der Wende in der DDR 1992  komplett mit dem zugehörigen Personal an das Bundesarchiv abgegeben. Dazu gehören auch Dia-Reihen wie »Malerei in der DDR« (50 Farb-Dias) oder 14 Dia-Reihen aus der Serie »Städte und Landschaften in der DDR«Das gleiche geschieht mit den Dokumentarfilmen (Archvnummern »L«) und Spielfilmen (Archivnummern »S«). Alle Fernsehaufzeichnungen (Archivnummern »FAZ«) von Sendungen der DDR (zunächst in ein Lager in Oedekoven bei Bonn umgelagert) werden in besondere Räume des Bundesarchivs nach Koblenz überführt und Ende 1997 mitsamt der umfangreichen Aktenbestände (Inhaltsbeschreibungen  der Filme, Rezensionen und Verträge sowie Bestandslisten mit den jeweiligen Archivnummern) an das Deutsche Rundfunkarchiv in Berlin-Adlershorst abgegeben. [18]. Erst 1997 werden die Mitschnitte des DDR-Fernsehens vom Sender Freies Berlin in seiner Sendung »Vor zehn Jahren« - zusammen mit den entsprechenden Sendungen der »Tagesschau« - jeweils montags präsentiert. Sie werden vom MDR übernommen und jeweils dienstags gezeigt.  Noch in der Wendezeit wird vom Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen ein Projekt unterstützt, das in Fortführung der DDR-Produktion »Lebensläufe« von Barbara und Winfried Junge drei Filme mit weiteren Porträts (Willy, Marieluise, Winfried) in Hinblick auf Diktion und Verwendung auch für Zielgruppen in den westlichen Bundesländern neu aufbereiten will. Dieses Projekt versteht sich auch als Starthilfe, denn das Interesse an einer finanziellen Förderung solcher Filme ist zu dieser Zeit gering. Es zeigt sich, dass der Zeitgeist generell weitgehend uninteressiert ist an der Aufarbeitung der DDR-Geschichte, was auch die Film- und Fernsehlandschaft einschließt. 

Schriftenreihe »Medienberatung«

Rainer Waterkamp wird verantwortlich für Konzeption und Projektleitung einer neuen Schriftenreihe  »Medienberatung«, die von der Bundeszentrale für politische Bildung - deren Leitung zunächst ebenfalls zögerlich ist im Umgang mit dem kulturellen Ebe der DDR - herausgegeben wird [19] Die auf der Hand liegende Frage, die auch der Bundesrechnungshof im Jahre 2000 nochmals stellt, wird im politischen Raum nicht diskutiert: »Eine Kompetenz des Bundes für politische Bildung existiert im Grundgesetz nicht«, monieren die Kontrolleure, eine Zuständigkeit der Zentrale sei für dieses Themenfeld »nicht gegeben« [20]..  In der Tat wäre eine Bundesbehörde für »gesamtdeutsche Aufgaben« zur »Förderung der inneren Einheit« sinnvoll gewesen, um »die innere Vereinigung« zu vollenden» [21]. Immerhin können für die neue Schriftenreih»Medienberatung« Autoren sowohl aus der ehemaligen DDR wie aus der Bundesrepublik gewonnen werden, die kompetente Beiträge liefern. In den Heften findet sich eine dem jeweiligen Thema zugeordnete Aufstellung ausgewählter DDR-Medienmaterialien. Den Heften mit verschiedener Thematik sind Video-Kassetten (»Heimat DDR - Das »sozialistische Vaterland«  in Selbstzeugnissen«, »Scharnhorst«), Musik-CDs (»Die DEFA-Filmhits«), Bildhefte (beispielsweise ein 13 Folien umfassendes Begleitheft über »Frauenidole der Filmgeschichte«), Postkarten (»Heimatbilder der neuen Bundeslände«, »30 Filmplakate der DEFA«) oder Taschenkalender beigegeben  [22].

In die Zeitstimmung der frühen 1990er Jahre passt eine von der Moderatorin Sabine Christiansen (geboren 1957) geleiteten Sendung der ARD-Tagesthemen. Um den Vorwurf revanchistischer Tendenzen im Kalender »Deutschland und Europa« der Bundeszentrale für politische Bildung von 1993 zu untermauern, wird das Titelbild des Kalenders mit der Darstellung des Bonner Rathauses und den Flaggen Deutschlands und Europas ausgetauscht gegen ein Bild von Danzig aus einem der nachfolgenden Monatsbilder. Im Textteil findet sich keine einzige Passage, die Anstoß erregt, auch der polnische Botschafter in der Bundesrepublik sieht keine Veranlassung für eine Intervention [23]Einflussreiche Publikationen wie »Die Welt«, die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« und auch »Der Spiegel« beteiligen sich nicht an dieser Kampagne. Mit dem Kalender werden alle Schulen in Deutschland beliefert, deren Anschriften von den jeweiligen Kulturministerien der Länder zur Verfügung gestellt werden. Nur das Saarland sendet keine Versandaufkleber und erhält dementsprechend keine Kalender.           

 

Veröffentlichungen

Rainer Waterkamp hat 33 politische Bücher und 88 politische Artikel veröffentlicht sowie 32 Reisebücher und über 100 Reise-Reportagen publiziert.

Persönliches

Aus den politischen Debatten hält er sich seit der Jahrtausendwende heraus. Politische Beiträge in Form von Büchern und Artikeln erscheinen seitdem nicht mehr, dafür wendet er sich verstärkt der reisejournalistischen Tätigkeit zu.

Waterkamp war verheiratet mit der in Lissabon geborenen Portugiesin Maria José Nuñes Correia Waterkamp (gestorben 2011).

Hochzeit in Lissabon vor dem Mosteiro dos Jerónimo de Belém

Einzelnachweise

 

1. Peter Christian Ludz, Parteielite im Wandel. Funktionsaufbau, Sozialstruktur und Ideologie der SED-Führung. Eine empirisch-systematische Untersuchung (Schriften des Instituts für Politische Wissenschaft, 21), Köln 1968.

2.. Rainer Waterkamp, Das zentralstaatliche Planungssystem der DDR, Berlin 1983, S. 6

3. Rainer Waterkamp, Herrschaftssystem und Industriegesellschaft, BRD-DDR, Stuttgart 1972, S. 53

4. Rainer Waterkamp, Herrschaftssysteme und Industriegesellschaft, S. 7

5. Rainer Waterkamp, Politische Leitung und Systemveränderung, Köln/Frankfurt 1974, S. 34

6"Umstrittene Öffentlichkeitsarbeit", in Darmstädter Echo vom 06.03.1968: "Der Chef der Staatskanzlei ist, lapidar ausgedrückt, mit der Pressepolitik, mit dem Informationswesen der Landesregierung nicht recht zufrieden. Davon hat er in der Öffentlichkeit zwar kein Wort gesagt, aber vielleicht hat er es sagen lassen? Wenn auch das nicht zutrifft, so bleibt doch ein Beachtung fordernder Artikel in der Januar-Ausgabe des „Monat" zu registrieren, den der junge Politologe Waterkamp, von Birkelbach eigens zur Unterstützung der langfristigen publizistischen Arbeit staatlicher Stellen nach Wiesbaden geholt, geschrieben hat".

7. "Da auch das Baseler Prognos-Institut das Projekt günstig beurteilte und u.a. Niedersachsen dazu aufforderte, einen ähnlichen Niedersachsenplan zu erarbeiten, gewann man die Gewissheit, etwas bahnbrechend Neues präsentiert zu haben" (Willi Birkelbach und Luise M. Dressler: Fazit. Gelebt-Bewegt, Marburg 2000, S. 252)

8. "Sind die Verhältnisse in West-Berlin stabil?", in: Deutschland-Archiv, Heft 6/1963, S. 588ff, siehe Joachim Nawrocki: "Die Einäugigkeit der Berlinkritiker oder: Wie man mit Koffern in Berlin 10 Milliarden produziert", in: Deutschland-Archiv, Heft 6/1969, S. 591 und Kurt Neubauer: "Alte Vorurteile aufgefrischt", in: Deutschland-Archiv, Heft 10/1969, S. 1045ff

8a Grundlagen und Methoden der Zukunftsforschung, hrsg.v. Karlheinz Steinmüller, Sekretariat für Zukunftsforschung, Gelsenkirchen 1997, S.15:  "Der politikwissenschaftliche Zuggang (ist) eher planungspraktisch orientiert und (setzt) den Schwerpunkt auf politisches und Verwaltungshandeln (Waterkamp 1970)".

9.  Stadtarchiv Hannover, Stadtchronik von den Anfängen bis 1988; siehe Der Spiegel, Nr. 39, 1981

10. Die Zeit vom 09.10.1970: "Zweck der IBM-Millionen und Aufgabe des Fonds ist es, die Gesetzesinitiative des Parlaments auf dem Gebiet der Umweltsünden zu fordern. Der Bonner IBM-Sprecher Waterkamp: 'IBM ist überzeugt, dass es auch Aufgabe der Industrie ist, sich an der Lösung der Umweltprobleme praktisch zu beteiligen. Die Wirtschaft hat über das Profitinteresse hinaus auch die Aufgabe, ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein zu dokumentieren'."

11. Neuordnung der Ausbildung und Bildung in der Bundeswehr.  Gutachten der Bildungskommission an den Bundesminister der Verteidigung, Bonn 1971, S. 13.

12. vgl. Detlef Kühn: Das Gesamtdeutsche Institut im Visier der Staatssicherheit. Schriftenreihe des Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Band 13, 3. Auflage, Berlin 2011, S.25, 74.

13. Die fünf neuen Bundesländer. Bildportaits. Eine Bilddokumentation des Gesamtdeutschen Instituts, Bonn 1991. "Die etwa 2000 Diaduplikate gingen vom Gesamtdeutschen Institut in den Bestand des Bundesarchivs über" (Gert Koshofer, Wikipedia).

14. "Im Rahmen der Filmarbeit vergibt das Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen Aufträge zur Herstellung von Dokumentarfilmen, kauft bereits fertiggestellte Spiel- und Dokumentatrfilme an und kooperiert mit Fernsehanstalten bei der Produktion von Filmen, die im Sinne der deutschlandpolitischen Informations- und Bildungsarbeit zum kostenlosen Verleih angeboten werden" (Bestandsaufnahme der mitteldeutschen Kultur- und deutschlandpolitischen Bildungsarbeit 1985/86, BT-Drucksache 11/3058 vom 05.10.1988, S. 15).

15.  OPAC der Bibliothek der SAPMO-DDR: Satzanzeige.

16Zu den Film- und Fernsehbeständen, die ab 1. Januar 1994 durch das Deutsche Rundfunkarchiv (Außenstelle Berlin) übernommen wurden, zählen Sendungen der  Kindersendung Unser Sandmännchen (Archiv 12.12.1965 - 19.9.1983), Alltag im Westen (im Archiv 23.12.1977 - 13.11.1984), Objektiv (30.12.1965 - 23.3.1990), Ratgeber-Programme wie Du und Dein Garten, Du und Dein Haustier, Gesundheitsmagazin Visite (23.12.1973 - 12.2.1991), das Magazin für junge Ehepaare Sie und Er und 1. 000 Fragen, Die Elternsprechstunde (28.2.1970 - 23.4.1987), das Verkehrsmagazin, die Sendereihe Berufe im Bild (16.9.1977 - 26.7.1990), Antworten - Eine Sendung zu Fragen der Zeit (24.7.1974 - 13.4.1982), Entwicklungen im Alltag (7.4.1981 - 9.10.1982), die Reihe Wettlauf mit der Zeit (9.4.1986 13.10.1989) sowie die Prisma-Reihe (26.5.1966 10.6.1991 im Archiv). Viele Mitschnitte des militärpolitischen Magazins Radar (im Archiv 5.12.1978 - 23.10.1989), der Kindersendung Sandmännchen (12.12.1965 - 19.9.1983) und des Kulturmagazins (19.1.1974 - 15.3.1990) sowie Elf 99 (20.10.1989 - 23.4.1991) sind dokumentiert. Die Sendung Treffpunkt Berlin (erste Sendung 2.5.1956, im Archiv 3.11.1965 - 8.12.1976) unterstand Karl Eduard von Schnitzler und wurde teilweise ebenso aufgezeichnet wie Der Schwarze Kanal (14.8.1961 - 30.10.1989 im Archiv), der kommentierte Ausschnitte aus Sendungen des westdeutschen Feindprogramms“ enthielt, und zwar nach den Worten ihres Chefkommentators „rücksichtslos und ohne auf irgendwelche Urheberrechte zu achten“. 

17. DDR-Fernsehen intern, Berlin 1990, 2. 282

18Ungenau und teilweise falsch die Darstellung von Matthias Steinle: Vom Feindbild zu Fremdbild, UVK Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz 2003, Anmerkung 53: "Nach einer Zwischenlagerung im Bundesarchiv Koblenz wurde der Bestand dem DRA übergeben, das die - in einem nur als chaotisch bezeichnenden Zustand - 'schlummernden Filmschätze' (Waterkampf, 1996, S. 79) titelmäßig erfasst hat, wobei die Raubkopien der DEFA-Filme vernichtet und die Aufzeichnungen von westdeutschen TV-Sendungen den betreffenden Fernsehanstalten übergeben wurden"Weder gab es "Raubkopien", noch wurden Filme vernichtet, vielmehr wurden Archiv-Filme und Umatic-Kassetten ebenso wie die Original-Ausgangsmaterialien von hergestellten Filmen für die deutschlandpolitische Bildungsarbeit an das Bundesarchiv in Koblenz abgegeben. Von dort gelangten die DDR-Materialien nach Berlin-Adlershorst und wanderten dann an den neuen DRA-Standort nach >Potsdam-Babelsberg.  Auch ist unrichtig, dass das Medienreferat des BMB »im Gesamtdeutschen Institut-Bundesanstalt für gesamtdeutsche Aufgaben (GDI-BfgA), einer nachgeordneten Behörde, angesiedelt war« (Seite 20).

19 "Völlig verludert", in Der Spiegel vom 08.06.1992

20. "Verschwendung auf hohem Niveau", in Der Spiegel vom 01.03.1999

21. Bericht der Bundesregierung zu Stand und Perspektiven der politischen Bildung in der Bundesrepublik Deutschland, BT-Drucksache 12/1773 vom 10.12.1991, Seite 10

22. Rezension "Bild und Heimat" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 24.12.1998

23.  In dem Vorwort zum Kalender heißt es: »Nach der Vereinigung wurden Bilder aus den neuen Bundesländern in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, weil die jungen Westdeutschen noch immer mit Orten und Landschaften östlich der alten innerdeutschen Grenze wenig anzufangen wissen. Zum anderen kann jungen Ostdeutschen auf der Suche nach Identität bewußt gemacht werden, wie eng verbunden Wirtschaft, Politik und Kultur in ganz Europa in der Vergangenheit waren: im Kalender machen dies die Themen europäische Handelswege, deutsches Eisenbahnwesen in der Phase der industriellen Revolution und die Baustile der Backsteingotik und des Barock besonders deutlich. Zudem kann an Beispielen spezieller landschaftlich-kultureller Eigenheiten gezeigt werden, daß religiös geprägte Enklaven (das Eichsfeld) und nationale Minderheiten (die Sorben) im Rahmen des europäischen Einigungsprozesses identitätsstiftende Größen bleiben. Im Unterricht werden sich die vielfältigen Themenkomplexe, die in einem Wandkalender nur knapp angesprochen werden können, in ihren historischen, politischen oder wirtschaftsgeografischen Aspekten vertiefen lassen«. Siehe Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung zur Förderung des Prozesses der deutschen Einheit. Stand: 31. Januar 1997


 

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