Weltreisen

Meine Reisen

23. März 1970 - 4. April 1970 Weltreise: Beirut - Damaskus - Karachi - Delhi - Agra  - Bangkok - Hongkong - Tokio - Wake Island - Hawaii - San Francisco - New York

8. Mai 1985 - 19. Mai 1985 Weltreise: Bahrain - Bangkok/Ayuthya) - Hongkong - Taipeh - Tokio - San Francisco

Skyline von Hongkong 

Was einer auf einer 14tägigen Reise um die Welt alles erlebte  

 

Eine Reise um die Welt -  welch' Traum!  Doch die ganze Welt in 14 Tagen?  Manch besonders Eilige versuchen es.

 

Ich wollte schon immer einmal nach Australien. Bin ich gewesen.  Auch in Manila und in Singapur und in Bangkok.  Alles innerhalb von 14 Tagen, habe dabei mit der zusammengewürfelten Gruppe 37.449 Kilometer zurückgelegt - so jedenfalls die Bescheinigung des Reiseveranstalters. Unwahrscheinlich beeindruckend dieses Sydney - bis auf das Hotel, wo sie noch Geld für nicht getrunkene Erfrischungen aus dem Zimmer-Kühlschrank haben wollten. Oder war das in Manila? Richtig, in Sydney traf ich ja die nette Holländerin. Oder war das in Bangkok? Egal, bei einer so kurzen Reise, jeden Tag voll mit Programm, kommt man schon ein bisschen durcheinander.

Es fing an auf dem Flughafen Frankfurt. Erwartet hatte ich ein weitgereistes, welterfahrenes Völkchen. Immerhin hatte ich rund 6.000 DM hinblättern müssen. Ohne die anfallenden Kosten für die Exkursionen, Besichtigungsfahrten.  Ohne die Getränke und die Verpflegung.

 

Einreise mit Hindernissen

Es fing auch damit an, dass wir am Sylvester-Abend mit drei Stunden Verspätung abflogen und zunächst nach London reisten.  Dort wurde das»Happy New Year« begrüßt. Dann endlich ging es über Kamchi nach Manila.

Die Philippinen und Australien - das waren die Programmpunkte, derentwegen ich die Reise gebucht hatte. Die hübschesten Mädchen der Welt bewundern. Die Reisterrassen von Benaue besichtigen. Australiens Weiten erleben. Die Aborigines, die Ureinwohner Australiens, treffen. Schwamm drüber. Für das Nachtleben hatten wir keine Zeit, außerdem lag unser Hotel, das »Manila Hilton International« zu weit entfernt. Und die Ureinwohner findet man einige tausend Kilometer nördlich von Sydney. War ja auch eigentlich klar. Immerhin, ich habe den fünften Kontinent gesehen.

Doch zuvor erwartete uns ein Schock. Nach der Landung in Melbourne saust zunächst ein Steward und danach noch ein Hygiene-Inspektor mit einer Spray-Dose durch den Gang des Flugzeuges. Sind wir verlaust? Vom nuklearen fall-out befallen? Nichts dergleichen. Australien hat nur besonders strenge Quarantäne-Gesetze, nach denen beispielsweise auch die Einfuhr aller pflanzlichen und tierischen Produkte verboten ist. Immerhin haben sich Importe in Australien sehr oft und sehr rasch als Plage herausgestellt, so die vor vielen Jahren importierten Kaninchen, Spatzen, Karpfen und Kröten.

Mein Nachbar, ein Bäckermeister, hat von dieser Desinfektion nichts bemerkt. Er ist tief weggesackt. Der Ausflug zu den Pagsanjan-Fällen auf den Philippinen war doch ein wenig anstrengend. Und dann der köstliche Wein, kostenlos von der Singapore Airline auf dem Flug nach Australien kredenzt. Das kann einen schon schaffen. Die „innere Uhr“ steht bei der Ankunft im morgendlichen Australien immer noch auf Schlafenszeit. Zwei Tage Manila haben die Umstellung noch nicht bewerkstelligt. Zudem: Es ist Januar; das heißt, wir sind dem deutschen Winter entflohen und im australischen Sommer gelandet. Temperaturen um 30 Grad lösen deutsches Frostwetter ab. Kurzes Shopping auf dem Flughafen von Melbourne. Dort kauften sich die beiden jungen Damen ihren riesengroßen Koala aus wuscheliger Wolle. Oder war das während des Ausflugs zu den „Blauen Bergen“? Egal, das Wuscheltier war von Australien an immer dabei. Bis Bangkok. Dann wurde es in der Hast auf dem Flughafen liegen gelassen. Wir waren spät dran. Schnell, schnell.

Ein kleines Nickerchen der Damen. Aufschrecken, ach ja, die Handtasche. Wo ist der Reiseleiter? Dort vorn, schon beim Einchecken.  Schnell, Ticket, Passkontrolle, Zoll, Sicherheitskontrolle. Noch ein Blick zurück und kein Weg mehr in die Vorhalle, wo ein einsamer Koala sitzt. Richtig, die Kontrollen! Wo war das gleich? Ach ja, in Sydney, Immigration Officer, roter Strich auf dem Fußboden gezeichnet. Hier muss man warten, bis ein Kopfnicken bedeutet, näher zu treten. Ich hatte furchtbare Angst. In meinem Koffer lag eine Packung Kekse. Dämlich, hatte ich einfach verschlafen, diesen Hinweis: keine pflanzlichen Produkte einführen! Ich setzte mein gewinnendstes Lächeln auf, erkläre, dass ich leider Kekse in meinem Koffer einführe. Sorry. Der Pass-Beamte lächelt ebenfalls - das kann nichts gutes bedeuten. Richtig, ich soll zur Gepäckkontrolle Bahn 13. Das musste ja so kommen, auch noch die Nummer 13!  An allen anderen Rollbahnen lange Schlangen der Einreisenden. Nur nicht auf Bahn 13; und dort steht eine uniformierte Dame! Wo ist meine Gruppe? Keine Hilfe des Reiseleiters zu erwarten. Ich sehe niemanden. Also los, hin zur Dame. Ich erkläre, die Müdigkeit in meinen Gliedern, die englisch gestammelte Tatschilderung fällt mir schwer! Sie lächelt! Sie lächelt. Ich kann gehen. Mit meinen Keksen! Ohne den Koffer geöffnet zu haben!

 

Reisen bildet!

Fassungslos, übermüdet, stürze ich in die Vorhalle des Flughafens. Wo ist der Bus? Wo ist die Gruppe? Haben die mich hier allein zurückgelassen? Ich haste das Flughafengebäude rechts entlang. Nicht. Links entlang. Nichts.  Ruhig, sammeln. Wie war das noch gleich? Hotel »Hyatt Kingsgate«, das muss mit dem Taxi doch zu erreichen sein. Und da kommt der erste Teilnehmer aus dem Gebäude! Das dauert noch, meint er zu mir. Es werde gründlich gefilzt. Die beiden jungen Damen hätten alles auspacken müssen, Lippenstifte aufschrauben, Puderdosen öffnen, Unterwäsche ausbreiten. Ich danke meiner Eingebung, einen unzulässigerweise im Gepäck verpackten Keks gemeldet zu haben.  Ich kann in Ruhe warten, vielleicht noch ein wenig dösen, mich auf die bevorstehenden, sicher anstrengenden neuen Ereignisse vorbereiten.

In der Tat: Niemals zuvor habe ich in so kurzer Zeit so viel gesehen. Von den Gästen hat die reiche Dame (die mit den beiden Töchtern) bereits einmal eine Weltreise mit dem Reiseveranstalter gemacht. Da war sie mit ihrem Mann 14 Tage unterwegs, von Bangkok über Hongkong und Taipeh nach Tokio und San Francisco. Meine Frage, warum sie in zwei Wochen fünf Weltstädte verkonsumiert, 31.853 Kilometer heruntergerast hat, versteht sie nicht. Man müsse doch so viel rausholen, wie man könne, oder nicht? Und wer einmal die Pyramide in Tokio gesehen habe, dem bleibe eine ewige Erinnerung. Leise korrigiere ich: Sie meine die Pyramide in San Francisco oder den Tower in Tokio? Richtig, diesen Turm da in Japans Metropole meinte sie, sei ja auch eigentlich egal, wie das Ding heiße, nicht wahr? Gesehen haben müsse man das aber doch einmal im Leben. Und: wer weiß, wie lange man das noch könne?  Reisen bildet? Unser Bäckermeister, von dem alle anderen Mitreisenden glauben, es sei seine erste Reise, war schon in Südamerika, in Nepal, auf Papua-Neuguinea. Was ihm von Südamerika (in 17 Tagen über 31.000 Kilometer) in Erinnerung geblieben sei? Ach ja, die Wasserfälle da in Chile, die waren schon riesig. Nur, dass die Iguacu-Wasserfälle zwischen Paraguay und Brasilien liegen, na gut, riesig sind sie schon. Und eine Steigerung des Erlebten kann eigentlich nur darin bestehen, noch mehr in noch kürzerer Zeit zu sehen.  Rund um Afrika etwa, in 20 Tagen von Ägypten über Kenia und Zimbabwe nach Südafrika und Namibia, durch Kongo und Zaire, Togo und Benin, über die Elfenbeinküste und den Senegal nach Marokko und zurück in die Heimat. Wen das nicht schafft! Ob da die Reisenden nach ihrer Rückkehr mit dem Sortieren ihrer Bilder noch zurande kommen?

 

Auswechselbare Erlebnisse

Die Labyrinthe der Flughäfen sind auswechselbar wie die Vorhallen der großen Hotels. Ich habe viele Reisegruppen getroffen, viele Reiseleiter gesehen, Hotelportiers und Kellner erlebt, Stewardessen bewundert. So muss das Leben eines Top-Managers aussehen oder eines Flugkapitäns Hotels, Busse, Flughäfen, Hotels. Und zwischendurch auswechselbare Erlebnisse, beliebig, an welchem Ort. Sydney habe ich wirklich kennen gelernt. Immerhin waren wir volle zwei Tage hier. Die lebenslustige, sinnliche Stadt mit dem sportlichen touch hat es mir angetan.  Städte wachsen in Australien in die Breite, schießen nicht in die Höhe. Dennoch hat Sydney seine Wolkenkratzer und den beeindruckenden Tower, rund 305 Meter über den Straßen der Stadt. Hat seine 1.148 Meter lange Harbour Bridge, über die acht Autofahrbahnen, zwei Eisenbahntrassen und zwei Fußwege mit Radspuren führen. Und besitzt natürlich das Wahrzeichen der Stadt, das Opern House mit seinen 10 perlenfarbenen, segelartigen Dächern aus glatten weißen Keramikspiegeln wie gewaltige Segel. Hier haben 6.000 Personen Platz.

Als Fotograf habe ich einige Schwierigkeiten. Die Sonne steigt schnell empor und taucht alles sofort in ein scharfes, helles Licht. Sie ist von besonders blendender Helligkeit. Und das Meer leuchtet kontrastreich saphirblau - da ist der Blaustich schnell im Bild. Und dennoch: welch ein vielfältiges, vielfarbiges Menschengemisch auf den Straßen!  Menschen und Natur - sie scheinen mir rau und eigensinnig, doch freundlich und faszinierend. Und freundliches Entgegenkommen brauche ich, denn mit meinem Schulenglisch bin ich manchmal recht hilflos. „Night“ wird hier zu „nite“ und „Supermarket“ zu „Supa valu“. Abends in der Bar, mittags im Park, höre ich von jungen Leuten, die mich ansprechen „Owyer goin', mate, orright?“ Wie geht's, Mann, alles in Ordnung? Man muss sich schon ein wenig hineinfinden in dieses Austral-Englisch, darf sich aber nichts anmerken lassen. Und nur keine Kritik in diesem gesegneten Land! Das hat uns unser Reiseleiter eingeschärft. Sonst kann man eins auf seine Nase bekommen, hat er gesagt.

 

Flüchtige Begegnungen

Auch in Singapur haben wir ein putziges Englisch gehört. So, wenn bei jeder Gelegenheit ein -la angehängt wird.  Es soll die Aussage verstärken. Very hot-la! Wirklich sehr heiß. Missverständnisse bleiben da nicht aus. Ich bin mit dem Hamburger Ehepaar und den beiden jungen Damen, die sich gerne anschließen, da sie kaum Englisch sprechen, in ein Restaurant gegangen. Wir wollen ein Steak essen. Wir einigen uns auf „medium“ und bestellen. Es kommt ein typisches Steak „englisch-blutig“. Es stellt sich. heraus: „medium“ bedeutet hier in Sydney „mittelgroß“. Und so war das Steak dann auch. Man lernt halt immer wieder dazu.

Ansonsten ist Australien recht teuer. Im Durchschnitt, so unsere Erfahrung, muss man fast, doppelt soviel zahlen wie in Deutschland. Von den Problemen des Landes, beinahe so groß wie die USA ohne Alaska mit nur 8 Millionen Einwohnern, haben wir kaum etwas mitbekommen: hohe Jugendarbeitslosigkeit und Selbstmordraten, steigenden Drogenmissbrauch und wachsende Umweltkriminalität. Unsere Stadtfahrt, unsere Fahrt in die „Blauen Berge“ konnten uns kein Problembewusstsein vermitteln außer solches, dass es in Australien (und auch in Sydney) die giftigsten Schlangen, Spinnen und Muscheln der Welt gibt - die Haie an der Badeküste nicht zu vergessen.  Gerne wäre ich noch einmal die restaurierten viktorianischen Häuser des ehemaligen Arbeiterviertels Paddington entlang gegangen - keine Zeit. Hätte furchtbar gerne einen ausgedehnten Bummel durch die moderne Innenstadt (vorbei am putzigen Shugar-House) gemacht - unmöglich, da waren wir bereits wieder auf dem Flughafen. Nein, Australien habe ich nicht kennen gelernt. Allzu flüchtig war meine Begegnung mit diesem interessanten Land. Immerhin: Ich weiß, dass ich hierher noch einmal zurückkommen werde.

 

Die halbe Welt vorbei gehuscht

Allen meinen Mitreisenden hat die Reise gefallen. Nun kann man mitreden, hat man etwas gesehen. Mir schien alles zu gehetzt, zu hingehuscht. Sicher: Ich habe die prachtvollen Paläste und Tempel in Bangkok gesehen. Welche - waren es noch gleich?  Wat Phra Keo, Wat Pho? Oder Wat Benchamabobitr? Oder nicht doch der Wat Traimitr? Wo stand der Gold-Buddha, wo war der „ruhende Buddha“?  Ich habe eine Klong-Fahrt mitgemacht, leider diesmal ohne Fotos. Es regnete. Wäre dies meine erste und einzige Fahrt in die thailändische Hauptstadt gewesen - ich hätte vom ursprünglichsten Teil dieser Stadt nichts gesehen.

Und die zwei Tage in Singapur? Gewiss, ich erinnere mich an den Ausblick vom Mount Faber. Habe flüchtige Erinnerungen an das zum Abriss anstehende China-Town. Werden die Weltenbummler es jemals auf ihren kommenden Reisen wieder so erleben, wie sie es jetzt gekonnt hätten, wäre Zeit geblieben, es in Ruhe zu besichtigen? Der Sammelruf riss mich vielmals aus meiner Beobachtung. Oder hatte mich einfach das Schlafbedürfnis übermannt? Wo war das noch, als uns ein älterer Reisender verloren ging? In Manila, Singapur Bangkok? Wir fanden ihn jedenfalls zufällig an einer Straßenecke wieder. Er war verstört, wusste nicht mehr, wo er sich befand. Völlige Orientierungslosigkeit. Kaum hätte er allein zum Hotel zurückgefunden. Hatte noch nicht einmal eine Hotel-Karte dabei.

Was blieb an Erinnerung von meinem zweiten Traumziel, Manila? Richtig, die Jeepneys. Bunt aufgemacht, bemalt und phantastisch dekoriert.  Die Fahrer überbieten sich darin, den buntesten, am stattlichsten mit Spiegeln, Pferdchen, Fähnchen und Inschriften dekorierten Wagen zu fahren. Nur sehr flüchtig habe ich die moderne, vorwiegend westlich orientierte Stadt von ungeheurem Ausmaß kennen gelernt. Nur sehr oberflächlich das große Slumviertel aus Wellblech am Rande der Stadt wahrgenommen. Ja doch, da war noch die bildhübsche, charmante philippinische Stadtführerin, die unser Reiseleiter uns als „glücklich verheiratete Frau und Mutter mehrerer Kinder“ vorstellte. Das hätte mich ernsthaft von einem philosophischen Gespräch über die Transzendenz des Seins mit ihr nicht hinlänglich abgehalten. Aber - keine Zeit.

Resümee: Die halbe Welt ist an mir vorbeigehuscht.  Kontakt habe ich nicht bekommen. Eindrücke - sie waren flüchtig, willkürlich, verwischbar. Die Reisenden waren zufrieden. Ich werde noch einmal nach Australien fliegen.  Alleine. Und mindestens für 6 Wochen. Orright?