Tanzania

Meine Reisen

11. März 1990 - 1. April 1990 (Kenia, Nord-Tanzania)

29. September 1998 - 25. Oktober 1998 (mit Uganda)

Literatur

Afrique orientale. Kenya, Tanzanie, Ouganda, Éditions Vigot, Paris 2000 –ISBN: 2-7114-1461-2

Kenia, Mai-Verlag, Dreieich 1997 –ISBN: 3-87936-223-8

Ostafrika. Kenia, Tanzania, Uganda, Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart 1999 –ISBN: 3-440-07837-X, 3-440-07384-X 

 

Ostafrika. Kenia, Tanzania, Uganda, Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart 2000 –Bertelsmann

Die Wildparks in Tanzania

 Anflug über dem Indischen Ozean auf die Küste von Tanzania - kleine, vorgelagerte Inseln, die wie Smaragde auf dunklem Samt liegen, glitzern in der Sonne. Ihre leuchtend weißen Sandstrände gehen in grüne Palmenhaine über. Dort, wo Dünung und Riff aufeinandertreffen, bilden sich schaumgekrönte Wellen vor dem dunkelblauen Meer. Zum Zauber der Inseln gehören Strände wie Pulverschnee, an denen sich Kokospalmen im Winde wiegen, kristallklares Meerwasser in verschiedenen Blau- und Grüntönen sowie die submarine Wunderwelt der Korallenriffe. Dann wird das Festland erreicht. 

 

Dar es Salaam. Das „Haus des Friedens“ 

Innerhalb von nur hundert Jahren entwickelte sich das kleine Fischerdorf Mzizima zur größten Stadt des Landes - Dar es-Salaam. Den Beginn dieser rasanten Entwicklung setzte Sultan Majid bin Said von Zanzibar, der 1866 das Festland besuchte und begann, einen Palast (Dar es-Salaam = Haus des Friedens) aus Korallenstein zu bauen. Doch erst unter der deutschen Kolonialverwaltung wurde Dar es-Salaam wirklich bedeutsam, als 1891 die Hauptstadt Deutsch-Ostafrikas 75 Kilometer südlich von Bagamoyo hierher verlegt wurde und man mit dem Bau der Eisenbahn begann (1905). Die Bahnlinie wurde zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 fertiggestellt und reichte mit 1 252 km bis nach Kigoma am Lake Tanganyika. Nach dem Ersten Weltkrieg bauten die Briten die Stadt weiter aus, allerdings aufgeteilt in Bereiche, die jeweils einer Bevölkerungsgruppe zugeordnet wurde.

Während sich an der Ocean Road das Wohnviertel der Oberschicht entlang zieht, entstand das asiatische Händlerviertel rund um den Clock Tower. Rund um das New Africa Hotel, das 1906 das Hotel „Kaiserhof" war, finden sich noch immer Regierungs- und Verwaltungsgebäude.

An der Ecke Maktaba Street und Kivukoni Front steht die imposante Azania Lutherian Church von 1898 mit ihren braunen Fensterrahmen und dem ziegelroten Turmdach, die noch von den Deutschen erbaut wurde. In der Nähe befindet sich das Kilimanjaro Hotel, eines der höchsten Gebäude der Stadt. Man folgt der Kivukoni Front, in der mehrere ehemals deutsche Verwaltungsgebäude stehen, in denen heute tanzanische Regierungsbehörden untergebracht sind.

Dort, wo Kivuko Ferry zur Halbinsel Kigamboni ablegt, beginnt, mit herrlichen Blicken auf das Meer, die Ocean Road mit dem geschäftigen Kivukoni Fish Market. Hinter diesem Fischmarkt erhebt sich das 1922 auf den Fundamenten des alten deutschen Gouverneurspalastes errichtete, nach dem Zweiten Weltkrieg (1922) in afro-arabischem Stil erbaute State House mit weißgestrichener Frontseite, das teilweise von einer Mauer und Zäunen umgeben ist und nicht fotografiert werden darf. Auf der Ocean Road weiter kann man am Ocean Road Hospital vorbei zur Ocean Bay gelangen, einem palmenbestandenen Sandstrand mit dem luxuriösen Oyster Bay Hotel. 

 

National Museum und Karimjee Hall

Hinter dem Ocean Road Hospital liegen die Botanical Gardens. Hier bietet sich ein faszinierendes Farbenspiel pink-farbener Bougainvilleas, scharlachroter Flammenbäume, roter Hibiskussträucher, rosafarbener Oleander und lilagefärbter Jacarandablüten. 1893 wurden die Botanischen Gärten von dem deutschen Professor Stuhlmann angelegt, der damals kaiserlicher Landschaftsbeauftragter war. Auf der anderen Seite der Samora Avenue erhebt sich das National Museum, dessen Altbau 1940 im arabischen Stil errichtet wurde. Ebenfalls innerhalb des Botanischen Gartens befindet sich die Karimjee Hall, in dem die Nationalversammlung zusammentritt, wenn sie nicht in der Hauptstadt Dodoma tagt.

 

Clock Tower, Kirchen und Moscheen

Die Samora Avenue ist eine geschäftige zahlreicher Ladengeschäfte mit zahlreichen Restaurants, Reisebüros, Cafés und Banken. Sie erstreckt sich bis zum Clock Tower, einem Uhrturm inmitten eines Verkehrskreisels. In den von der Samora Avenue abzweigenden Zanaki und Mosque Streets stehen einige Moscheen. Zwischen dem Clock Tower und dem Hafen Malindi Whard, wo man sich nach Zanzibar einschiffen kann, befinden sich die Bus Station und einen Straßenzug weiter in Richtung Meer die Central Railway Station (1906). Parallel zur Samora Avenue verläuft der Sokoine Drive mit der katholischen St. Joseph's Cathedral (1898-1903) und der City Hall.

In dem westlichen Statdteil Kariakoo (abgeleitet vom englischen Carrier Corps) breitet sich der Mnazi Mmoja-Park mit dem Uhuru Torch Monument aus. Das Denkmal symbolisiert die Flamme der Freiheit, die am 9. Dezember 1961 am Gipfel des Mount Kilimanjaro entzündet wurde. Jenseits der Lumumba Street erstrecken sich die afrikanischen Wohnviertel mit schachbrettartig angelegten Straßen und flachen, rechteckigen und meist aus Lehm gebauten Swahili-Häusern. Mitten in diesem Viertel befindet sich eine große Kariakoo Market Hall, ein modernes, einstöckiges Betongebäude mit Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs.

 

Das Dach Afrikas – der Mount Kilimanjaro

Die beiden ostafrikanischen Staaten Kenia und Tanzania partizipieren gleichermaßen von der touristischen Anziehungskraft des Mount Kilimanjaro, einem der höchsten Berge Afrikas. Er besteht aus den drei nicht mehr aktiven Vulkanen Kibo (5.893 m), Mawenzi (5.149 m) und Shira (4.002 m). Das eigentliche Schutzgebiet des Bergmassivs umfasst nur gut 756 qkm in den höheren Bergregionen und wurde 1973 als Kilimanjaro National Park (1.830- 5.895 m, 753 qkm) errichtet.

Der sich über der weiten Savannenlandschaft erhebende Berg bietet mit seiner leuchtenden Schneekappe einen überwältigenden Anblick. Bereits die Häuptlinge der Chagga hatten ihre Späher ausgeschickt, das vermeintliche Silber herabzuholen, das die Kuppe des Kibo bedeckt. Doch die Kundschafter hatten enttäuscht und verzweifelt erleben müssen, wie der Schnee in ihren Händen zerrann. Es war im Mai 1848, als der deutsche Missionar Johannes Rebmann diesen Berg im Lande der Chagga als erster Europäer erblickte, „von einer blendend weißen Wolke umgeben", wie er damals notierte. Wenn sich am frühen Morgen im Lichte der ersten Sonnenstrahlen die Konturen des meist geheimnisvoll verhüllten Kilimanjaro aus dem Dunst der Wolken befreien und die silbrigweiße Kuppe durch den darunter liegenden Wolkenkranz in der Luft zu schweben scheint, spürt man etwas von der eigenartigen Stimmung, die Karen Blixen in ihrem Buch „Out of Africa" als „Wanderung jenseits des Vorstellungsvermögens, aber innerhalb der Erfahrung draußen im Busch" beschrieben hat.

Der majestätische Berg bietet einen eindrucksvollen Kontrast zu der Trockensavanne, die von lichten Wäldern von Akazien durchwachsen ist. Am 11. Mai 1848 erreichte der deutsche Missionar Johannes Rebmann die hohen Berge von Chaggaland. Seinem 1849 veröffentlichten Bericht vom Schnee unter der Äquatorsonne schenkte man jedoch keinen Glauben. Bis zum „Saddle" genannten Gebiet zwischen den Gipfeln des weißen, sanft gerundeten Kibo und des dunklen, wild zerklüfteten Mawenzi drang 1881 der britische Missionar Charles New vor. Die gefürchtete Höhenkrankheit zwang 1887 auch den ungarischen Grafen Samuel Teleki von Szék und seinen österreichischen Begleiter Ludwig Ritter von Höhnel zum Abstieg, ehe sie ihr Ziel erreichen konnten.

Nach wiederholten Versuchen konnte am 6. Oktober 1889 der Geograph Hans Meyer aus Leipzig zusammen mit Alpinisten Ludwig Purtscheller aus Salzburg den vereisten Gipfel des Kibo erklimmen. „Um 10.30 Uhr", so notierte der Deutsche in seinem Tagebuch, „betrat ich als erster die Mittelspitze. Ich pflanzte auf dem verwitterten Lavagipfel mit dreimaligem, von Herrn Purtscheller kräftig sekundierten 'Hurra' eine kleine, im Rucksack mitgetragene deutsche Fahne auf und rief frohlockend: Mit dem recht des Erstbesteigers taufe ich diese bisher unbekannte, namenlose Spitze des Kibo, den höchsten Punkt afrikanischer und deutscher Erde: Kaiser-Wilhelm-Spitze". So kurios und kennzeichnend für das Selbstverständnis der Europäer diese Szene sein mag, der Kilimandjaro blieb fast drei Jahrzehnte lang (bis 1918) der höchste Berg „deutscher Erde". Erst am 9. Dezember 1961 stieg eine Gruppe der „Tanganyika African National Union" (TANU) auf den Kibo und entzündete dort die Fackeln der Freiheit. Seitdem trägt der Gipfel den Namen Uhuru Peak.

 

Der Ngorongoro-Krater

Die 1959 geschaffene Ngorongoro Conservation Area ist von Arusha 180 km entfernt und vom Main Gate des Lake Manyara National Parks zu erreichen. „Es ist eines der Weltwunder", schrieb Bernhard Grzimek über den Ngorongoro-Krater in seinem Buch „Serengeti darf nicht sterben". Am Rande des Kraters erinnert heute ein pyramidenförmiges Denkmal an den 1987 gestorbenen Frankfurter Zoodirektor, der hier neben seinem Sohn Michael beigesetzt wurde. 1945 übernahm Bernhard Grzimek die Leitung des nach dem Zweiten Weltkrieg völlig zerstörten Zoologischen Gartens in Frankfurt am Main. Bei den abschließenden Dreharbeiten zum Film kam 1959 sein 24jähriger Sohn Michael ums Leben, als ein Gänsegeier in den Propeller des Kleinflugzeuges geriet. Seit 1957 hatte Bernhard Grzimek mit seinem Sohn den Versuch unternommen, die Zahl der in der Serengeti lebenden Wildtiere zahlenmäßig zu erfassen und Erkenntnisse über die großen Tierwanderungen zu erlangen. Durch die unermüdliche Arbeit und die Werbeaktionen, durch seine 150 Tiersendungen und vor allem durch sein Buch gelang es Bernhard Grzimek, eine Welle der Unterstützung für den Tier- und Naturschutz in Gang zu setzen.

Der 610 m tiefe und 20 km Durchmesser zählende Krater, der bis 1956 Teil des Serengeti-National Parks war, mit dem er ökologisch eine Einheit bildet, ist spektakulär. Der „kalte Ort" erhielt seine gegenwärtige Form durch die Erdfaltung, die vor 2 bis 3 Mill. Jahre das Great Rift Valley entstehen ließ. Lavaströme, die nicht mehr abfließen konnten, schufen das Kraterhochland auf einer Höhe von 2 500 m. Bei einer gewaltigen Explosion sackte die Mitte des Kraters zusammen und bildete eine Caldera (einen eingefallenen Vulkankegel), die sich 10 km in westöstlicher und 16 km in nordsüdlicher Richtung erstreckt. Ihr Boden liegt etwa 600 bis 700 m tiefer als die nebelverhangenen Kraterwände, die mit dichtem Buschwerk und Bergwald überzogen sind. 1956 kam es zum Streit zwischen den Parkbehörden und den Masai wegen der Nutzung des Landes. Die Parteien einigten sich schließlich darauf, das Gebiet der Ngorongoro-Schutzzone wieder als Weideland für die Masai auszuweisen. Die 1959 geschaffene Ngorongoro Conservation Area erstreckt sich über eine Fläche von insgesamt 8.280 qkm, der Krater selbst umfasst 260 qkm und ist seit 1978 World Heritage Site. 

 

Fahrt in den Krater

Vor dem Abgrund zum Krater thronen zwischen herrlichen Bäumen schwindelerregend die Lodges der Touristen. Der Abstieg führt vom Rand mit immergrünem Wald aus hohen Zedern, Olivenbäumen und Buschwerk in zahlreichen Kurven vorbei an prächtigen, mit Epihyten bestandenen und mit Bartflechten behangenen Bäumen, herrlichen Orchideen und frischen Moosen auf halber Höhe zum Kraterboden. Hier wachsen dunkelgrüne Kandelaberbäume zwischen dichtem Buschwerk, dann wird es trockener und wärmer, bis die typisch ostafrikanische Savanne erreicht wird. Schon bald beginnen die ersten Sonnenstrahlen ihr wärmendes Licht zu entfalten, und während die Nebelwand, die in zarten Schleiern über dem feuchten Erdboden wabert, wie von Zauberhand zerrissen wird, enthüllt sich auf dem Kratergrund eine exotische Welt der Flora und Fauna. Noch schimmern die Kronen der Gelbakazienbäume vage durch den Nebel und kein Laut ist zu hören. Doch dann beginnen im Lichte der ersten Sonnenstrahlen die gewaltigen Kaffernbüffel genüsslich zu grasen, turnen weiße Reiher und braune Madenhacker auf dem Rücken der Tiere, um lästige Zecken aus der Haut der Büffel zu picken. Da die gewaltigen Tiere jeden Tag große Futtermengen benötigen, meiden sie ausgesprochene Trockengebiete; man findet sie daher in den Gras- und Buschsavannen sowie in den Waldgebieten.

Im Waldgebiet des Lerai Forest (vom Masaiwort für den gelbrindigen Akazienbaum) am südwestlichen Kraterrand bieten Akazien, vor allem die Fieberakazien und die Wilden Feigenbäume zahlreichen Vögeln einen idealen Unterschlupf; außerdem gibt es hier Paviane, Grüne Meerkatzen und Leoparden. Im frischen Grasland stolzieren auch Strauße einher und unentschlossen, irgendwie verträumt stehen einige Sekretäre mit ihren flauschigen Federschöpfen herum. In der Kratermitte befindet sich der sodahaltige Lake Magadi aus Regenwasser, vermischt mit Vulkanasche. Auf der weiten Fläche des Sees zeigen sich große Schwärme der Flamingos. Während der Mittagszeit kann man an einem Teich des Mandusi Swamp im Nordwesten oder bei den Ngoitokitok Springs südöstlich des Lake Magadi im Schatten von Feigenbäumen ein Picknick einlegen. Doch sollte man beim Verzehr der Lunchpakete auf die räuberischen Schmarotzer-Milane achten, die im Sturzflug den Happen mit großem Geschick aus der Hand wegschnappen, was zu Verletzungen führen kann.

 

Serengeti National Park

„Endlose Weiten im Licht, wie von Schleiern umhüllt. Staubig und kristallklar in einem, mit allem Wild versehen, das vorstellbar ist. Gott oder wer auch immer Ostafrika erschuf, konnte dies nicht besser gemacht haben“, schrieb Ernest Hemingway zum Anblick der Serengeti. Der wohl bekannteste Nationalparks der Welt bedeckt heute eine Fläche von 14 763 qkm. Den Spuren der Masai folgend hatte bereits 1892 der österreichische Forschungsreisende Dr. Oscar Baumann auf dem Weg nach Burundi die Serengeti (siringet = unendliche Ebene) durchquert, 1913 waren Jäger gefolgt, die es bereits bis 1921 schafften, den Bestand der Löwen dermaßen zu reduzieren, dass das Gebiet zum Wildschutzreservat erklärt werden musste. 1951 wurde das Reservat, das mehr als 3 Mio. größere Säugetiere bevölkern, zum Nationalpark erhoben. Der größte Teil des Schutzgebietes liegt im Becken des Lake Victoria mit Gesteinen wie Granit und Gneis sowie Sedimentgesteinen. Im Osten grenzt die Serengeti an das Hochland des Ngorongoro-Kraters. Eines der großartigsten Schauspiele ist zweifellos die alljährliche Wanderung der unübersehbar großen Zahl von Gnus und Steppenzebras, die von einem Heer von Raubtieren und Aasfressern begleitet werden. 

 

Die Kopjes

Die Vielfalt der Landschaft in der Serengeti spiegelt sich bereits in den Niederschlagsmengen, die im Südwesten 500 Millimeter und im Norden sowie Westen 1.200 Millimeter im Jahr betragen. Offenes, bis zu 30 Zentimeter hohes Grasland und weite, mit Hirse und rotem Hafergras bewachsene Ebenen sind weithin typisch für das Landschaftsbild der Serengeti. Die Trockensavanne mit teilweise brusthoher Grasdecke ähnelt sehr der außertropischen Steppe. Akazien mit meist schirmartigen Kronen werden bis zu 15 Meter hoch. In den westlichen, kaum zugänglichen Baum- und Busch- Savannen bleibt es auch während der Trockenzeit feuchter als in den anderen Teilen der Serengeti. Sie verwandeln sich dann in hitzeflimmernde Ebenen. Der Westkorridor mit seinem offenen Grasland folgt dem Grumeti River bis zum Lake Victoria und wird bestimmt von Wasserlöchern, Sümpfen und Schilfbewuchs. Der Süden des Parks ist gekennzeichnet durch Kurz- und Langgrasebenen mit Kopjes, im zentralen Teil ist die Savanne mit Schirm-Akazien vorherrschend und der Norden beeindruckt mit hügeligem Land.

Auf dem Weg hinein in die Serengeti (die Bezeichnung leitet sich vom Masai-Wort siringet = unendliche Ebene ab) gelangt man gleich hinter dem Naabi Hill Gate, dem Haupteingang zum Nationalpark, auf einer Abzweigung links von der Hauptstraße nach ca. 30 km an den Lake Ndutu einen kleinen saisonbedingten Sodasee, den zwischen Januar und April oftmals Gnuherden durchqueren. Besonders in der Zeit zwischen Januar und Februar halten sich viele Tiere in der südlichsten Region des Parks auf. Hier besteht die Chance, prachtvolle Löwenmännchen mit schwarzen Mähnen und Geparden zu sehen.

Noch vor Erreichen des Naabi Hill Gate kann man querfeldein rechts zu den Gol und Barafu Kopjes fahren. Hier besteht allerdings Rangerzwang und man folgt Fahrzeugspuren als Wegmarkierung. Diese Kopjes sind aus der Erde herausragende Felsen und bestehen aus Gneis und Quarzit. Die schalenartigen Absprengungen und Risse der kleinen Felsgruppen sind das Ergebnis der gewaltigen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Die Formationen entstanden, als kaltes Regenwasser auf die von der Sonne erhitzten Felsbrocken fielen und sie sprengte. Zu Füßen der Inselberge haben sich Asche und Staub abgelagert; das abfließende Wasser sorgt am Fuße größerer Inselberge für Bodenfeuchtigkeit, so dass Pflanzen (Aloen, Euphorbien, Hibiskus und wilder Sisal) gedeihen können.

Besuchenswert sind die Simba Kopjes, etwa 5 km westlich der Gol Kopjes, wo oft Löwen dösen, im Dickicht gut getarnt, und die großartigen Moru Kopjes, die Felszeichnungen der Masai aufweisen. Für den Besuch dieser Felsen ist ein Führer obligatorisch.

 

Grassavannen

Im Herzen des tierreichen Parks liegt inmitten einer nahezu endlosen welligen Grassavanne, durchsetzt mit Leberwurstbäumen und Akazien, die bekannte Seronera Lodge. Tritt man nach einem schmackhaftem Dinner hinaus auf die Veranda der Lodge und lauscht in der Nacht auf die vielfältigen Stimmen, die geheimnisvoll aus dem Dunkel an sein Ohr dringen, dann wird man sofort umfangen vom eigenartigen Zauber Ostafrikas, der betörend und beängstigend zugleich ist. Die Geräusche der afrikanischen Nacht jenseits des hauchdünnen Zeltstoffes erwecken Urängste zum Leben. Ich höre das monotone Summen der Insekten, unterbrochen vom heiseren Bellen der Paviane und dem Gezwitscher unzähliger Vögel. In den frühen Morgenstunden und kurz vor der Abenddämmerung ist das Gurren der Ringeltauben zu hören, Weißschwanz-Mangusten und Löffelhunde werden während des beginnenden Tages aktiv, während bei Einbruch der Nacht das ständige Zirpen der Zikaden durch das keuchende Kichern einer Hyäne unterbrochen wird, die scheppernd einen Abfalleimer am Rande des Lagers umwirft.

Das Gebiet von Seronera ist besonders tierreich. Nördlich davon gabelt sich die Piste. Links führt sie in den Westkorridor, von wo man zum Ndabaka Gate und 262 km weiter nach Mwanza (250.000 Einwohner) am Lake Victoria gelangt. Am Grumeti River befinden sich zwei Luxus-Camps (Grumeti River Camp und Kirawira Luxury Tented Camp). Am Unterlauf des Grumeti River, wo der Fluss die Flutebenen des Lake Victoria erreicht, lauern bis zu sieben Meter lange Krokodile.

 

Das Selous Game Reserve. Größtes Reservat Afrikas

Man hat mehrere Möglichkeiten, den nördlichen Teil des Selous Wildlife Reserve aufzusuchen. Für Touristen mit geringem Zeitbudget empfiehlt sich die Anreise mit dem Flugzeug (von Dar es-Salaam 35 Min.). Auch ich wähle diese Anreise, zumal der Landweg stellenweise ausgesprochen ruppig ist.

Das Selous Game Reserve ist das größte Tierreservat Afrikas. Das überwiegend flache, von breiten Flüssen mit zahllosen Nebenarmen durchzogene Gebiet ist der einzige Park, in dem Besucher mit bewaffneten Begleitern wandern können. Nur ein vergleichsweise kleiner Abschnitt im Norden ist touristisch erschlossen und wird jährlich von nur knapp zweitausend Reisenden besucht. Der weitaus größte Teil des Parks ist Jagdgebiet. Nach offiziellen Angaben schießen in Selous pro Jahr durchschnittlich zweitausend Jäger insgesamt etwa zweitausend Tiere; das sind knapp 40% der gemäß dem Washingtoner Übereinkommen zum Artenschutz für Tanzania genehmigten Jahresabschussquoten. Ob die Hälfte der Einnahmen aus diesem lukrativen Geschäft tatsächlich dem Reservat zugute kommt, darf bezweifelt werden.

1982 erklärten die Vereinten Nationen das Wildreservat und eine Fläche von 20 000 qkm im Umkreis, zu der auch der Mikumi National Park und die Kilombero Controlled Area gehören, zum World Heritage Site. Benannt wurde es nach dem britischen Großwildjäger Frederick Courteney Selous (1851-1917), dessen Grab sich nahe dem Selous Safari Camp in den Behobeho Hills befindet. Auf einem einfachen Stein vor einem Kreuz sind die Worte eingemeißelt: „Captain F.C. Selous D.S.O. 25th Royal Fusiliers. Killed in Action 4.1.1917". Er wurde während des Ersten Weltkrieges getötet, als er mit seiner Einheit versuchte, einen Trupp deutscher Soldaten einzukreisen.

Als Tanzania noch zum Gebiet der Kolonie Deutsch-Ostafrika gehörte, schenkte der Legende nach der Kaiser Wilhelm II. das Jagdrevier seiner Gemahlin Auguste Victoria zum Hochzeitstag, ohne dass beide es jemals gesehen hatten. „Shamba ya Bibi" (Land der Ehefrau) nannten die Einheimischen damals diesen Park. 

 

Bootsfahrt auf dem Rufiji River

Dass Siedler um den Selous bislang einen Bogen machten, ist nicht nur den kargen Böden sondern vor allem der Tsetsefliege zu verdanken, welche die Schlafkrankheit sowie die Nagana-Seuche überträgt, von der die Rinder befallen werden. Der schmerzhafte Stich fühlt sich wie eine Injektion mit dicker Nadel an, da die Fliege einen relativ dicken Rüssel hat, mit dem sie das Blut von Mensch und Tier aufsaugt. Diese Fliege hat das afrikanische Naturreservat vor menschlichen Eingriffen weitgehend bewahrt. Dennoch baute man auf der Suche nach Erdöl in den achtziger Jahren Straßen im Selous. Rohöl gewinnt man zwar immer noch, dafür hatten jetzt die Wilderer komfortablen Zugang zu dem Wildgebiet.

Das eigentliche Zentrum des Reservats bildet der mächtige Rufiji-Strom, der sich hier zu einem einzigartigen Binnen-Delta ausbreitet, mit großen Seen, unzähligen Flussarmen, mit zahlreichen Inseln, Sandbänken und Lagunen. Dichtbewachsene Flussufer wechseln ab mit weiten offenen Savannenflächen, Miombo-Trockenwäldern, Palmenhainen und Buschsavannen. Nahezu alle afrikanischen Tierarten sind in diesem Gebiet heimisch und können auf Fluss-Safaris, Bootstouren und Safari-Fahrten mit Allradfahrzeugen gut beobachtet werden. Die Hälfte des gesamten Wildhunde-Bestandes in Afrika lebt im Selous. Zahlreiche Flusspferde und unzählige Krokodile bevölkern das wasserreiche Binnen-Delta des Rufiji.
Der schönere Teil des Selous befindet sich im Norden des Reservats, wo die Sandflüsse Great Ruaha, Kilombero und Luwego in den mächtigen Rufiji River münden. Der Strom zwängt sich 40 km vom Matambwe Gate durch die 100 m tiefe und enge Stiegler's Gorge. Sie ist benannt nach einem deutschen Jäger, der 1907 an dieser Stelle von einem Elefanten getötet wurde. Hier bahnen sich die tobenden, braunen Wassermassen des Great Ruaha River und des Rufiji River ihren Weg und verbreitern sich wie zu einem einzigen großen See, der sich aus zahlreichen Inseln, Sandbänken und Nebenflüssen zusammensetzt, vergleichbar dem Okavango-Delta in Botswana.

Eine Bootsfahrt vom oberhalb des Rufiji River gelegenen Rufiji River Camp, einem der fünf geöffneten Camps im Reservat, auf dem breiten Rufiji River, vorbei an Flusspferden und sich am Ufer sonnenden Krokodilen, ist ein weiteres touristische Highlight im östlichen Teil des nördlichen Selous. Allerdings wechselt der Fluss ständig seinen Lauf, schwankt seine Breite zwischen 50 und 400 Metern. Die Reise geht vorbei an knorrigen Wurzeln großer Terminalia- Bäume, die tief in den sandigen Uferböschungen verankert sind und mehrere Meter aus dem Wasser ragen. Abgestorbene und von der Natur gefällte Dumpalmen treiben im kaffeebraunen Fluss, auf dem leuchtend grüne Hyazinthen schwimmen. Wenn sich im Wasser des Flusses bei Sonnenuntergang das Licht golden spiegelt und in der Ferne die Uluguru Mountains mit ihren Gipfeln Kimhandu (2.646 m) und Lupanga (2.138 m) blaugrau abheben, fühlt man etwas von der Versuchung, die von Ostafrika ausgeht. 

 

Hot Springs

Ein schöner Tagesausflug zu den Hot Springs führt durch eine herrliche Landschaft mit zahlreichen Tieren, darunter Löwen, Giraffen, Großen Kudus und Impalas sowie dem bedeutendsten Bestand an Wildhunden in Afrika. Als typische Bewohner der Wälder gelten die Lichtenstein-Kuhantilope (Lichtenstein Hartebeest), mit ihrem charakteristischen schmalen Gesicht, und die seltene Rappenantilope. Im Selous haben die Wissenschaftler über 2 000 Pflanzenarten gezählt. In den heißen Quellen unter Borassuspalmen kann man ein Bad nehmen. Aus den Quellen stammt das Wasser, das den Stämmen während des Maji-Maji-Aufstandes (1905-07) angeblich Unverwundbarkeit verleihen sollte.

Im Selous Reservat können die Besucher wie in den meisten anderen Wildreservaten (nicht jedoch in den Nationalparks, mit Ausnahme des Ruaha Nationalparks) in Begleitung eines bewaffneten Rangers durch den Busch wandern. Diese Wanderung (ca. 2 Stunden) erlaubt einen faszinierenden Einblick in das Leben der Wildtiere im Busch. Sie bietet die Erlebnisse früherer Safaris ohne die Geborgenheit eines Geländewagens und ohne großartige Tierfotos, da die meisten Tiere vor Menschen zu Fuß flüchten. Dafür erfahren die Teilnehmer einiges über die Spuren der Tiere und das Wachstum der Pflanzen. Das Geräusch knackender Äste und der Anblick von wilden Tieren auf gleicher Höhe lösen ein Spektrum von Gefühlen aus, die Langzeitwirkung haben.

 

Der Ruaha National Park. Der zweitgrößte Nationalpark Tanzanias 

Schwerer noch als das Selous Game Reserve ist der Ruaha National Park über Land zu erreichen, zu dem auch die Wildreservate Rungwa und Kizigo gehören. Der Besuch des National Parks bietet sich im Anschluss an einen Aufenthalt im Selous Game Reserve an. Wegen der auch hier langen, anstrengenden Autofahrt empfiehlt es sich, von Dar es-Salaam (2,5 Std.) oder vom Selous Game Reserve (90 Min.) aus einen Flug zu buchen.

Der Ruaha National Park ist nach der Serengeti der zweitgrößte Nationalpark Tanzanias, doch nur ein kleiner Teil im Südosten ist für den Tourismus erschlossen. Er wird gebildet aus einem welligen Plateau mit Bergen, felsigen Hügeln und zwei ausgedehnten Flusstälern. Der Ruaha River, der durch den Südosten des Parks fließt, gab ihm seinen Namen. Die Vegetation reicht von dichtem, trockenem Miombowald über immergrünen Hochwald bis zur offenen Akazien- und Grassavanne. Vor Beginn der Regenzeit wandelt sich der Wald in eine Farbpalette aus ocker, blassgrünen, bronzenen, rost- und kastanienbraunen, purpurnen, kupferroten und goldenen Tönungen.

An Massentourismus ist man hier nicht interessiert. Das weitaus größte Areal ist noch so gut wie unerforscht und bietet den Wildtieren ein wichtiges unberührtes Rückzugsgebiet. Gerade weil er nur mühsam zu erreichen ist, blieb er ein selten besuchtes Juwel. 

 

Streifzug entlang der Bruchstufe

Quer durch den großen Nationalpark verläuft von Südwesten nach Nordosten eine 200 m hohe Bruchstufe, die den Park in einen westlichen Teil mit bis zu 1.800 m hohen Bergen und eine östliche Talebene teilt.

Vom Verwaltungsposten der Ranger in Msembe kann man durch offene Graslandschaft bis zur Mündung des Mwagusi Sand River fahren. Von dort führt ein Weg (links) am trockenen Flussbett entlang, das von Commiphora-Bäumen, Palmen und hohen Kandelaber-Bäumen gesäumt wird. Wenn man einem Abzweig (links) in Richtung Kimirammatonge Hill folgt, sieht man wieder Miombo-Wälder. Hier kann man den sonst seltenen Wildhunden und den großen Kudus begegnen, mit Sicherheit macht man Bekanntschaft mit den vielen Tsetse-Fliegen.

Die riedbedeckten Steinhäuschen der Ruaha River Lodge liegen unter Bäumen direkt am Fluss. Hinter der Flusslandschaft bietet sich eine großartige Bergkulisse. Entlang der Sandflüsse Mwagusi und Mdonya wachsen wilde Feigen, Tamarinden, Palmen, bis zu 15 m hohe Candelabra-Bäume und schöne Akazien. Teilweise dominieren silbrigweiß glänzende Baobabs, obwohl der größte Teil des Parks von Commiphora-Waldland bedeckt ist. In diesem Gebiet und entlang des Great Ruaha River sind auf halbtäglichen und während der Tagestouren sehr gute Tierbeobachtungen möglich: Löwen, Büffel, Kudus, Impalas, Giraffen, Warzenschweine, Elefanten, Büffel, Wasserböcke, auch manchmal die seltenen Wildhunde und Leoparden, viele Flusspferde und Krokodile sind zu sehen. In Begleitung eines Rangers kann man zu Fuß die Nyamakuyu-Stromschnellen erkunden, wo sich viele Flusspferde und Krokodile aufhalten.