Namibia

Auf einer Tierfarm in Namibia mit einem Geparden

Meine Reisen

 

11. April 1992 - 2. Mai 1992

Reportage: Reise zu den "roten Hirten" am Kunene-Fluss

Reise zu den »roten Hirten« am Kunene-Fluß

Geschützt durch seine Unzugänglichkeit blieb das Kaókoland vom Massentourismus weitgehend verschont. Rau und reizvoll, gehört es zu den faszinierendsten Gebieten Namibias, aber Touren dorthin erfordern besondere Rücksichtnahme und extrem gute Vorbereitungen, da das spärliche Wegenetz auch geübten Geländewagenfahrern einiges abverlangt. 

Palmwag, Hoanib River

Das Landschaftsbild ändert sich erst allmählich. Graue Stein- und Kieswüste wechselt in Dornbuschsavanne mit einzelnen Akazienbäumen. Während der Fahrt erblicke ich große Tafelberge, Kuppeln und Kegel, die in der Ferne aus der Sandfläche herausragen - Inselberge, die stehen blieben, als das umliegende Gestein im Lauf der Zeiten zerbröselte. 

Die malerische Oase Palmwag, letzter Vorposten der Zivilisation und am Uniab River gelegen, bleibt hinter uns. Auf dem Weg hierher haben wir immer wieder Rolltore überqueren müssen, Roste auf dem Boden, über welche die Rinder nicht gehen können. Unter uns liegt auch der Veterinärzaun, der die Wildtiere des Nordens vom Vieh der Farmer fernhalten soll, auf der Landkarte als gerader schwarzer Strich markiert. 

Vorbei an den in tiefem Violett schimmernden Granitbergen, die unsere Fahrt begleiteten bis zum Hoanib River, der in seinem breiten Trockenbett die Piste kreuzt.

Hereros

Unser Ziel ist der äußerste Nordwesten von Namibia, seit kurzem attraktives Reiseziel im Südwesten Afrikas. Prächtig anzusehen sind die Herero-Frauen in ihren farbenfrohen Kleidern. Die weiten bunten Röcke reichen bis auf die Erde. Hochgeschlossene langärmelige Blusen umschließen - die gutgewachsenen Gestalten. Die Tracht ist der Kleidung der deutschen Missionarsfrauen vor hundert Jahren nachempfunden und ein bunter Tupfer in der tristen Landschaft.

Dieses Land, größer als die Schweiz, scheint menschenleer zu sein. Der Sand ist zu langen Furchen erodiert. Die braunen vertrockneten Palmenhaine spenden kaum noch Schatten. Durch die geöffneten Fenster des Geländewagens strömt heiße Luft wie aus einem Fön. Unsere Reise wird langsam strapaziös. Die Piste ist aber im Vergleich zu der, die uns weiter nördlich erwarten wird, noch akzeptabel.

Warmquelle, Sesfontein

Wir erreichen Warmquelle, eine lauwarme Quelle unter hohen Feigenbäumen. Zwischen teilweise verlassenen Lehmhütten steht eine große Schule. Nur wenige Kilometer nördlich patscht unser Geländewagen durch einen kleinen Bach und bringt uns zum wunderschönen Ongonga-Wasserfall. Das schilfumsäumte Auffangbecken lockt zum Bade und ist der rechte Ort für ein gemütliches Picknick im Schatten der Felsen und Bäume, während die Sonne hoch und grell über dem Land steht. 

Die Straße zieht sich durch eine dunstverhangene Landschaft; im Hitzeschleier der brennenden Sonne flimmern die halbzerfallenen Reste des alten Forts der deutschen Schutztruppe von Sesfontein. Der Name weist auf sechs Quellen am Hang eines Kalkrückens hin.

Die Himba

Die Fahrt führt über Oukongo, Onhandungu sowie Epembe nach Otjijanjasemo. Hitzewellen steigen aus dem durchglühten Sand auf. Weiter geht’s nordwärts über Ondova Richtung angolanische Grenze. 

Das Kaokoveld ist der Lebensraum von mehreren Tausend Himba und Tjimba (hier abgebildet), die eng mit den Herero verwandt sind. ln der abgestuften Hochplateau-Landschaft betreiben sie als Nomaden oder Halbnomaden Viehzucht und ein wenig Ackerbau, zudem erweitern sie ihren Speiseplan durch Jagen und Sammeln. Sie halten Ziegen und Schafe sowie Maultiere - und Rinder. Diese sind bunt gesprenkelt, haben jedoch keine Höcker. Damit entsprechen sie nicht dem Schönheitsideal, wie es zum Beispiel die Bororo im Niger oder die Hamer in Südäthiopien bevorzugen. 

Die festen Behausungen der Himba sind Knüppelstrukturen, die mit einer Mischung aus Lehm und Rinderdung verkleidet sind.

Die Himba-Frauen sind berühmt für ihren auffälligen Körperschmuck: Sie reiben ihren Körper mit Butter ein, die mit rotem Pulver aus eisenhaltigem Gestein und stark aromatischen Kräutern vermischt wurde. Die rötliche Paste entspricht nicht nur dem Schönheitsideal, sondern schützt auch vor der intensiven Sonne und vor Insekten. 

Um ihre Heiratsfähigkeit anzuzeigen, tragen die Mädchen ab dem 16., 1 7. Lebensjahr ein kurzes, verziertes Fell auf dem Kopf. Das Haar wird mit langen Bastriemen zu Zöpfen geflochten. 

Unverheiratete Frauen tragen ihre Zöpfe nach hinten, Mädchen vor der Pubertät nach vorne zur Stirn gerichtet. Fellriemen oder Riemen mit Eisenperlen um den Bauch der Frauen, Ketten mit kleinen Lappen aus Rinderohren, Iocker von den Hüften fallende Lederhäute von Kälbern und Eisenringe um den Hals haben rituelle Bedeutungen. Arme und Beine sind meistens mit schweren Kupferringen geschmückt. Einfache Ketten zeigen an, dass eine Frau noch keine Kinder oder höchstens ein Kind hat. Die oberen zwei Schneidezähne werden ausgefeilt, die unteren vier Schneidezähne in der Kindheit ausgebrochen. In die künstliche Zahnlücke wird eine quer gestellte pfenniggroße Messingscheibe geschoben, mit der ein schriller Pfiff erzeugt wird, der die Herde veranlasst, zusammenzulaufen (siehe »Menschen n Namibia«).

Die Epupa-Wasserfälle des Kunene-Flusses

Was sich dann unseren ungläubigen Augen bietet, ist wie eine Fata Morgana: Mit gewaltigem Getöse stürzt sich die entfesselte Flut des Kunene-Flusses in nahezu 30 Wasserfällen in die Tiefe, verschwindet in der Schlucht, schäumt in einer brodelnden Gischt auf und sammelt sich zu einem rasant dahinfließenden Strom. Von allen Seiten her rauscht und zischt, prasselt und brodelt, gurgelt und gluckert, tost und dröhnt es. Der Blick auf die Epupa-Wasserfälle ist überwältigend und macht sprachlos. Der dramatische Sonnenuntergang versöhnt mit den Strapazen der abenteuerlichen Fahrt. Unter mondlosem Sternenhimmel werden die Zelte aufgeschlagen, denn die Mondscheibe wird im April und Mai auf der südlichen Halbkugel erst nach Mitternacht sichtbar. Wir bleiben zwei Tage hier. Die Wasserfälle verändern mit dem Tageslicht ständig ihre Farbtönungen und fesseln immer wieder aufs neue Reisende, die diese landschaftliche Schönheit noch unberührt erleben wollen, müssen sich allerdings beeilen. Eigentlich soll hier mit dem Bau eines 140 Meter hohen Staudammes begonnen werden, der eine einzigartige Landschaft zerstören wird.

Sossusvlei - Sanddünen in der Namib

Menschen in Namibia

Himba

Die Frauen vom Stamm der Himba reiben ihren Körper mit Butter ein, die mit rotem Pulver aus eisenhaltigem Gestein und stark aromatischen Kräutern gemischt wurde. Sie schützt vor der intensiven Sonne und vor Insekten.

Unverheiratete Frauen der Himba tragen eine große, weiße, kegelförmige Muschel, die zwischen den bloßen Brüsten getragen wird, dient als Schmuck, ebenso eingeritzte Reifen aus Elfenbein. Dagegen haben Fellriemen oder Riemen mit Eisenperlen um den Bauch der Frau, Ketten mit kleinen Lappen aus Rinderohren, locker von den Hüften fallende Lederhäute von Kälbern und Eisenringe um den Hals rituelle Bedeutungen. Arme und Beine sind meistens mit schweren Kupferringen geschmückt. Einfache Ketten zeigen an, dass die Frau noch keine Kinder oder höchstens ein Kind hat.

Das Haar der Himba-Frauen wird mit langen Bastriemen zu Zöpfen geflochten. Unverheiratete Frauen tragen ihre  Zöpfe nach hinten, Mädchen vor der Pubertät tragen sie nach vorn. Um ihre Heiratsfähigkeit anzuzeigen, tragen die Mädchen ab dem 16., 17. Lebensjahr ein kurzes, verziertes Fell auf dem Kopf. 

Die Frauen reiben ihtren Körper mit Butter ein, die mit rotem Pulver aus eisenhaltigem Gestein und stark aromatischen Kräutern gemischt wurde. Sie schützt vor der intensiven Sonne und vor Insekten.

 

Die Männer benutzen schwarz gefärbtes Fett. Nach der Beschneidung wird das Haar abgeschnitten, aber ein Haarstreifen bleibt in der Mitte des Kopfes erhalten. Einige Haare im Nacken, die ebenfalls nicht abgeschnitten werden, dürfen sich zu einem schulterlangen Zopf auswachsen. Mit dem 18. oder 20. Lebensjahre wird er geteilt, um ihn unter ein kunstvoll gebundenes Tuch zu stecken. Das Haar wächst weiter, seine Fülle soll nicht versteckt werden, denn sie zeigt das dem Jungmann gebührende Ansehen an. Dieses Tuch nimmt er nur dann ab, wenn einer der engsten Verwandten gestorben ist. Am Ende der Trauerzeit setzt er die Kappe oder das Tuch wieder auf. Die Kopfbedeckung des verheirateten Mannes wird ondumbo genannt. Ältere Männer haben weichgegerbtes Schafsleder zu großen Turbanen eng über ihr ungeschnittenes Haar gewickelt.

Herero

Die weiten bunten Röcke reichen bis auf die Erde. Hochgeschlossene langärmelige Blusen umschließen die Gestalten. Die Tracht ist der Kleidung der deutschen Missionarsfrauen vor hundert Jahren nachempfunden und ein bunter Tupfer in der tristen Landschaft.