Zu den südlichen Wildparks

Das Selous Game Reserve. Größtes Reservat Afrikas

Man hat mehrere Möglichkeiten, den nördlichen Teil des Selous Wildlife Reserve aufzusuchen. Für Touristen mit geringem Zeitbudget empfiehlt sich die Anreise mit dem Flugzeug (von Dar es-Salaam 35 Min.). Auch ich wähle diese Anreise, zumal der Landweg stellenweise ausgesprochen ruppig ist.

Das Selous Game Reserve ist das größte Tierreservat Afrikas. Das überwiegend flache, von breiten Flüssen mit zahllosen Nebenarmen durchzogene Gebiet ist der einzige Park, in dem Besucher mit bewaffneten Begleitern wandern können. Nur ein vergleichsweise kleiner Abschnitt im Norden ist touristisch erschlossen und wird jährlich von nur knapp zweitausend Reisenden besucht. Der weitaus größte Teil des Parks ist Jagdgebiet. Nach offiziellen Angaben schießen in Selous pro Jahr durchschnittlich zweitausend Jäger insgesamt etwa zweitausend Tiere; das sind knapp 40% der gemäß dem Washingtoner Übereinkommen zum Artenschutz für Tanzania genehmigten Jahresabschussquoten. Ob die Hälfte der Einnahmen aus diesem lukrativen Geschäft tatsächlich dem Reservat zugute kommt, darf bezweifelt werden.

Krokodile im Selous Reservat
Krokodile im Selous Reservat

Als Tanzania noch zum Gebiet der Kolonie Deutsch-Ostafrika gehörte, schenkte der Legende nach der Kaiser Wilhelm II. das Jagdrevier seiner Gemahlin Auguste Victoria zum Hochzeitstag, ohne dass beide es jemals gesehen hatten. »Shamba ya Bibi« (Land der Ehefrau) nannten die Einheimischen damals diesen Park.

Löwen auf Bäumen, was sehr selten vorkommt
Löwen auf Bäumen, was sehr selten vorkommt

Ein schöner Tagesausflug zu den Hot Springs führt durch eine herrliche Landschaft mit zahlreichen Tieren, darunter Löwen (die auch auf Bäume klettern), Giraffen, Großen Kudus und Impalas sowie dem bedeutendsten Bestand an Wildhunden in Afrika. Als typische Bewohner der Wälder gelten die Lichtenstein-Kuhantilope (Lichtenstein Hartebeest), mit ihrem charakteristischen schmalen Gesicht, und die seltene Rappenantilope

Der noch junge "Pascha" mit seinem Harem
Der noch junge "Pascha" mit seinem Harem

Eine Bootsfahrt vom oberhalb des Rufiji River gelegenen Rufiji River Camp, einem der fünf geöffneten Camps im Reservat, auf dem breiten Rufiji River, vorbei an Flusspferden und sich am Ufer sonnenden Krokodilen, ist ein weiteres touristische Highlight im östlichen Teil des nördlichen Selous. Allerdings wechselt der Fluss ständig seinen Lauf, schwankt seine Breite zwischen 50 und 400 Metern. Die Reise geht vorbei an knorrigen Wurzeln großer Terminalia- Bäume, die tief in den sandigen Uferböschungen verankert sind und mehrere Meter aus dem Wasser ragen. Abgestorbene und von der Natur gefällte Dumpalmen treiben im kaffeebraunen Fluss, auf dem leuchtend grüne Hyazinthen schwimmen. Wenn sich im Wasser des Flusses bei Sonnenuntergang das Licht golden spiegelt und in der Ferne die Uluguru Mountains mit ihren Gipfeln Kimhandu (2.646 m) und Lupanga (2.138 m) blaugrau abheben, fühlt man etwas von der Versuchung, die von Ostafrika ausgeht.

Lodge über dem Rufiji River
Lodge über dem Rufiji River

Der Ruaha National Park. Der zweitgrößte Nationalpark Tanzanias 

Schwerer noch als das Selous Game Reserve ist der Ruaha National Park über Land zu erreichen, zu dem auch die Wildreservate Rungwa und Kizigo gehören. Der Besuch des National Parks bietet sich im Anschluss an einen Aufenthalt im Selous Game Reserve an. Wegen der auch hier langen, anstrengenden Autofahrt empfiehlt es sich, von Dar es-Salaam (2,5 Std.) oder vom Selous Game Reserve (90 Min.) aus einen Flug zu buchen.

 

Der Ruaha National Park ist nach der Serengeti der zweitgrößte Nationalpark Tanzanias, doch nur ein kleiner Teil im Südosten ist für den Tourismus erschlossen. Er wird gebildet aus einem welligen Plateau mit Bergen, felsigen Hügeln und zwei ausgedehnten Flusstälern. Der Ruaha River, der durch den Südosten des Parks fließt, gab ihm seinen Namen. Die Vegetation reicht von dichtem, trockenem Miombowald über immergrünen Hochwald bis zur offenen Akazien- und Grassavanne. Vor Beginn der Regenzeit wandelt sich der Wald in eine Farbpalette aus ocker, blassgrünen, bronzenen, rost- und kastanienbraunen, purpurnen, kupferroten und goldenen Tönungen.

 

Landung im Ruaha Nationalpark
Landung im Ruaha Nationalpark

Streifzug entlang der Bruchstufe

Quer durch den großen Nationalpark verläuft von Südwesten nach Nordosten eine 200 m hohe Bruchstufe, die den Park in einen westlichen Teil mit bis zu 1.800 m hohen Bergen und eine östliche Talebene teilt. Vom Verwaltungsposten der Ranger in Msembe kann man durch offene Graslandschaft bis zur Mündung des Mwagusi Sand River fahren. Von dort führt ein Weg (links) am trockenen Flussbett entlang, das von Commiphora-Bäumen, Palmen und hohen Kandelaber-Bäumen gesäumt wird. Wenn man einem Abzweig (links) in Richtung Kimirammatonge Hill folgt, sieht man wieder Miombo-Wälder. Hier kann man den sonst seltenen Wildhunden und den großen Kudus begegnen, mit Sicherheit macht man Bekanntschaft mit den vielen Tsetse-Fliegen.

 

Abends am Ruaha River
Abends am Ruaha River

Die riedbedeckten Steinhäuschen der Ruaha River Lodge liegen unter Bäumen direkt am Fluss. Hinter der Flusslandschaft bietet sich eine großartige Bergkulisse. Entlang der Sandflüsse Mwagusi und Mdonya wachsen wilde Feigen, Tamarinden, Palmen, bis zu 15 m hohe Candelabra-Bäume und schöne Akazien. Teilweise dominieren silbrigweiß glänzende Baobabs, obwohl der größte Teil des Parks von Commiphora-Waldland bedeckt ist. In diesem Gebiet und entlang des Great Ruaha River sind auf halbtäglichen und während der Tagestouren sehr gute Tierbeobachtungen möglich: Löwen, Büffel, Kudus, Impalas, Giraffen, Warzenschweine, Elefanten, Büffel, Wasserböcke, auch manchmal die seltenen Wildhunde und Leoparden, viele Flusspferde und Krokodile sind zu sehen. In Begleitung eines Rangers kann man zu Fuß die Nyamakuyu-Stromschnellen erkunden, wo sich viele Flusspferde und Krokodile aufhalten.

© Rainer Waterkamp