In Nord-Kenia mit dem Geländewagen 1993

Kenia

Meine Reisen

11. März 1990 - 1. April 1990 (Kenia, Nord-Tanzania)

18. Oktober 1991 - 7. November 1991

26. Juni 1993 - 14. Juli 1993 (Kenia mit dem Geländewagen)

21. Januar 1994 - 5. Februar 1994 (Süd-Kenia, Küste und Lamu)

Literatur

Afrique orientale. Kenya, Tanzanie, Ouganda, Éditions Vigot, Paris 2000 –ISBN: 2-7114-1461-2

Kenia, Mai-Verlag, Dreieich 1997 –ISBN: 3-87936-223-8

Ostafrika. Kenia, Tanzania, Uganda, Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart 1999 –ISBN: 3-440-07837-X, 3-440-07384-X 

Ostafrika. Kenia, Tanzania, Uganda, Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart 2000 –Bertelsmann

Off-Road-Handbuch Kenia Pietsch-Verlag, Stuttgart , 1994, –ISBN: 3-613-50

Východni Afrika. Kena, Tanzanie, Uganda, Baset, Praha 2003 –ISBN: 80-7340-009-X 

Sehnsuchtsland Kenia: Mit dem Geländewagen in den Norden

Kenia, so sagt man, verändert die Menschen, die das Land besuchen. »Die geographische Lage und die Höhe haben vereint eine Landschaft geschaffen, die in der Welt ihresgleichen sucht. Alles, was man sieht, atmet Größe und Freiheit und unvergleichliche Vornehmheit.« Mit diesen Worten leitet die in Europa erst nach ihrem Tod zu literarischen Ehren gelangte dänische Baronin Karen Blixen ihr Buch »Afrika, dunkel lockende Welt« ein. Der dem Bestseller folgende Film »Jenseits von Afrika« hat Millionen von Zuschauern einen Eindruck von der grandiosen Landschaft und dem Tierreichtum des Landes gegeben, in dem Karen Blixen 17 Jahre lang bis 1931 auf einer Kaffeefarm lebte. Es ist dieses wunderschöne Farbenspiel, das sich als acrylhaft laute Farbexplosion in Michael Redfords Film »White Mischief« findet, diese messingfarbene Sonne und lohende Landschaft mit flimmernden Vorhängen, welche die Sehnsucht nach Ostafrika geweckt und den Lebensstil jenes illustren Kreises weißer Kolonialherren geprägt hat, der in den vierziger Jahren durch den gleichnamigen Bestseller bekannt wurde.

 

Die Hauptstadt Kenias und Umgebung

Nairobi - Thika Falls - Fourteen Falls - Ol Doinyo Sapuk

Nairobi ist auf den ersten Blick nicht gerade eine faszinierende Stadt, ohne bemerkenswerte Architektur, geheimnisvolle Viertel und pulsierendes Nachtleben. Aber es ist eine lebhafte Handels-, Geschäfts- und Verwaltungsmetropole, Sitz zahlreicher Botschaften und internationaler Organisationen.

Die meisten Sehenswürdigkeiten sind bequem zu Fuß zu erreichen, und bei dem schachbrettartigen Straßenverlauf findet sich jeder leicht zurecht. An den Linksverkehr wird man sich allerdings erst allmählich gewöhnen müssen. Trotz des ruppigen und gefährlichen Fahrstils ihrer Fahrer verkünden die Aufkleber der Matatus, der Kleintaxis, jedoch »Kenya loves U 2« - Kenya loves you too.

Empfehlenswert ist ein Ausflug zum Karen-Blixen-Museum, benannt nach der dänischen Schriftstellerin Karen Blixen, die hier zwischen den beiden Weltkriegen auf einer Farm lebte und deren Buch » Out of Africa« zu einer packenden Schilderung des Lebens europäischer Siedler in Afrika wurde. Um dorthin zu gelangen, fährt man die Kenyatta Avenue in Richtung Westen, bis links die Ngong Road abzweigt und folgt dann der Karen Road bis zur Ortschaft Karen. Täglich wandern Touristen durch die Räume des Karen Blixen Museums. Die Atmosphäre im Arbeitszimmer des Geliebten Denys Finch Hatton ist gediegen, das in weißroten Farben gehaltene Schlafzimmer der Baronin wirkt verspielt. Doch Bett und Vorhänge sind Requisiten der Filmausstatter des Opus »Jenseits von Afrika« nur der Frisiertisch ist hier noch ein Original. Vom Esszimmer öffnet sich eine große Terrasse zum Garten und gibt den Blick auf die in der Ferne liegenden Ngong Hills frei, welche die Sehnsüchte von zivilisationsmüden Europäern und Nordamerikanern verkörpern. Im riesigen schlauchförmigen Badezimmer mit Schrank und Kommode steht eine Badewanne mit der Patina von rund 70 Jahren auf filigranen Füßen.

 

Auf ausgefallener Route bis zum Meru-Nationalpark - Thika, Embu

Wir folgen den Parklands ostwärts bis in die Forest Road und erreichen die Muranga sowie Thika Road, die am Utalii Hotel vorbeiführt. 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernt erstrecken sich ausgedehnte Kaffeefarmen von Kangundo. Hinter dem Ort Ruiru zweigt eine Straße nach Githunguri ab.

Die Industriestadt Thika mit ihren Textilfabriken, ihren Auto-Montagehallen und papierverarbeitenden Betrieben nimmt man von der autobahnähnlichen Straße kaum wahr. Der Ort erinnert nur noch wenig an die »gute, alte Zeit der Siedler«, wie sie Elspeth Huxley in ihrem Buch »The Flame Trees of Thika« beschrieben hat. Für die Reise hierher hatte sie mit ihrem Ochsengespann während der Jahrhundertwende noch drei Tage gebraucht. Heute dauert die Fahrt auf der gut ausgebauten Straße weniger als eine Stunde. Der rote Staub befindet sich zwar immer noch hier, doch Papyrus und die hohen Gräser mussten Regierungsgebäuden, Wohnanlagen und Sisal-, Ananas- und Kaffeeplantagen weichen. Immerhin erblicken wir im Park des Blue Post Hotels blühende Weihnachtssterne und genießen einen herrlichen Blick in eine mit üppiger tropischer Vegetation bedeckte Schlucht sowie die Chania- und Thika-Wasserfälle, denen das Hotel auch den Namen »Hotel zwischen den Wasserfällen« verdankt.

Hinter Thika wird die Gegend ländlich. Grüne Hügel breiten sich aus wie ein Flickenteppich aus kleinen Feldern. Die Straße ist allerdings miserabel mit zahlreichen Schlaglöchern und viel Autoverkehr. Hinter Kabati ist die Straße aufgerissen, es geht nur noch im Slalom und Schritt-Tempo weiter. An den grünen Hängen wachsen Getreide, Bohnen, Erbsen, Kaffee und Tee. Es wird auch Reis angebaut.

Schnell ist Embu erreicht, und wir fahren eine breite Allee entlang, gesäumt von schönen Gärten mit Bananen und Bougainvilleas. Die neue geteerte Straße von Embu nordwärts schlängelt sich über die Bergfalten des Ausläufers des Mount Kenya Massivs hinweg, wo sich zahlreiche Bäche tief in die vulkanische Erde gegraben haben.

Über Berg und Tal: In den Meru-Nationalpark - Meru

Meru - Muthara - Meru-Nationalpark

Meru ist eine aktive Stadt, die sich durch eine Reihe öffentlicher Gebäude und Hotels auf 1500 Meter Höhe präsentiert. Hinter Muthara beginnt die Straße zu steigen. Sie folgt über steile Abschnitte den Nordosthängen des Mount Kenya hinab nach Maua in den Nyambeni Hills. Unterwegs bieten sich herrliche Ausblicke hinab in die Ebenen des Nordens, in denen Vulkanhügel zu erkennen sind.

Landschaft und Vegetation des Meru-Nationalparks sind typisch für die trockenen und heißen nördlichen Landesteile Kenias. Unser Blick schweift über eine goldene, wogende Ebene, in der die Löwin Elsa und die Gepardin Pippa lebten - in Joy Adamsons Büchern und Filmen zu Weltruhm gelangt. Die riesige Fläche fällt über eine Reihe von Plateaus hinab zu den Ufern des Tana River, Kenias größtem Fluss. Gelegentlich ragen zwischen dichtem Gebüsch, weitem Grasland und bizarren Akazien einige zerklüftete rötlichgelbe Felsformationen aus der Erde. Der grüne Basalt stammt von den Lavaströmen der Nyambeni Range, die von den braunen und grauen Vulkanböden überlagert sind.

In dem Park, der sich zwischen zentralem und nördlichem Faunengebiet erstreckt, existieren noch Tse-Tse-Fliegen, die Überträger der Schlafkrankheit. Aber in den mit spärlichem Gras bewachsenen, von Termitenhügeln übersäten und von Flussläufen durchzogenen Savannen grasen immer noch große Herden von Elefanten, Netzgiraffen und Grevy-Zebras, dazwischen sehen wir Gerenuks und Masai-Strauße. Löwen und Leoparden sind seltener geworden, obwohl hier George und Joy Adamson versuchten, den Löwen Boy in die Wildnis zu entlassen und ihre Abenteuer mit der Löwin Elsa erlebten. George Adamson wurde hier im Jahre 1989 Opfer einer bewaffneten Bande. Auch die Attraktion des Parks, die Breitmaulnashörner, wurden im November 1988 von Wilderern getötet. Dennoch entwickelte sich das Gebiet, nachdem das Wild bereits Ende der fünfziger Jahre fast ausgerottet war, in den letzten Jahren wieder zu einem echten Rückzugsgebiet für viele Tiere, in dessen Sümpfen man wieder große Büffelherden finden kann.

Während der nördliche Teil des Meru-Nationalparks durch weite Savannen geprägt ist, wachsen im südlichen Teil vorwiegend dichte Dornbüsche. Inmitten der Dornbuschsavanne bietet die mit Tamarinden- und Feigenbäumen bewaldete Flusslandschaft am Tana River zahlreichen Tieren einen ausreichenden Lebensraum. Die Südgrenze des direkt am Äquator liegenden Meruparks mit dem Tanafluss wird von zahlreichen Krokodilen und Flusspferden bevölkert. In den dichten Wäldern entlang der Nebenflüsse sind Papageien und Affen heimisch. Bei den Adamson's Falls verengt sich der Tana-Fluss plötzlich und rauscht über Felsen und Klippen breit und gemächlich zum Indischen Ozean.

Einige Kilometer flussabwärts den Tana River entlang grenzen der Meru-Nationalpark und das Kora-Wildschutzgebiet aneinander, Heimat von George Adamson in seinen letzten Lebensjahren vor seiner Ermordung im Jahre 1989. Das von Akazien bewachsene Buschland, das von Inselbergen aus Granit und kleinen Hügeln durchsetzt ist, können wir nicht mehr besuchen, da unser Zeitplan bereits am Beginn unserer Expedition in Verzug zu geraten droht. Die Flussdurchfahrten durch den Mulika und Ura River bereiten keine Schwierigkeiten, doch eine schlechte Wegstrecke kurz vor den Adamson's Falls hat uns durch zahlreiche stachelige Dornenbüsche auf der Piste aufgehalten.

 

Off Road in die nördlichen Nationalparks - Isiolo, Samburu Nationalreservat

Muthara - Isiolo - Samburu-Nationalreservat

Wir beginnen unsere abenteuerliche Exkursion auf der D 485 nach Isiolo. Die einspurige Schotterpiste zeigt sich bereits auf den ersten Metern von ihrer unangenehmen Seite, denn zahlreiche spitze kleine Steine bedrohen die Unversehrtheit der Reifen unseres Geländewagens. Die Fahrt führt an Hütten, Weideflächen für Kühe und Sorghum-Anpflanzungen vorbei. Der weißgelbe Sand mit schwarzen Steinen ergibt eine graue Mischung der Piste. Dann kommen Sonnenblumenfelder ins Blickfeld.

Lässig patscht unser Wagen durch einen Fluss, der sich einige Meter auf der Piste entlang zieht. In der Ferne erblicken wir die blauen Umrisse der Berge, die immer näher rücken. Dann wird die Landschaft flach. Nur noch niedriges Buschwerk ist zu sehen, gelbes Gras dominiert; es gibt kaum noch Bäume.


Das Off-Road-Abenteuer beginnt gleich hinter Isiolo, dem letzten Außenposten der Zivilisation vor den weiten Wüsten des Nordens und Endpunkt der Nomaden mit ihren Kamelherden. Es war lange Zeit »geschlossenes Grenzland«, ein umstrittener Landstrich zwischen den eingesessenen Boran und Samburu sowie eindringenden somalischen Stämmen, räuberischen Shiftas.
Viehdiebstahl ist noch heute an der Tagesordnung und gelegentlich kommt es zu blutigen Schießereien.

Hinter der Moschee und den Hütten mit glänzenden Blechdächern gelangen wir abrupt auf eine unbefestigte Piste mit Wellblech inmitten einer Steinwüste. Die Piste ist mit schneeweißem Kies bedeckt. Aus gelben Savannengräsern erheben sich einige Schirmakazien mit ihren typischen weitausladenden Kronen. Hell gleißen die wasserdurchlässigen Kalkböden in der grellen Sonne, über dem sich ein tiefblauer Himmel streckt. Die Fahrspuren rechts und links der eigentlichen Fahrbahn sind manchmal besser zu befahren, denn sie haben kaum Wellblechcharakter.

Weniger als 30 Kilometer nördlich von Isiolo sind die Buffalo- und Samburu-Nationalparks erreicht. Beide Parks bestehen aus trockenem, offenem Dornbuschland, in dem nur während der Regenzeit etwas Grün sprießt. Es ist ein halbwüstenartiges Gebiet mit eigenem Reiz.
 

Off Road in die nördlichen Nationalparks - Isiolo, Samburu Nationalreservat 

Buffalo-Springs Nationalreservat

Buffalo Springs, das wir nach einem erfrischendem Frühstück und erfolgreichem Kampf gegen eine Pavianherde, die nur einen Blechnapf mit einem Stück Brot erbeuten konnte, wieder anfahren, bietet uns eine erstaunliche Artenvielfalt afrikanischer Tiere. Nicht weit vom Pistenrand holt sich eine Gerenuk, aufrecht auf den Hinterläufen stehend und mit lang gestrecktem Hals die begehrten Blätter einer Zwergakazie. Fein schwarz gestreifte Grevy-Zebras, bei denen sich die schwarzen Streifen nicht unter dem Bauch treffen, sehen mit ihren runden, ausgefransten Ohren irgendwie lustig aus. Sie können mit weniger Wasser als die Steppenzebras auskommen. Im grauen Grasland stolzieren Strauße einher, affektiert wie alte Jungfern. Mit ihren blauen Schenkeln sind sie als Somali-Strauße zu erkennen. Auch ostafrikanische Spießböcke, die selten geworden sind, finden sich wohl nur noch im Samburu-Buffalo-Park.

Neben einer Herde bulliger Büffel sehen wir die wunderschönen Netzgiraffen. Sie haben ein kräftig rotbraunes Fell, auf dem dünne weiße Linien ein vollkommenes Netz bilden. Seltsam schwebend gleiten sie in ihren Bewegungen wie in einer Zeitlupe an uns vorbei.

Entlang des Ewaso-Ngiro-Flusses haben sich Galeriewälder gebildet, deren charakteristischer Baum die Dumpalme ist. Stamm und Wedel verzweigen sich, das Fruchtfleisch ist genießbar.


Zu einer Zeit, zu der die Pauschalreisenden noch beim Frühstück in ihrer Lodge sitzen, sind wir mit unserem Geländewagen bereits unterwegs. Außer dem vereinzelten Ruf eines Vogels und dem gelegentlichen Rascheln im Unterholz ist nichts zu hören. Wir stehen eine halbe Stunde an der Biegung eines Weges, zu dem es hinunter geht zum Fluss. Den Motor des Wagens haben wir abgestellt, die Sonne beginnt über den Hügeln im Osten emporzusteigen, die im rötlichen Morgenlicht erglühen. Aus dem Zwielicht von Baumsilhouetten, die sich wie chinesische Scherenschnitte vor dem Morgenhimmel abheben, tritt eine Löwin, überquert kurz vor unserem Wagen die Piste und streicht spielerisch mit geneigtem Kopf an einem Akazienbusch vorbei. Auf mich macht sie den Eindruck wie ein Schmusekätzchen. Dann steigt sie - vorsichtig nach allen Seiten witternd - den Hang zum Fluss hinunter, um sich auf Lauer zu legen. Es sind unvergessliche Minuten wie aus dem Traum vom verklärten Afrika meiner Kindheitssehnsüchte.

 

Durchquerung der Wüste - Laisamis, Marsabit, North Horr

Archer's Post - Kaisut Desert
Ausgangspunkt unserer Fahrt auf weißgelber Kieselpiste nach Norden ist Archer's Post, eine staubige Ansammlung von Blech- und Bretterhütten. Vom Wegweiser zur Sarova Shaba Lodge sind es rund sechs Kilometer unebener Piste bis zum Natorbe-Tor, dem Eingang zum Park. Der Besuch lohnt sich eigentlich nur während der Regenzeit, da der vorwiegend vulkanisch geprägte Park sonst wenig interessant ist. Shaba war der letzte Wirkungsort von Joy Adamson, die hier kurz vor der Fertigstellung eines Films mit der Leopardin Penny im Jahre 1980 ermordet wurde.


Nördlich von Archer's Post gelangen wir in den weiten, verdorrten Northern Frontier District. Die Piste strebt auf den düsteren, zuckerhutförmigen Lolokwe (1980 m) zu, von dessen Gipfel räuberische Shifta-Banden einst ihre Überfälle starteten, und erreichen inmitten einer windzerklüfteten Landschaft die Ortschaft Seredupi. Von Laisamis, einem Ort mit Missionsstation, führt ein Abzweig zur Losai National Reserve, die aus undurchdringlichem Bergwald besteht. Nur während der Trockenzeit kann man sich mit einem allradgetriebenen Fahrzeug hineinwagen.

Wir fahren vorbei an gelegentlich auftauchenden Termitenhügeln am Wegesrand auf das braune Sagererwa-Plateau und weiter in die lebensfeindliche Kaisut-Wüste. Dieser menschenleere, von Steinen und roten Gesteinsbrocken übersäte gelbliche Landstrich gehört zu den trockensten Gebieten Kenias. Doch wir erleben, was nur wenige Tage im Jahr zu sehen ist: Am Ende der Regenzeit wandelt sich das Bild total. Dann erwachsen Gräser zu neuem Leben, deren Samen oft jahrelang im Boden ruhten. Nach kurzen, heftigen Regenfällen haben Niederschläge die Halbwüste für kurze Zeit in eine legendäre Blütenlandschaft verwandelt. In einer Art Hohlweg schlängelt sich die ausgefahrene Piste über teilweise aufgeweichten und verschlammten Boden. Vorausgefahrene Geländewagen haben tiefe Spuren hinterlassen. Gelegentlich schrammt der gehärtete Boden am Rande der Piste am Bodenblech unseres Wagens. Ohne die gute Bodenfreiheit eines Geländewagens wäre hier kein Durchkommen. Doch das bunte Blütenmeer entschädigt uns für alle Mühen und Strapazen.

 

Logologo, Marsabit

Hinter der Missionsstation Logologo steigt die Piste von 500 Meter langsam auf 1700 Meter hinauf. Was sich dann aus Dunst und Sandstaub herausschält und am Horizont wie in einem unendlichen Meer zu schwimmen scheint, wirkt wie ein Wunder: Der dichte Regenwald auf den Bergen von Marsabit ist ein grüner Tupfer in der heißen Trostlosigkeit der staubigen Tiefebene. Das Bergmassiv mit dichten Wäldern und das Vulkanmassiv mit romantischen Kraterseen hat den Marsabit-Nationalpark zu einer der landschaftlich schönsten Gegenden Kenias werden lassen.

Nach Marsabit kommen die Nomaden der Stämme der Rendille, Boran und Gabbra. Die Männer der Samburu und Rendille sind oft mit einem Kurzschwert und einem Schlagstock bewaffnet, die Boran und Turkana tragen Speere, die Merille und Gabbra meist ein altes Gewehr und um die Taille einen ledernen Kugelbeutel. Bei den Rendille hochbegehrt ist der Halsschmuck aus Dumpalmfasern, die mit ockergetönten Tuchstreifen zusammengebunden werden. Früher wurde dieser Halsschmuck auch aus Messing oder Eisen gefertigt. Die Armspiralen der Frauen werden bei der Hochzeit am Unterarm, bei der Geburt des ersten Sohnes am Oberarm getragen. Dann wird auch ein hahnenkammähnlicher Haaraufsatz getragen, der aus Schlamm, Fett und Ockerfarbe besteht.

Inmitten des felsigen, kraterübersäten Waldgebietes mit bezauberndem Blick über die weite Wüstenlandschaft liegen herrliche grünbraune Kraterseen. Immense Bäume, die sich in Usnea-Flechten und Moose hüllen, haben sich in diesem feuchten Hochlandwald erhalten. Am Paradies-See gibt es Seetaucher und Reiher, Sporengänse und Enten. Auf den jäh abfallenden Klippen am Gof Bongole lebt der seltene Lämmergeier. An den Hängen der Berge gedeiht eine üppige Vegetation mit gewaltigen, bizarren Bäumen, von denen endlose Flechten hangeln. Im dichten Unterholz verstecken sich Moschusböcke und Servalkatzen. In den tieferen Regionen des Reservats findet man Oryx-Antilopen und Gerenuks, auch Büffel und Nashörner, Leoparden und Löwen. Frühmorgens oder am späten Nachmittag kann man die mächtigen, graubraunen Großen Kudus mit den weißen, vertikalen Streifen erblicken, die mit ihren langen, lyraförmig geschwungenen Hörnern und der schönen Halsmähne einen unvergesslichen Anblick bieten.

 

Maikona, Chalbi Desert, North Horr

Die Fahrt von Marsabit nach North Horr führt zunächst über weichen, ockerfarbigen Sand und schneeweißem Kies bis in die trostlosen unteren Hänge der Huri Hills und ins Buschland zum Brunnen von Mayidahad. Hier befindet sich eine Mission. Am Rand der Piste erheben sich Schirmakazien mit weit ausladenden Kronen. Das Regenwasser versickert schnell im wasserdurchlässigen Kalkboden, der hell gleißend in der Sonne liegt. Das intensive Farbenspiel in seinem beständigen Wechsel wird uns in ständiger Erinnerung bleiben.

Einzige Ortschaft auf dem Weg nach North Horr ist Maikona, ein Oasendorf, das mit seinen getünchten Häusern und den in wallenden Gewändern gekleideten Menschen auf uns arabisch wirkt. Die Bewohner geben sich sehr zurückhaltend.

Die Ebene der Chalbi Desert breitet sich flach wie ein ungehobeltes Brett aus. Monotonie ist ringsum, Ton in Ton die graugelbe Farbe der Erde und der gleißend helle Himmel. Ein Dunstschleier liegt über dem Land, der dieses blass erscheinen lässt. Es gibt ein Gewirr von Fahrspuren, von denen wir einer frischen zwischen großen Lavabrocken folgen. Die Landschaft verwandelt sich im Schein der gnadenlos herabbrennenden Sonne in ein flimmerndes Band, so dass wir glauben, auf einem tanzenden, glänzenden Schleier zuzufahren. Die Umwelt scheint tot, kein Laut ist zu hören. Palmen stehen in Salzoasen wie Inseln im Schnee. Fata Morganen schweben über der Wüste und die Piste besteht manchmal nur aus Reifenspuren vorheriger Fahrzeuge, manchmal schneiden sie durch schartige Lava. Dann fällt der Blick auf einen Hügel namens Dabandabli nahe der Polizeistation von North Horr.

Der nördliche Außenposten North Horr, der rund 450 Kilometer seit Samburu erreicht wird, ist ein trostloses Kaff inmitten staubiger, weißgelber Erde. Hier drängen sich in Trockenzeiten die Gabbra-Nomaden mit ihrem Vieh um die Wasserstellen.
 

Gefahren am Turkana-See - Hurran Hurra, Alia Bay

North Horr - Alia Bay

Auf den ersten Kilometern westwärts zeigt die Landschaft das gewohnte Bild der Chalbi-Piste: Heller Bimsstein vermischt mit Brocken aus schwarzer Lava. Die feste Bimssteinoberfläche lässt eine flotte Fahrweise zu. Doch schon bald wird der helle Bimsstein von schwarzem Lavasand abgelöst. Die Piste ist weich, staubig und von Querrillen durchsetzt.

Wir durchqueren einige ausgetrocknete Flussläufe, an denen dennoch vereinzelte Akazien in Zwergform, oft blattlos, wachsen. Die Fahrt führt an einem wunderschönen Palmenhain vorbei, bis sich wiederum nur noch harte Grasarten und Wüstenbüsche ausmachen lassen. Der Wagen kurvt durch ein Geröll schwarzer Lavabrocken; große und spitze Steine ragen mitunter aus der Piste heraus. Sie müssen vorsichtig mit den Rädern einer Wagenseite überfahren werden. Einige Male schrammt es gefährlich laut am Unterboden unseres Wagens, einmal bricht der Dachgepäckträger an der rechten hinteren Seite und muss notdürftig zusammengeflickt werden. Ein Teil der Kanister wird im hinteren Wagenteil untergebracht, der das Gepäck beherbergt. Oft genug setzt sich auf der ruppigen Piste die gesamte Ladung in Bewegung und muss neu verstaut werden.

Wir erreichen den Brunnen von Hurran Hurra, der einige Meter tief ist und aus dem die Nomaden das Wasser für sich und die Tiere mühsam nach oben schaffen müssen. Die Flussbetten scheinen kein Ende zu nehmen, viele sind tückisch mit weichem Sand gefüllt, der ein Durchkommen schwer macht. Immer wieder verirren sich Heuschrecken durch die geöffneten Fenster ins Wageninnere. Das Passieren der Geröllhänge ist schwierig, denn der steile Abstieg erlaubt selten den Schwung, der erforderlich ist, die voll losen Sandes gefüllten Becken zu durchqueren. Dann geht es wieder steil auf Berghänge hinauf, die mit Geröllmasse übersät sind. Oben angekommen, muss sofort wieder abgebremst werden, denn oft tut sich gleich hinter dem Hang ein breiter, vom Regen ausgewaschener breiter Graben auf. Es sieht manchmal so aus, als hätten wir nur die Wahl zwischen stecken bleiben, aufsitzen oder Achsbruch erleiden.

Wir gelangen zu einer Weggabelung, die rechts nach Derati und Illeret, geradeaus nach Koobi Fora führt. Wir setzen unsere Fahrt nach Alia Bay fort.

130 Kilometer nordwestlich von North Horr erreichen wir Kenias nördlichsten Nationalpark, der nur aus trockener Halbwüste mit dunkelgrauen bis schwarzen Lavafeldern besteht. Der 1973 eingerichtete Sibiloi-Nationalpark ist für Besucher nicht eingerichtet, an dieser prähistorischen Ausgrabungsstätte hat Richard Leakey den Schädel eines homo habilis gefunden. Die Sedimentablagerungen in Ost-Turkana haben menschliche Skelette konserviert, die etwa eine Million Jahre alt sind.

Da es kein richtiges Wegenetz im Sibiloi-Nationalpark gibt, ist die Mitnahme ortskundiger Führer dringend anzuraten. Die Fahrt ist selbst für einen Geländewagen schwierig und geht durch eine bedrückende Mondlandschaft aus schwarzem Lavageröll.

Wir genießen einige Stunden am geheimnisvoll funkelnden, jadefarbenen Turkana-See. In der Nähe der EI Molo Bay spiegelt sich der Turkana-See im majestätischen Glanz. Zunächst erscheint er jadefarben, geht dann, sobald die Wolken sich vor die Sonne schieben, in ein Türkisblau über und verglüht rot in der Abenddämmerung, um bei Tagesanbruch wieder silbern aufzuschimmern. Im See gibt es mehr als 40 Fischarten: Nilbarsche bis zu 400 Kilogramm, Afrika-Buntbarsche und Tigerfische. Dazu bietet der See auch zahlreichen Nilkrokodilen, Nilpferden und mehr als 350 Vogelarten geeignete Brut- und Lebensplätze. Über den größten ständigen Wüstensee der Welt fegen manchmal Windböen mit solcher Geschwindigkeit über das Südende hinweg, dass sich die Wellen bis zu drei Meter hoch auftürmen. Manch ein Fischer ist einem solchen Sturm bereits zum Opfer gefallen.

Hier lebt das Völkchen der EI Molo, das zu einer Touristenattraktion geworden ist und von dem Geld lebt, das der Dorfälteste jedem Besucher abverlangt. Die Frauen der EI Molo, die allesamt eine pechschwarze Hautfarbe haben, unterscheiden sich mit ihren weit ausladenden Perlenbehängen und dem perlenbesetzten Stirnband kaum von den Frauen der Samburu.

Am späten Nachmittag kommen wir erschöpft in dem kleinen Ort Loyangalani an, wo sich eine Polizeistation, eine Mission und bescheidene Krämerläden befinden.

 

Fahrt durch das Große Rift Valley - Loyangalani, South Horr, Loyangalani - Maralal

Wir verlassen Loyangalani und fahren zunächst immer am Ufer des Tarkana-Sees entlang, die glitzernde Sonne über den goldenen Zinnen von South Island auf der rechten Seite. Wenige Kilometer hinter dem Ort beginnt ein riesiges Vulkanfeld, das überwunden werden muss. Die folgende Fahrt durch die Dornbuschsavanne wird wesentlich einfacher. Von hier oben bietet sich ein eindrucksvoller Ausblick auf den zurückbleibenden Turkana-See und die angrenzenden Berge ringsherum. Über das spärliche Grün eines mageren Galeriewaldes macht sich erbarmungslos eine Ziegenherde her.

South Horr liegt eingezwängt zwischen den zerklüfteten Hängen der Ol Doinyo Ngiro Range und der Ol Doinyo Mara Range in einem windreichen, immergrünen Wald und besteht im Wesentlichen aus einer katholischen Missionsstation mit Schule und einem Krankenhaus. Im Westen erhebt sich der 2752 Meter hohe Mowong Sowang. Gleich hinter South Horr liegt Kurungu, ein schattiges Flussörtchen, das zum Übernachten geeignet ist.

Die Piste führt jetzt über fast 2000 Meter abstürzende Felswände hinab in das Suguta Valley des Großen Grabenbruchs und bietet herrliche Ausblicke auf die Ngiro Range und Samburu Hills rechter Hand sowie die Ndoto Mountains linker Hand. Die grobe Schotterpiste führt durch leicht hügeliges Tal, bis auf offener Savanne der Ort Baragoi erreicht wird, eine größere Siedlung mit Polizeiposten, Missionsstation, mehreren Krämerläden sowie einer primitiven Landepiste für Meinflugzeuge. Die Briten begannen an diesem Ort im Jahre 1920 ihren Feldzug zur Unterwerfung der Turkana.

Hinter Baragoi treffen die schwarzen Ndoto Mountains auf die Ebene. Die nächsten 80 Kilometer kommen wir nur langsam voran; die Piste führt nach Süden stetig hinauf zum Lopet Plateau. Auf den 2531 Meter hohen Saanta Hills erstreckt sich ein fast tropisch anmutender Regenwald. Weißbärtige Flechten und viele Silberblattgebüsche können hier wegen des niederschlagsreichen Klimas gedeihen.

Der Berg Poror bietet sich als zauberhafte Kulisse für die Häuser der Ortschaft Maralal mit ihren Blechdächern an. Zedernwälder an den Hangseiten windzerzauster Hügel lassen einen feinen Harzgeruch durch die kühle Luft ziehen, die dieser leicht verlotterten Bergstadt der Samburu einen eigenen Aspekt verleiht. Holzbuden und Krämerläden am lehmigen Straßenrand der baumbestandenen Hauptstraße erinnern ein wenig an den Wilden Westen Nordamerikas. Im Ort gibt es eine nette Lodge mit Kaminfeuer und Panoramafenstern, von denen man die Tiere beobachten kann: Büffel, Zebras, Elenantilopen und mit viel Glück Leoparden kommen hier zum Wasserloch.

 

Durchs Land der Samburu-Hirten

Maralal - Lodongokwe - Wamba - Samburu Nationalpark

In Maralal, wo es eine Tankstelle gibt, lassen wir unseren Wagen durchchecken, der erhebliche Verschleißerscheinungen zeigt, füllen unsere Benzinkanister und Nahrungsreserven auf und bestaunen die sehr malerisch aussehenden Samburu-Krieger. Für einige Kilometer sind wir wieder auf Teerstraße, die allerdings aus zahlreichen Löchern besteht.

An der Siedlung Kisima, wo es neben Wellblechhäusern auch eine katholische Kirche zu sehen gibt, biegen wir ostwärts auf eine Piste ab, die uns über das flache Lerogi-Plateau zu den Samburu und Buffalo Springs Reservaten führen soll. Wir fahren die teilweise schlechte Piste hinauf in die gelblichbraunen Karisia-Berge, von denen man einen herrlichen Blick auf die unterhalb sich weithin erstreckenden Ebenen und die ferneren Bergketten hat. Deutlich kann man erkennen, wo das beweidete Gebiet der Samburu-Hirten aufhört und wo die wilde Vegetation beginnt, die aus Dornbüschen und Akaziensträuchern besteht. Auf dem Höhepunkt der Trockenzeit tragen sie gelblichweiße, runde Blüten mit betörendem Duft.

Die steinige, staubige Piste senkt sich tiefer, dafür steigen die Temperaturen. In der Ferne sind die rotbraunen Reste eines erodierten Felsplateaus zu sehen. Die mittlerweile knallrote Piste führt am Straßendorf Lodongokwe mit einigen bunten Verkaufsbuden vorbei. Unter dem Schatten der Akazien ruhen einige Samburu-Krieger. Die Piste wird sandig und führt in zahlreichen Kurven durch das Flussbett abwärts.

Langsam weicht die Halbwüste und das ausgetrocknete Buschland einigen Hügeln und dann reich bewaldeten Bergen. Wir erreichen eine Straßenkreuzung, von der es nach Wamba, einem lebhaften Handelsort mit dem 2688 Meter hohen Mount Warges im Hintergrund oder weiter nach Isiolo geht. Einsam erhebt sich über den endlosen Ebenen die jäh aufragende Matthews Range, bei den Samburu Ol Doinyo Lengeyo genannt, »Berg des Kindes«. Die Samburu nutzen die Quellen, die Sümpfe und das Grasland des riesigen Tafelberges zum Weiden ihrer Tiere in der Trockenzeit. Der Weg dorthin ist nur mit Geländewagen zu befahren, als lohnendes Ziel lockt der Aufstieg auf den 2400 Meter hohen Mount Matthews Peak.

Unsere Fahrt geht weiter auf der Wellblech-Schotterpiste durch lichten, halbhohen Dornbusch. Die Erdfarbe ist jetzt kalkweiß geworden. Die unvergesslich schöne, wüstenähnliche Landschaft mit roter Erde liegt hinter uns. Wir erreichen die Kreuzung zum »Trans-East-African-Highway«, der uns von unserer Fahrt in den Norden noch in schlimmer Erinnerung geblieben ist, und stellen uns wieder auf Schlaglöcher, Querrillen und übles »Wellblech« ein. Nach ermüdender Fahrt erreichen wir Archer's Post, die Ansammlung windschiefer Hütten und Ausgangspunkt des staubigen Weges, der uns rechts in den Samburu-Park führt. Hier schließt sich der Kreis, unsere Nordkenia-Expedition ist zu Ende.