Tanzania

Meine Reisen

 

11. März 1990 - 1. April 1990 (Kenia, Nord-Tanzania)

 

29. September 1998 - 25. Oktober 1998 (mit Uganda)

 

Literatur

 

Afrique orientale. Kenya, Tanzanie, Ouganda, Éditions Vigot, Paris 2000 –ISBN: 2-7114-1461-2

 

Kenia, Mai-Verlag, Dreieich 1997 –ISBN: 3-87936-223-8

 

Ostafrika. Kenia, Tanzania, Uganda, Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart 1999 –ISBN: 3-440-07837-X, 3-440-07384-X 

 

Ostafrika. Kenia, Tanzania, Uganda, Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart 2000 –Bertelsmann

Reportage: Zuz den Wildparks in Tanzania

Dar es Salaam. Das „Haus des Friedens“ 

Innerhalb von nur hundert Jahren entwickelte sich das kleine Fischerdorf Mzizima zur größten Stadt des Landes - Dar es-Salaam. Den Beginn dieser rasanten Entwicklung setzte Sultan Majid bin Said von Zanzibar, der 1866 das Festland besuchte und begann, einen Palast (Dar es-Salaam = Haus des Friedens) aus Korallenstein zu bauen. Doch erst unter der deutschen Kolonialverwaltung wurde Dar es-Salaam wirklich bedeutsam, als 1891 die Hauptstadt Deutsch-Ostafrikas 75 Kilometer südlich von Bagamoyo hierher verlegt wurde und man mit dem Bau der Eisenbahn begann (1905). Die Bahnlinie wurde zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 fertiggestellt und reichte mit 1 252 km bis nach Kigoma am Lake Tanganyika. Nach dem Ersten Weltkrieg bauten die Briten die Stadt weiter aus, allerdings aufgeteilt in Bereiche, die jeweils einer Bevölkerungsgruppe zugeordnet wurde.

Während sich an der Ocean Road das Wohnviertel der Oberschicht entlang zieht, entstand das asiatische Händlerviertel rund um den Clock Tower.

An der Ecke Maktaba Street und Kivukoni Front steht die imposante Azania Lutherian Church von 1898 mit ihren braunen Fensterrahmen und dem ziegelroten Turmdach, die noch von den Deutschen erbaut wurde. In der Nähe befindet sich das Kilimanjaro Hotel, eines der höchsten Gebäude der Stadt. Man folgt der Kivukoni Front, in der mehrere ehemals deutsche Verwaltungsgebäude stehen, in denen heute tanzanische Regierungsbehörden untergebracht sind.

Dort, wo Kivuko Ferry zur Halbinsel Kigamboni ablegt, beginnt, mit herrlichen Blicken auf das Meer, die Ocean Road mit dem geschäftigen Kivukoni Fish Market. Hinter diesem Fischmarkt erhebt sich das 1922 auf den Fundamenten des alten deutschen Gouverneurspalastes errichtete, nach dem Zweiten Weltkrieg (1922) in afro-arabischem Stil erbaute State House mit weißgestrichener Frontseite, das teilweise von einer Mauer und Zäunen umgeben ist und nicht fotografiert werden darf. Auf der Ocean Road weiter kann man am Ocean Road Hospital vorbei zur Ocean Bay gelangen, einem palmenbestandenen Sandstrand mit dem luxuriösen Oyster Bay Hotel. 

National Museum und Karimjee Hall

Hinter dem Ocean Road Hospital liegen die Botanical Gardens. Hier bietet sich ein faszinierendes Farbenspiel pink-farbener Bougainvilleas, scharlachroter Flammenbäume, roter Hibiskussträucher, rosafarbener Oleander und lilagefärbter Jacarandablüten. 1893 wurden die Botanischen Gärten von dem deutschen Professor Stuhlmann angelegt, der damals kaiserlicher Landschaftsbeauftragter war. Auf der anderen Seite der Samora Avenue erhebt sich das National Museum, dessen Altbau 1940 im arabischen Stil errichtet wurde. Ebenfalls innerhalb des Botanischen Gartens befindet sich die Karimjee Hall, in dem die Nationalversammlung zusammentritt, wenn sie nicht in der Hauptstadt Dodoma tagt.

Clock Tower, Kirchen und Moscheen

Die Samora Avenue ist eine geschäftige zahlreicher Ladengeschäfte mit zahlreichen Restaurants, Reisebüros, Cafés und Banken. Sie erstreckt sich bis zum Clock Tower, einem Uhrturm inmitten eines Verkehrskreisels. In den von der Samora Avenue abzweigenden Zanaki und Mosque Streets stehen einige Moscheen. Zwischen dem Clock Tower und dem Hafen Malindi Whard, wo man sich nach Zanzibar einschiffen kann, befinden sich die Bus Station und einen Straßenzug weiter in Richtung Meer die Central Railway Station (1906). Parallel zur Samora Avenue verläuft der Sokoine Drive mit der katholischen St. Joseph's Cathedral (1898-1903) und der City Hall.

Das Dach Afrikas – der Mount Kilimanjaro

Die beiden ostafrikanischen Staaten Kenia und Tanzania partizipieren gleichermaßen von der touristischen Anziehungskraft des Mount Kilimanjaro, einem der höchsten Berge Afrikas. Er besteht aus den drei nicht mehr aktiven Vulkanen Kibo (5.893 m), Mawenzi (5.149 m) und Shira (4.002 m). Das eigentliche Schutzgebiet des Bergmassivs umfasst nur gut 756 qkm in den höheren Bergregionen und wurde 1973 als Kilimanjaro National Park (1.830- 5.895 m, 753 qkm) errichtet.

Der sich über der weiten Savannenlandschaft erhebende Berg bietet mit seiner leuchtenden Schneekappe einen überwältigenden Anblick. Bereits die Häuptlinge der Chagga hatten ihre Späher ausgeschickt, das vermeintliche Silber herabzuholen, das die Kuppe des Kibo bedeckt. Doch die Kundschafter hatten enttäuscht und verzweifelt erleben müssen, wie der Schnee in ihren Händen zerrann. Der majestätische Berg bietet einen eindrucksvollen Kontrast zu der Trockensavanne, die von lichten Wäldern von Akazien durchwachsen ist.

Der Ngorongoro-Krater

Die 1959 geschaffene Ngorongoro Conservation Area ist von Arusha 180 km entfernt und vom Main Gate des Lake Manyara National Parks zu erreichen.

Der 610 m tiefe und 20 km Durchmesser zählende Krater, der bis 1956 Teil des Serengeti-National Parks war, mit dem er ökologisch eine Einheit bildet, ist spektakulär. Der „kalte Ort" erhielt seine gegenwärtige Form durch die Erdfaltung, die vor 2 bis 3 Mill. Jahre das Great Rift Valley entstehen ließ. Lavaströme, die nicht mehr abfließen konnten, schufen das Kraterhochland auf einer Höhe von 2 500 m. Bei einer gewaltigen Explosion sackte die Mitte des Kraters zusammen und bildete eine Caldera (einen eingefallenen Vulkankegel), die sich 10 km in westöstlicher und 16 km in nordsüdlicher Richtung erstreckt. Ihr Boden liegt etwa 600 bis 700 m tiefer als die nebelverhangenen Kraterwände, die mit dichtem Buschwerk und Bergwald überzogen sind. Die 1959 geschaffene Ngorongoro Conservation Area erstreckt sich über eine Fläche von insgesamt 8.280 qkm, der Krater selbst umfasst 260 qkm und ist seit 1978 World Heritage Site. 

Fahrt in den Krater

Vor dem Abgrund zum Krater thronen zwischen herrlichen Bäumen schwindelerregend die Lodges der Touristen. Der Abstieg führt vom Rand mit immergrünem Wald aus hohen Zedern, Olivenbäumen und Buschwerk in zahlreichen Kurven vorbei an prächtigen, mit Epihyten bestandenen und mit Bartflechten behangenen Bäumen, herrlichen Orchideen und frischen Moosen auf halber Höhe zum Kraterboden. Hier wachsen dunkelgrüne Kandelaberbäume zwischen dichtem Buschwerk, dann wird es trockener und wärmer, bis die typisch ostafrikanische Savanne erreicht wird. 

Schon bald beginnen die ersten Sonnenstrahlen ihr wärmendes Licht zu entfalten, und während die Nebelwand, die in zarten Schleiern über dem feuchten Erdboden wabert, wie von Zauberhand zerrissen wird, enthüllt sich auf dem Kratergrund eine exotische Welt der Flora und Fauna. Noch schimmern die Kronen der Gelbakazienbäume vage durch den Nebel und kein Laut ist zu hören. 

Doch dann beginnen im Lichte der ersten Sonnenstrahlen die gewaltigen Kaffernbüffel genüsslich zu grasen, turnen weiße Reiher und braune Madenhacker auf dem Rücken der Tiere, um lästige Zecken aus der Haut der Büffel zu picken. Da die gewaltigen Tiere jeden Tag große Futtermengen benötigen, meiden sie ausgesprochene Trockengebiete; man findet sie daher in den Gras- und Buschsavannen sowie in den Waldgebieten.

Serengeti National Park

„Endlose Weiten im Licht, wie von Schleiern umhüllt. Staubig und kristallklar in einem, mit allem Wild versehen, das vorstellbar ist. Gott oder wer auch immer Ostafrika erschuf, konnte dies nicht besser gemacht haben“, schrieb Ernest Hemingway zum Anblick der Serengeti. Der wohl bekannteste Nationalparks der Welt bedeckt heute eine Fläche von 14 763 qkm. Der größte Teil des Schutzgebietes liegt im Becken des Lake Victoria mit Gesteinen wie Granit und Gneis sowie Sedimentgesteinen. Eines der großartigsten Schauspiele ist zweifellos die alljährliche Wanderung der unübersehbar großen Zahl von Gnus und Steppenzebras, die von einem Heer von Raubtieren und Aasfressern begleitet werden. 

Die Vielfalt der Landschaft in der Serengeti spiegelt sich bereits in den Niederschlagsmengen, die im Südwesten 500 Millimeter und im Norden sowie Westen 1.200 Millimeter im Jahr betragen. Offenes, bis zu 30 Zentimeter hohes Grasland und weite, mit Hirse und rotem Hafergras bewachsene Ebenen sind weithin typisch für das Landschaftsbild der Serengeti. Die Trockensavanne mit teilweise brusthoher Grasdecke ähnelt sehr der außertropischen Steppe. Akazien mit meist schirmartigen Kronen werden bis zu 15 Meter hoch. In den westlichen, kaum zugänglichen Baum- und Busch- Savannen bleibt es auch während der Trockenzeit feuchter als in den anderen Teilen der Serengeti. Sie verwandeln sich dann in hitzeflimmernde Ebenen. Der Westkorridor mit seinem offenen Grasland folgt dem Grumeti River bis zum Lake Victoria und wird bestimmt von Wasserlöchern, Sümpfen und Schilfbewuchs. Der Süden des Parks ist gekennzeichnet durch Kurz- und Langgrasebenen mit Kopjes, im zentralen Teil ist die Savanne mit Schirm-Akazien vorherrschend und der Norden beeindruckt mit hügeligem Land.

Das Selous Game Reserve. Größtes Reservat Afrikas

Man hat mehrere Möglichkeiten, den nördlichen Teil des Selous Wildlife Reserve aufzusuchen. Für Touristen mit geringem Zeitbudget empfiehlt sich die Anreise mit dem Flugzeug (von Dar es-Salaam 35 Min.). Auch ich wähle diese Anreise, zumal der Landweg stellenweise ausgesprochen ruppig ist.

Das Selous Game Reserve ist das größte Tierreservat Afrikas. Das überwiegend flache, von breiten Flüssen mit zahllosen Nebenarmen durchzogene Gebiet ist der einzige Park, in dem Besucher mit bewaffneten Begleitern wandern können. Nur ein vergleichsweise kleiner Abschnitt im Norden ist touristisch erschlossen und wird jährlich von nur knapp zweitausend Reisenden besucht. Der weitaus größte Teil des Parks ist Jagdgebiet. Nach offiziellen Angaben schießen in Selous pro Jahr durchschnittlich zweitausend Jäger insgesamt etwa zweitausend Tiere; das sind knapp 40% der gemäß dem Washingtoner Übereinkommen zum Artenschutz für Tanzania genehmigten Jahresabschussquoten. Ob die Hälfte der Einnahmen aus diesem lukrativen Geschäft tatsächlich dem Reservat zugute kommt, darf bezweifelt werden.

Als Tanzania noch zum Gebiet der Kolonie Deutsch-Ostafrika gehörte, schenkte der Legende nach der Kaiser Wilhelm II. das Jagdrevier seiner Gemahlin Auguste Victoria zum Hochzeitstag, ohne dass beide es jemals gesehen hatten. »Shamba ya Bibi« (Land der Ehefrau) nannten die Einheimischen damals diesen Park. 

Ein schöner Tagesausflug zu den Hot Springs führt durch eine herrliche Landschaft mit zahlreichen Tieren, darunter Löwen, Giraffen, Großen Kudus und Impalas sowie dem bedeutendsten Bestand an Wildhunden in Afrika. Als typische Bewohner der Wälder gelten die Lichtenstein-Kuhantilope (Lichtenstein Hartebeest), mit ihrem charakteristischen schmalen Gesicht, und die seltene Rappenantilope.

Eine Bootsfahrt vom oberhalb des Rufiji River gelegenen Rufiji River Camp, einem der fünf geöffneten Camps im Reservat, auf dem breiten Rufiji River, vorbei an Flusspferden und sich am Ufer sonnenden Krokodilen, ist ein weiteres touristische Highlight im östlichen Teil des nördlichen Selous. Allerdings wechselt der Fluss ständig seinen Lauf, schwankt seine Breite zwischen 50 und 400 Metern. Die Reise geht vorbei an knorrigen Wurzeln großer Terminalia- Bäume, die tief in den sandigen Uferböschungen verankert sind und mehrere Meter aus dem Wasser ragen. Abgestorbene und von der Natur gefällte Dumpalmen treiben im kaffeebraunen Fluss, auf dem leuchtend grüne Hyazinthen schwimmen. Wenn sich im Wasser des Flusses bei Sonnenuntergang das Licht golden spiegelt und in der Ferne die Uluguru Mountains mit ihren Gipfeln Kimhandu (2.646 m) und Lupanga (2.138 m) blaugrau abheben, fühlt man etwas von der Versuchung, die von Ostafrika ausgeht. 

Der Ruaha National Park. Der zweitgrößte Nationalpark Tanzanias 

Schwerer noch als das Selous Game Reserve ist der Ruaha National Park über Land zu erreichen, zu dem auch die Wildreservate Rungwa und Kizigo gehören. Der Besuch des National Parks bietet sich im Anschluss an einen Aufenthalt im Selous Game Reserve an. Wegen der auch hier langen, anstrengenden Autofahrt empfiehlt es sich, von Dar es-Salaam (2,5 Std.) oder vom Selous Game Reserve (90 Min.) aus einen Flug zu buchen.

Der Ruaha National Park ist nach der Serengeti der zweitgrößte Nationalpark Tanzanias, doch nur ein kleiner Teil im Südosten ist für den Tourismus erschlossen. Er wird gebildet aus einem welligen Plateau mit Bergen, felsigen Hügeln und zwei ausgedehnten Flusstälern. Der Ruaha River, der durch den Südosten des Parks fließt, gab ihm seinen Namen. Die Vegetation reicht von dichtem, trockenem Miombowald über immergrünen Hochwald bis zur offenen Akazien- und Grassavanne. Vor Beginn der Regenzeit wandelt sich der Wald in eine Farbpalette aus ocker, blassgrünen, bronzenen, rost- und kastanienbraunen, purpurnen, kupferroten und goldenen Tönungen.

Streifzug entlang der Bruchstufe

Quer durch den großen Nationalpark verläuft von Südwesten nach Nordosten eine 200 m hohe Bruchstufe, die den Park in einen westlichen Teil mit bis zu 1.800 m hohen Bergen und eine östliche Talebene teilt. Vom Verwaltungsposten der Ranger in Msembe kann man durch offene Graslandschaft bis zur Mündung des Mwagusi Sand River fahren. Von dort führt ein Weg (links) am trockenen Flussbett entlang, das von Commiphora-Bäumen, Palmen und hohen Kandelaber-Bäumen gesäumt wird. Wenn man einem Abzweig (links) in Richtung Kimirammatonge Hill folgt, sieht man wieder Miombo-Wälder. Hier kann man den sonst seltenen Wildhunden und den großen Kudus begegnen, mit Sicherheit macht man Bekanntschaft mit den vielen Tsetse-Fliegen.

Die riedbedeckten Steinhäuschen der Ruaha River Lodge liegen unter Bäumen direkt am Fluss. Hinter der Flusslandschaft bietet sich eine großartige Bergkulisse. Entlang der Sandflüsse Mwagusi und Mdonya wachsen wilde Feigen, Tamarinden, Palmen, bis zu 15 m hohe Candelabra-Bäume und schöne Akazien. Teilweise dominieren silbrigweiß glänzende Baobabs, obwohl der größte Teil des Parks von Commiphora-Waldland bedeckt ist. In diesem Gebiet und entlang des Great Ruaha River sind auf halbtäglichen und während der Tagestouren sehr gute Tierbeobachtungen möglich: Löwen, Büffel, Kudus, Impalas, Giraffen, Warzenschweine, Elefanten, Büffel, Wasserböcke, auch manchmal die seltenen Wildhunde und Leoparden, viele Flusspferde und Krokodile sind zu sehen. In Begleitung eines Rangers kann man zu Fuß die Nyamakuyu-Stromschnellen erkunden, wo sich viele Flusspferde und Krokodile aufhalten.

 

 Reportage: Zanzibar – Unterwegs auf der Gewürzinsel 

Der Name Zanzibar wird vom persischen zanj (Schwarzer) und bar (Küste) hergeleitet, könnte aber auch aus dem arabischen zayn za'l bar kommen, was „schön ist diese Insel" bedeutet. Als erste Nichtafrikaner siedelten sich die Araber an der Küste Ostafrikas an, aus deren Verbindungen mit der einheimischen Bevölkerung die Kultur der Swahili hervorging. Zur Insel, 35 km vom Festland entfernt, kommt man von Dar es-Salaam aus entweder mit dem Flugzeug oder mit einer Schiffsfähre, die an der Malindi Wharf in Dar es-Salaam ablegt. Ich wähle zur Anreise das Flugzeug und fahre zurück mit der Fähre. Aus der Vogelperspektive gleicht die Insel Unguja, wie Zanzibar meist genannt wird, einem glitzernden Juwel, eingefasst in ein Korallenriff und von blauschwarzem Meer umspült. 

Altstadt von Zanzibar

Zanzibar Town, die weiße Stadt am blauen Meer, besteht aus der engen und verwinkelten, alten arabischen Altstadt (Stone Town) und der afrikanischen, von Betonbauten beherrschten Neustadt (Ngambo). Die Trennungslinie zwischen diesen beiden Stadtteilen bildet die von Nord nach Süd verlaufende Creek Road. 

Vom Dhau-Hafen gelangt man zum Palast Beit al-Sahel (People's Palace), dem ehemaligen Palast des Sultans, in dem zwischen 1880 und 1964 der Sultan mit seiner Familie wohnte, und der heute ein Museum ist. Ein Raum ist Prinzessin Sayyida Salme, einer 1844 geborenen Tochter von Sultan Sayyid (Regierungszeit 1803-56) gewidmet, die nach ihrer Heirat und Flucht unter ihrem christlichen Namen Emily Ruete durch ihre Memoiren (»Ein Leben im Sultanspalast«, 1989) bekannt wurde. 

Nicht weit davon entfernt erreicht man den Palast Beit el-Ajaib (House of Wonders), der mit seinen klassizistischen weißen Säulen auf den Stockwerken und durch seinen hohen, schlanken Turm bei der Anfahrt mit dem Schiff schon von weitem zu erkennen ist, wurde 1883 von Sultan Sayyid Bargash (1870-88) als vierstöckiges Gebäude mit Treppen aus Marmor und Balkonen gebaut und wird durch ein kunstvoll geschnitztes Holztor mit Inschriften aus dem Koran betreten. Beiderseits des Eingangs stehen drohend zwei alte portugiesische Kanonen. 

Das wuchtige, gelblich graue Old Fort ist ein massives Gebäude mit ockerfarbenen Mauern und mächtigen Türmen aus dem 18.Jahrhundert, das von den Arabern 1698-1701 auf den Mauern einer abgerissenen portugiesischen Kirche errichtet wurde. Es hielt 1754 einem Angriff der Mazrui-Araber aus Mombasa stand und diente später als Gefängnis. Nach 1890 wurden hinter dem Gebäude zum Tode verurteilte Kriminelle öffentlich mit dem Schwert hingerichtet. 

Steinerne Erinnerungen an die Sklaverei

Dem Fort gegenüber befindet sich der Forodhani Park (Jamituri Garden), der bei Sonnenuntergang zum Leben erwacht, wenn die vielen Verkaufsstände frisch gepresste Säfte und Appetithäppchen anbieten und die Bewohner der Stadt die Kühle des Abends auf Parkbänken oder am Boden sitzend genießen. 

Die Mizingani Road wechselt von nun an ihren Namen und führt als Shangani Street zum guten Tembo Hotel mit dem gegenüberliegenden Fisherman-Restaurant und zum luxuriösen Serena Inn Hotel mit seiner prachtvoll geschnitzten Tür und Messingbeschlägen. 

Sehenswert ist das Peace Memorial Museum, auch Beit el-Amani (Haus des Friedens) genannt, ein kleiner Kuppelbau, der Dokumente der Sklavenhändler, Sultane und europäischen Entdeckungsreisenden beherbergt. Angeschlossen ist das National History Museum (1925), dessen Besuch lohnt (archäologische Geschichte). In die Rückseite des Museums ist die älteste geschnitzte Tür der Insel (1694) eingelassen. 

Historisch interessant ist der Old Slave Market, an dessen Stelle heute die 1886 von Bischof Steere, einem entschiedenen Gegner der Sklaverei, aus Korallensteinen und Portland-Zement erbaute anglikanische Church of Christ steht. Über dem früheren Auspeitschblock wurde im Kircheninneren der Altar errichtet. Auf einer Säule neben der Kanzlei steht ein Kruzifix aus dem Holz des Baumes, unter dem David Livingstones Herz begraben wurde. Hinter dem Altar befindet sich das Grab des Bischofs Steere. Der Sultan Bargash stiftete für den Turm der Kathedrale eine Glocke. 

Rundfahrt über die Insel

Zu den beeindruckendsten Erlebnissen eines Zanzibar-Aufenthaltes gehört eine etwa fünfstündige Spice Tour (Gewürztour), auf der man unzählige Gewürze kennen lernt. Üblicherweise dauert sie fünf Stunden, kann aber auch einen Tag in Anspruch nehmen. Zu den wichtigsten Gewürzen und tropischen Früchten, die man kennen lernt, zählen Zimt, Pfeffer, Gelbwurz, Kakao, Muskatnuss, Kardamon, Pfefferminz, Mango, Ananas, Papaya, Bananen, Avocados, Limonen, Grapefrucht, Durian, Jackfrucht, Rambutan, Vanille und Nelken, von denen sich der Beiname Zanzibars als »Gewürz- und Nelkeninsel« herleitet. Diese Touren können nur mit einem (gemieteten) Wagen unternommen werden. Besser ist es, sich einer organisierten Tour anzuschließen. 

Nur drei Kilometer nördlich, bereits jenseits der Stadtgrenze auf dem Weg nach Nungwi, liegen die Ruinen des Beit al Maruhubi Palace, der von Sultan Bargash 1880-82 erbaut wurde und als Harem für seine 99 Konkubinen diente. Da der Palast 1889 fast vollständig nieder brannte, sind heute nur noch die Bäder und die Säulen erhalten geblieben. 

Zwei Kilometer nördlich davon befinden sich die Mtoni Palace Ruins, Überreste des 1840 erbauten zweistöckigen Palastes von Sultan Sayyid (1791-1856), der 1828-34 errichtet und 1914 ebenfalls durch einen Brand zerstört wurde. Keine fünf Fahrminuten hiervon entfernt stehen die Ruinen von Beit el-Ras, einem Gebäude, das 1847 ebenfalls von Sultan Sayyid begonnen wurde. Der 1915 für Sultan Khalifa erbaute Kibweni Palace ist heute im Besitz der Regierung und kann nur mit besonderer Genehmigung der Tourismuszentrale besichtigt werden. 

Folgt man der Küstenstraße weiter in Richtung Norden, gelangt man zehn Kilometer nördlich von Zanzibar Town bei Bubulu an eine Abzweigung, die nach drei Kilometern weiter zum Dorf Kidichi führt. In der Nähe des Ortes kann man die Ruinen der eleganten Persischen Bäder besuchen, die von Sultan Sayyid Said für seine persische Frau Binte Irich Mirza, Tochter des persischen Schahs, die er 1847 geheiratet hatte, erbaut wurden und mit sehenswerten Stukkaturen verziert sind. 

Hinter Bubulu gelangt man nach Chuini, wo man die Sklavenhöhlen (Slave Caves) besichtigen kann, schwer zugängliche Kalkhöhlen, in denen nach offizieller Abschaffung der Sklaverei (1873) die Sklaven untergebracht wurden. In der Nähe des Dorfes Mangapwani (20 km nördlich von Zanzibar) gibt es eine große Höhle mit einem Tunnel zum Meer, die benutzt wurde, um eingeführte Sklaven zu verstecken, bevor sie nachts auf Dhaus verladen wurden. 

Traumhafte Strände

Vorbei am Fischerdörfchen Mkokotoni erreicht man 54 Kilometer nördlich von Zanzibar Town den Ort Nungwi an der nördlichsten Spitze der Insel Zanzibar, wo sich ausgedehnte Riffplatten und im Westen üppig bewachsene Wälder erstrecken. Nungwi ist seit über 200 Jahren das Zentrum der Schiffsbauer, denen man bei der Arbeit zuschauen kann. Idyllischen Sandbuchten sowie kleinen Sandstrände laden ein zum geruhsamen Baden sowie Schnorcheln. 

Lohnenswert ist ein Ausflug zum Osten der Insel, beispielsweise nach Uroa. Es scheint, als habe die Natur hier alles auf einmal aufgeboten, was sie an Schönheit zu bieten hat: weiße Puderzuckerstrände mit Kokospalmen, sanft gewölbte Hänge, vom Regenwald bedeckt, und ein kristallklares Wasser, über dem sich ein unwirklich blauer Himmel wölbt. Ein Stück Paradies hat sich hier erhalten.