Uganda

Meine Reisen

29. September 1998 - 25. Oktober 1998 (mit Tanzania)

Literatur

Afrique orientale. Kenya, Tanzanie, Ouganda, Éditions Vigot, Paris 2000 –ISBN: 2-7114-1461-2

Kenia, Mai-Verlag, Dreieich 1997 –ISBN: 3-87936-223-8

Ostafrika. Kenia, Tanzania, Uganda, Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart 1999 –ISBN: 3-440-07837-X, 3-440-07384-X 

 

Ostafrika. Kenia, Tanzania, Uganda, Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart 2000 –Bertelsmann

An den Quellen des Nil

 Die „Pearl of Africa", wie Winston Churchill einst Uganda nannte, war viele Jahre ein Schauplatz von Terror und von fürchterlichen Bürgerkriegen. Die Einzigartigkeit der Natur dieses Landes jedoch ist geblieben, denn mit dem Murchison Falls Nationalpark bietet es einen der schönsten Wildparks in Ostafrika. Seit Urzeiten haben Menschen hier, im Herzen Afrikas, nach der Quelle des Weißen Nils gesucht. Viele europäische Forscher haben bei diesen Unternehmungen ihr Leben gelassen. 

 

Murchison Falls

Bereits der griechisch-ägyptische Gelehrte Claudius Ptolemäus (85-160 n.Chr.) versuchte, aufgrund von Sagen und Reiseberichten eine Karte des "ewigen Flusses" anzufertigen. In seinem Werk „Geographia" beschrieb er die „Mondberge", von denen das Wasser in zwei Seen fließen würde, welche die Quelle des Nils darstellen sollten. Im Gegensatz zum Ursprung der Quellen des Blauen Nils jedoch, die der schottische Forscher James Bruce im Hochland von Äthiopien 1770 für die Weißen entdeckte, blieb der Ursprung des Weißen Nils lange Zeit ein Geheimnis

Um die Quelle zu finden, brach im Jahr 1857 eine Expedition unter Richard Burton, begleitet von John Hanning Speke, von Zanzibar auf. Nach schrecklichen Strapazen gelangten sie an ein Gewässer, das europäische Augen nie zuvor erblickt hatten, den Lake Tanganyika. Von ihm nahmen sie zunächst an, er sei die Hauptquelle des Nils. Als Burton schwer erkrankte, schlug Speke sich allein zum Lake Victoria durch und schloss intuitiv, er sei die wahre Quelle des Nils. Nach seiner Rückkehr in Kairo schickte er ein Telegramm an die Royal Geographical Society mit der Nachricht: „Die Nilfrage ist geklärt", eine Ansicht, die Burton nicht teilte. In der Tat hatte Speke es verabsäumt, den Lake Victoria zu umschiffen, um herauszufinden, ob nicht irgendwelche Flüsse in den See münden. 1860 brach Speke zu einer Folgeexpedition auf, die ihn 1862 an die Stelle führte, wo der Victoriasee in den Nil mündet, 80 km östlich der heutigen Hauptstadt Ugandas, Kampala. Eine Debatte zwischen den mittlerweile verfeindeten Kontrahenten Burton und Speke im September 1864 sollte Klarheit bringen, doch am Vorabend fand Speke während einer Entenjagd den Tod, weil sich ein Schuss aus seinem Jagdgewehr löste, der den erfahrenen Jäger tötete. Möglicherweise war dies Selbstmord, weil er nicht ertragen konnte, dass seine wissenschaftlich nicht sehr fundierten Argumente widerlegt werden würden. David Livingstone gab beiden recht und vermutete, dass der Nil wahrscheinlich auf seinem Weg nach Norden durch den großen Victoria-See hindurchfloss. Doch erst Henry Morton Stanley konnte auf einer Expedition 1874-77 das Rätsel des Weißen Nils0 lösen, indem er seinen Oberlauf, den Kagera River, vom Lake Victoria aus bis zu seiner Quelle in den Bergen Burundis verfolgte.

 

An den Fällen des Nil 

Die Nationalparks von Uganda sind von unermesslicher Schönheit und vom Tourismus noch nicht überlaufen. Da ist hoch im Norden des Landes der Murchison-Falls-Nationalpark. Er wird vom Nile River in zwei Hälften geteilt.

Die Vegetation reicht von geschlossenem Laubwald im Norden bis zu den Sumpfgebieten entlang der Talsohle. Weite Flächen sind von Grasland und Baumsavanne bedeckt. Der Nil durchfließt den Park von Ost nach West, mündet in den Nordzipfel des Lake Albert und verlässt ihn in nördlicher Richtung als Albert Nile. Zuvor zwängt sich der Fluss durch die schmale Murchison Falls Gorge.

Wir fahren durch eine von Tsetsefliegen geplagte Hoch-Ebene und stehen kurz darauf oberhalb des mächtigen, 50 Meter breiten Stromes, der sich hier durch die nur fünf bis sieben Meter enge Murchison Falls Gorge über die gewaltigen Kanten zwängt, um sich dann tosend und donnernd 43 Meter in die Tiefe zu stürzen In der Luft schwebt ein dichter Wassernebel, verzaubert durch einen bunt schillernden Regenbogen. Mit gewaltigem Getöse verschwinden die blaugrauen, an manchen Stellen fast schaumweißen Fluten des Victoria-Nils in der engen Schlucht, schäumen in einer brodelnden Gischt auf und sammeln sich zu einem breiten mächtigen Strom. Von allen Seiten her rauscht und zischt, gluckert und brodelt, tobt und schäumt es. 

 

Fahrt auf dem Nil

Am nächsten Morgen unternehmen wir eine dreistündige, 17 km lange Bootsfahrt vom Fähranleger den Nil hinauf bis wenige hundert Meter vor die Wasserfälle. Aus dieser Perspektive kann man einen grandiosen Anblick auf die ganze Schönheit der Murchison Fälle genießen; das Tosen des Wassers ist weithin zu hören. Vom Boot aus sehen wir Eisvögel, Goliathreiher, Nilgänse, Pelikane, Kormorane, den Sattelstorch und Sudan-Hornraben. An einer Brutwand hängen Purpurspinte, am Ufer liegen gewaltige Krokodile, die trügerisch träge in der Sonne dösen.

Flusspferde schnauben und prusten, Büffel weiden im Ufergras, auf einer Baumkrone am Ufer hoch über dem Fluss thront majestätisch ein Fischadler. Nur der seltene Schuhschnabelstorch bleibt an diesem schwülheißen Tag unsichtbar. Es soll nicht wenige Ornithologen geben, die sogar aus Amerika hierher kommen, um im Nationalpark dem seltenen Vogel nachzuspüren.

Wir kommen im feudalen Nile Safari Camp unter, etwas außerhalb des Parks gelegen. Während der Fahrt sehen wir auf den offenen Grasebenen und dem mit Bäumen bestandenen Grasland zahlreiche Uganda-Kobs, eine dem Wasserbock verwandte Antilopenart. Nur die Männchen tragen bei dem Wappentier Ugandas gebogene Hörner. Die Chalets der von der charmanten Israelin Anat Dari geleiteten Anlage haben eine wunderbare Holzveranda, von der man den Nil überblickt. Ich genieße nach einem anstrengenden Safari-Tag die heiße Dusche, die ein Bediensteter herrichtet. Am Abend kredenzen eilfertige Diener in weißen Gewändern und mit Turbanen auf dem Kopf das Dinner stilvoll bei Kerzenlicht. Solche Atmosphäre könnte der amerikanische Afrikaforscher und Journalist Henry Morton Stanley, der zwischen 1875 und 1889 den Edward- und den Albert-See erforschte, bei einem Empfang des berüchtigten arabischen Sklavenhändlers Hamed bin Muhammed bin Juma bin Rajad el-Murjebi (besser bekannt unter dem Namen Tippu Tip) erlebt haben. Allerdings genieße ich jetzt die Gastfreundschaft einer europäisch gebildeten Gastgeberin und muss nicht um meinen Kopf fürchten.

 

Am Lake Albert 

Die Fahrt vom Murchison Falls Nationalpark südwärts zu den Ruwenzori Mountains führt entlang der glitzernden Wasserfläche des 160 Kilometer langen Lake Albert (6.400 qkm), an dessen Hängen sich die steilen Wände des Zentralafrikanischen Grabens erheben. Der britische Reisenden Samuel Baker gab dem Binnensee 1884 in Erinnerung an den Gemahl der Queen Victoria seinen Namen. Der See nimmt neben dem Victoria Nile noch einen anderen Quellarm des Nils, den vom Lake Edward herabfließenden Semliki, auf sowie weitere Wasserläufe aus dem Bunyoro Plateau. Der Lake Albert ist eine gute Wasserstraße, auch wenn er oft von Stürmen aufgepeitscht wird. 

Kibale National Park

Etwa 30 Kilometer südlich von Fort Portal liegt der 1993 eröffnete Kibale National Park (766 qkm). Man erreicht ihn auf der guten Piste nach Kamwenge, die den Park im Südosten 6 Kilometer nördlich des Dorfes Bigodi wieder verlässt. Das Landschaftsbild wird vom typischen Bergwald und tropischem Laubwald geprägt, durchsetzt mit Sumpf- und Graslandschaften. Einer der auffälligsten Bäume ist der Eisenholzbaum, dessen Holz zu den härtesten Hölzern der Welt zählt. Im Park wachsen auch viele Heilkräuter und wilder Kaffee.

Die größte Attraktion des Kibale National Parks sind die wild lebenden Schimpansen. Von dem Besucherzentrum in Kanyanchu aus starten von Rangern geführte, 3 Kilometer lange Wanderungen. Feste Schuhe und regendichte Kleidung sind dabei von Vorteil. Es ist allerdings nicht ganz einfach, Schimpansen zu Gesicht zu bekommen. Im Park leben auch Colobus-Affen, Vollbartmeerkatzen, Anubispaviane, Weißnasen- und Diademmeerkatzen. Mit viel Glück kann man manchmal auch die relativ kleinen Waldelefanten treffen. Zudem kommen rund 325 Vogelarten und mehr als 140 bunte Schmetterlingsarten vor. Im Park selbst gibt es keine festen Unterkünfte. Empfehlenswert ist jedoch die wunderschön an einem Berghang gelegene Ndali Lodge am Marktort Nkingo.

Queen Elizabeth National Park 

Von Kasese, 97 Kilometer südlich von Fort Portal, sind es noch etwa 50 Kilometer bis zum Queen Elizabeth National Park (1.978 qkm). Der Park erstreckt sich am Fuß der majestätischen Ruwenzori Mountains bis zur Grenze der Republik Kongo. Er wurde 1952 als Kazinga Nationalpark gegründet und anlässlich eines Besuchs der britischen Königin Elizabeth II. 1954 ihr zu Ehren umbenannt. Mit seinen Grassavannen, Papyrussümpfen, Seen, Regenwäldern und dem Kraterhochland ist er einer der reichsten, vielfältigsten und schönsten Parks in Afrika.

Das Parkzentrum befindet sich in Mweya auf der hügeligen Mweya-Halbinsel am Westende des Kazinga Channel. Der 32 km lange, bis zu 5 Meter tiefe Kanal ist eine natürliche Verbindung zwischen dem Lake Edward im Westen und dem Lake George im Nordosten des Parks. Henry Morton Stanley sah 1889 den Lake Edward (ca. 4.000 qkm) als erster Weißer und benannte ihn nach dem Prinzen von Wales, dem späteren Edward II. In Mweya liegt auch die Mweya Safari Lodge. Von der Halbinsel überblickt man sowohl die beiden Seen als auch den Kanal. An den Ufern des Kanals lebt eine vielfältige Vogelwelt mit mehr als 520 Arten. In den Papyrussümpfen um den Lake George kann man mit Glück den seltenen Schuhschnabel entdecken.

Im Nordwesten des Parks erstreckt sich das mit Grassavanne bewachsene Kraterhochland mit rund 30 Kratern, die vor etwa 20 Millionen Jahren während des Pleistozäns entstanden sind. Sie sind zum Teil mit Wasser gefüllt. Eine steile Auffahrt führt zu Baboon Cliffs Viewpoint hinauf. Von dort genießt man einen spektakulären Ausblick auf Kraterlandschaft. Im Park sind Uganda-Kobs, das Wappentier Ugandas, Elefanten, Büffel, Topis, Defassa-Wasserböcke Warzenschweine und Riesenwaldschweine anzutreffen.

Im Nationalpark sind auch Dörfer zugelassen. In Katwe am Lake Edward wurde das Salz des Kratersees Lake Katwe abgebaut. Zurzeit ist die Fabrik geschlossen. Die Einwohner von Katunguru, südlich des Katunguru Gate am Kazinga Chanel gelegen, leben vom Fischfang.

 

Im Reich des Löwen

Wir befinden uns auf der unwegsamen Piste nach Ishasha weiter im Süden. Über diese Straße wurde 1996 ein Teil der Nahrungsmittel für die ruandischen Flüchtlinge in Zaire transportiert. Doch mittlerweile ist der Pistenzustand wieder schlechter geworden, was wir bald merken, denn selbst unser Allrad-Fahrzeug droht, im Schlamm zu versinken. Doch dann entdecken wir im hohen Gras, weiter entfernt von der Piste, ein Rudel Löwen. Es ist zwar offiziell verboten, die Piste zu verlassen, doch unser Fahrer lenkt den Geländewagen quer feldein. Es ist ein herrliches Erlebnis, die eleganten Raubkatzen, gut getarnt, beobachten zu können.

Die Landschaft bei Ishasha im äußersten Süden des Parks besteht hauptsächlich aus offenem Grasland mit einigen Akazienbäumen. Hier wachsen, ebenso wie beiderseits des Kazinga Channel, auch gewaltige Kandelaber Euphorbien. Die Ufer des Lake Edward säumt ein interessanter Feigenwald. Am Ishasha River kann man stattlichen Riesenwaldschweinen begegnen. 

Bwindi. Im Land der Berggorillas

Die vielleicht größte Attraktion, die Uganda Reisenden zu bieten hat, ist der Besuch der seltenen, wild lebenden Berggorillas im Bwindi Impenetrable und im Mgahinga Gorilla National Park im äußersten Südwesten Ugandas.

Der drittgrößte Park Ugandas, der Bwindi Impenetrable National Park (331 qkm), 450 Kilometer südwestlich von Kampala schützt eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete in Ostafrika und umfasst sowohl Gebirgs- als auch Tieflandwald. Bereits 1932 zum Forstreservat erhoben, wurde der flächenmäßig eher bescheidene Regenwald 1991 zum Nationalpark erklärt. Fast die Hälfte der weltweit noch auf etwa 650 Tiere geschätzten wild lebenden Berggorillas lebt in dieser Region Ostafrikas. Sie bilden feste Gruppen von 2 bis 35 Tieren, die jeweils von einem Männchen – nach der Farbe der Rückenhaare „Silverback" (Silberrücken) genannt – angeführt werden.

Man erreicht den Park von Kabale über eine sehr kurvige Schotterpiste. Sie führt nach 120 Kilometer weiter nach Buhoma am nördlichen Rand des Parks, wo sich das Headquarter befindet. Seit April 1993 werden vom Headquarter Gorilla-Exkursionen organisiert. Zwei Gorilla-Familien sind an Menschen gewöhnt und können beobachtet werden, pro Gorilla-Gruppe werden täglich maximal 6 Besucher zugelassen. Der Aufenthalt bei den Tieren ist auf eine Stunde begrenzt. Benötigt werden feste Schuhe, regenabweisende Kleidung und ein leichter Pullover. Drei verschiedene Trails führen durch den Park: der Munyaga River, der Waterfall und der Rushuura Trail mit schönen Ausblicken auf den Zentralafrikanischen Graben. Bis zum Auffinden der Berggorillas können schon mal 4 bis 6 Stunden vergehen. 

 

Lake Mburo National Park. Im Land der Seen

Zwischen Masaka und Mbarara zweigt eine unbefestigte Piste zum Lake Mburo National Park (256 qkm) ab. Das Gebiet wurde 1964 nach der Ausrottung der Tsetse-Fliege zum Wildreservat erklärt und 1982 zum Nationalpark erhoben. Offenes Grasland mit vereinzelten Akazienbäumen wechselt sich mit Sumpfgebieten, Wäldern und Dickichten ab. Hier leben Impalas, Zebras, Elenantilopen, Büffel, Warzenschweine und Topis. Im Park gibt es fünf Seen, von denen der Lake Mburo der größte ist. In der Nähe des Sees bestehen einfache Campingmöglichkeiten. Da es keine Löwen und Elefanten gibt, kann man in Begleitung eines bewaffneten Rangers relativ gefahrlos Fußsafaris unternehmen. Beim Headquarter in Rwonyo erfährt man Wissenswertes über das Ökosystem und die Wildtiere. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Nationalpark lebt das Volk der Bahima als Viehzüchter der langhörnigen Ankole-Rinder, die jedoch nicht fotografiert werden dürfen.