Jemen

Meine Reisen

 

11. Januar 1985 - 27. Januar 1985

 

Literatur

Bergjemen: Tage unter dem Halbmond, Off Road, Juli 1995

Quelle: Auszug aus der Karte "Jemen" von ReiseKnowHow
Quelle: Auszug aus der Karte "Jemen" von ReiseKnowHow

Reise in den Berg-Jemen

Djanat
Djanat

Reise vor dem Bürgerkrieg

Arabia felix, glückliches Arabien, nannten die Römer das Gebiet des Jemen. Die Legende erzählt von dem unermesslichen Reichtum des Küstenstreifens im Südosten der arabischen Halbinsel. Dessen viele Jahrhunderte währende Abschottung wurde erst allmählich aufgegeben. Es ist - wie viele Länder im Vorderen Orient - aufgrund von Bürgerkriegen für Touristen nicht mehr zugänglich.

Sanaa
Sanaa

Sana'a

Zwei Wörtern wird man im Jemen immer wieder begegnen – »tam’am« und »mafisch«. Während das erste Wort so viel wie o.k. meint, bedeutet das zischend ausgesprochene zweite Wort ein abweisendes nein. Wir werden während unserer Reise immer wieder auf diese Wörter stoßen…

Sana'a hat sich den Charakter einer mittelalterlichen orientalischen Stadt bewahrt. Die Hauptstadt des wiedervereinten Jemen wird umschlossen von einer gewaltigen Lehmziegelmauer und überragt von den Minaretten der Moscheen. Die luftigen, lichtdurchfluteten, bis zu sieben Stockwerke hohen Häuser aus behauenen Steinblöcken sind Meisterwerke jemenitischer Architektur. Ihre reich verzierten Fassaden werden überzogen von sorgfältig ausgeführten Ornamenten aus Stuck. Beispielsweise weisen die kunstvollen Verzierungen der Fassade am Amir al-Dschaidsch-Palast und die feinen, an Scherenschnitte erinnernden Gipsstuckaturen in den Fensterbögen auf den königlichen Erbauer hin. Tatsächlich wohnte in diesem Gebäude der Armeeführer des Imam. In den unteren Stockwerken dieses für die Hauptstadt typischen Gebäudes lagen die Wirtschaftsräume sowie die Aufenthalts- und Schlafgemächer der Frauen. Das oberste Stockwerk hingegen ist ausschließlich den Männern vorbehalten. 

 

Sana'a
Sana'a

Die Altstadt ist ein Labyrinth aus kleinen Gassen mit bunten Läden und winzigen Werkstätten. Martialisch aussehende Männer mit dem traditionellen Krummdolch am Gürtel und verschleierte Frauen vermitteln Impressionen in einer verwirrenden Vielfalt an Farben und Formen.

Einzelne Viertel des Suk, des Marktes, sind bestimmten Berufsständen vorbehalten, so Tischlern und Schmuckhändlern, Schmieden oder Gewürzverkäufern. Eine Vielzahl von Spezereien verströmen alle Wohlgerüche Arabiens. In großen Säcken lagern Muskat und Zimt, Ingwer und Pfeffer. In riesigen Bastkörben türmen sich Erdnüsse, Pistazien und Rosinen. Feilgeboten werden auch anthrazitfarben schimmernde Körner, die von großenBlöcken abgebrochen werden: Weihrauch, dem die antiken Königreiche Südarabiens ihren Reichtum verdankten. Süßigkeiten aus Honig und Mandeln leuchten wie Bernstein in der Sonne. In den dunklen Gewölben der Karawansereien trifft man sich, um glühend heißen und sehr süßen Tee zu trinken, der mit Kardamon, Nelken und Muskat gewürzt wird. Oder man löscht den Durst mit Kescher, einem Getränk, das aus den Schalen der Kaffeebohnen gebrüht wird. Mit einer Prise Pfeffer versehen, ist es in der Mittagshitze recht erfrischend.

Doch dieser Eindruck täuscht. Vor der Stadtmauer, die die Altstadt von Sana'a umschließt, ist die Stadt hektisch und laut wie jede moderne Metropole. Zahlreiche Fahrzeuge stehen hupend im Stau. In den Regalen der Händler stapeln sich billige Importprodukte aus Taiwan und Korea.

Von Sana's nach Shibam und Kaukabam 

Amran
Amran

Amran liegt in einem Hochbecken. Die Landschaft gilt als landschaftlich spektakulär und ist sehr schwer zugänglich. 

Amran
Amran

Die Zwillingsstadt Shibam/Kaukabam liegt entlang der knapp 100 Kilometer langen Strecke von Sanaa über al-Tawila nach al-Mahwit im westlichen Gebirgshang, welcher als die spektakulärste Landschaft des ganzen Lancdes gilt.bekannt durch seine im Stadttor eingemauerten alten hinjarischen Schrifttafeln, gehört zum näheren Umkreis der Hauptstadt. 

Shibam
Shibam

Schibam, bekannt durch seine im Stadttor eingemauerten alten hinjarischen Schrifttafeln, gehört zum näheren Umkreis der Hauptstadt. Der Ort liegt unterhalb eines in die Ebene greifenden Zungenberges, auf dem die Festung Kaukaban thront, die von massiven Mauern umgebene Fluchtburg von Schibam. Vielen Häuser ragen nur noch als gespenstische Ruinen in den Himmel, denn die Stadt wurde als Zufluchtsort von Royalisten im Bürgerkrieg der sechziger Jahre stark zerstört. Von hier oben genießt man einen herrlichen Ausblick auf die tiefer gelegenen Plateaus mit ihren isoliert Liegenden Tafelbergen und Vulkanen. Die Übernachtung in einem Funduk, einer einheimischen Herberge, ist ein Erlebnis. Eine dicke Holztür versperrt den Zugang. In gebückter Haltung muss sich der Besucher durch den niedrigen Eingang zwängen. Dunkelheit und unterschiedlich hoch angelegte Stufen verhindern ein rasches Ersteigen, wodurch ein guter Schutz gegen ein gewaltsames Eindringen gegeben ist. Nur die oberen Stockwerke verfügen über Fenster, die größer sind als die Schießscharten der unteren Etagen. Die Wände sind mit Lehm bestrichen, verputzt, gemeißelt und sparsam mit Wandbehängen geschmückt. Ringsherum reihen sich niedrige Sitzkissen. Die Mitte des Hauptraumes ist mit Teppichen ausgelegt. Die kleineren Räume dienen als Schlafzimmer.

Kaukabam
Kaukabam
Thula
Thula

Das nur zehn Kilometer von Schibam entfernte, am Fuße eines steilen Felsens gelegene Thula ist ein Zeugnis des frühen islamischen Städtebaus. Das Städtchen weist noch ein geschlossenes mittelalterliches Stadtbild auf.  So besitzt es eine intakte steinerne Mauer mit drei gut erhaltenen Stadttoren und weist ein vollständiges Befestigungssystem mit Laufmauern, Türmen, Zisternen und unterirdischen Gängen auf. In den Gassen bieten sich immer neue Fotomotive. Ähnlich wie Schibam mit der Festung Kaukabam besitzt auch Thulla einen Burgberg. Die Stadt wird von einer aus dem 17. Jahrundert stammenden Stadtmauer umschlossen. 

Die Dörfer, die vereinzelt an den Berghängen kleben, bieten einen überwältigenden Anblick. Wie die Burgen des Mittelalters liegen sie am Rande steiler Felshänge als Befestigungsanlagen oft mehrere hundert Meter über tiefen Schluchten. Wohnfestungen gleich, scheinen sie untrennbar mit der Landschaft aus Fels und Sand verwachsen zu sein. Die Mauern der Häuser bestehen aus behauenen Steinquadern, die zumeist ohne Verwendung von Mörtel zusammengefügt sind. Einmal im Jahr müssen die Fassaden mit feuchtem Lehm neu überzogen werden.

Al Tawila
Al Tawila

Die Stadt  Al Tawila befindet sich inmitten von Terrassenlandschaften und ist nahezu vollständig aus Naturstein erbaut. Das Umland gehört zu den spektakulären Landschaften des Jemen mit tief eingeschnittenen Tälern.

Al Mahwit
Al Mahwit

 

Die Altstadt von al-Mahwit liegt auf einem schroffen Felsvorsprung. Die Bebauung ist geprägt von hellem Naturstein. Die alten Häuser sind aus Steinquadern aufgeschichtet. Auffällig sind hellblau gestrichene Holztüren mit traditionell großen Holzschlössern.

Berg-Jemen
Berg-Jemen

Die Dörfer, die vereinzelt an den Berghängen kleben, bieten einen überwältigenden Anblick. Wie die Burgen des Mittelalters liegen sie am Rande steiler Felshänge als Befestigungsanlagen oft mehrere hundert Meter über tiefen Schluchten. Wohnfestungen gleich, scheinen sie untrennbar mit der Landschaft aus Fels und Sand verwachsen zu sein. Die Mauern der Häuser bestehen aus behauenen Steinquadern, die zumeist ohne Verwendung von Mörtel zusammengefügt sind. Einmal im Jahr müssen die Fassaden mit feuchtem Lehm neu überzogen werden.

Die Bergketten, die oftmals in Nebel gehüllt sind, erstrecken sich ins Endlose. Herden schwarzer Ziegen ziehen inmitten einer Wolke aus Dunst und Staub dahin. Dicht am Abgrund pflügen Bauern mit ihrem Kamel, ihrem Esel oder dem Höcker-Rind den schmalen Streifen Ackerboden, der ihnen zur Verfügung steht. Die Siedlungen um die Burgen sind so steinfarben wie die Berge. Trockenmauern halten die aufeinandergereihten Terrassen, auf denen spärliches Grün zu erkennen ist. Frauen in wallenden schwarzen Gewändern schöpfen Wasser aus den Zisternen.

 

Von Sana'a nach Wadi Dahr 

Wadi Dahr
Wadi Dahr

Unser erstes Ziel liegt nur einige Kilometer außerhalb von Sana'a. In den engen, von Lehmhäusern umstandenen Gassen von Amran, nördlich von Sana’a, herrscht reges Treiben.


Das grüne Wadi Dahr ist ein beliebtes Ausflugsziel für jemenitische Familien. Inmitten dieser Flussoase mit tropisch anmutender Vegetation, die von steilen Felsbrüchen begrenzt wird, finden sich an einem Felsblock aus hellem Gestein prähistorische Felszeichnungen. Diese belegen, dass das jemenitische Hochland schon lange vor der Entstehung antiker Hochkulturen eine menschliche Wohnstätte war. In den fruchtbaren Gärten wachsen Weinbeeren und Mandelbäume, Feigenbäume und Granatäpfel, Aprikosen und Kat-Sträucher. Die grüne Oase wird umrahmt von roten Felsen, in denen bizarr anmutende Kakteen wuchern. Am oberen Ende des Wadis liegt, auf einem isolierten Sandsteinfelsen thronend, die ehemalige Sommerresidenz des Imam Yachyas, ehemals Sommerresidenz des Imam Yachyasr.

Von Sana’a nach Marib

Marib, Tempel Il Muqah
Marib, Tempel Il Muqah

Nach Nord-Jemen führt von Sana’a aus eine 135 Kilometer lange, gut ausgebaute Asphaltstraße nach Marib, zur Kernoase des Sabäischen Reiches. Zunächst geht es nach Rauda, einem Vorort von Sana’a, der eine sehenswerte Moschee und eine türkische Sauna besitzt.

Das Kernland der legendären Königin von Saba, die Region Marib, liegt im Grenzgebiet zwischen Bergland und Wüste. Orangerot und gespenstisch stehen, von den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne umkränzt, auf einem Hügel die Ruinen von Marib. Während des Bürgerkriegs wurde der Ort mehrmals bombardiert, so dass nur einige Häuser unbeschädigt blieben. Hier sind aber noch die Reste des dem Mondgottes Almaqah geweihten Tempels und das Awwam-Heiligtum zu besichtigen. Auch der Staudamm von Marib war im Altertum weithin gerühmt. Er wurde aus Steinquadern errichtet, die fugenlos bearbeitet sind. Marib ist die letzte Bastion der Truppen von Präsident Abedrabbu Mansur Hadi im Norden und hat sich vom Zufluchtsort zum Brennpunkt des Konflikts im Jemen entwickwlckelt. Würde die Oasenstadt an die Huthi-Rebellen fallen, würde die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung ihre vletzte Bastion im Norden verlieren.

Von Sana’a nach Menacha

Je weiter wir in die nördlichen Gebiete vordringen, desto seltener treffen wir auf Ansiedlungen. Mehr und mehr weicht die Steinbauweise Mauern aus Lehmziegeln. In dem wenig reizvollen Lavagebiet mit seinen Geröllebenen wird Kat angebaut. Die Märkte in den wenigen Ortschaften sind voll von diesen bitter schmeckenden Blättern, die wie leichte Gerbsäure auf die Magenschleimhaut einwirken und eine rauschartige Wirkung auslösen. Nahezu jeder erwachsene Einwohner hier gibt sich dem berauschenden Genuss hin. Die taufrischen, feinen Blätter werden im Laufe des Tages im Mund vornehmlich in der rechten Backe zu einem großen Klumpen geformt. Wenn dann die Wirkung am Nachmittag allgemein einsetzt, steht das Leben still.  

 

Die Strecke hinauf nach Menacha (Manakha) gehört zu den landschaftlich schönsten im nördlichen Jemen. Die auf den Stadtfelsen von al-Machwit gebauten Häuser erscheinen wie Türme, Zinnen und Bastionen einer mächtigen Burg. Wir fahren mit unserem Geländewagen eine Zeit lang im Flussbett, dessen Vegetation (Flaschenbäume) beeindruckend ist. 

Nachdem wir Khamis Bani Sad erreicht haben, geht es hinauf ins Hochland nach Menacha (Manakha). Im Hintergrund erhebt sich imposant der die Landschaft beherrschende Dschabal Bani a-Auf. 

Menacha und Berg Kahel

Menacha
Menacha

Menacha, das urbane Zentrum inmitten fruchtbarer Berghänge, ist eine der höchstgelegenen Städte des Landes (2250 Meter ü. M.) und Ausgangspunkt für eine Wanderung auf den Berg Kahel ist. Zwischen dem Weiler al-Qarya, einem Dorfteil von Menacha, und dem Zentrum von Menacha, wachsen auf Terrassen Mais- und Luzerne-Kulturen. Damit kein wertvolles fruchtbares Ackerland für den Häuserbau verloren geht, sind die Behausungen meist auf Felsrippen gebaut worden. Die Häuser sind so dicht aneinander gebaut, dass die Außenfassaden gleichsam eine Wehrmauer bilden. Ein Steinplattenweg führt durch das befestigte Tor ins Innere der Stadt. Auf dem Weg liegt auch die Besichtigung des Pilgerorts al-Hoteib, ein religiöses Zentrum der Ismaeliten. 

Al Hadjara
Al Hadjara

Hoch über Menacha thront das Steindorf Hajjara (Hadschra) im Dschabal Haraz wie eine trutzige Burg auf einem Felssporn. Die Einsamkeit dieses Landstreifens wird durch die tief hängenden Wolken noch unterstrichen. Sie geben nur vereinzelt Durchblicke auf kleine Terrassen und Felsvorsprünge frei, auf denen einzelne Gehöfte stehen. Nach einem kurzen Augenblick schon werden sie wieder von einem dünnen Schleier überdeckt. Dafür öffnet sich das Wolkenmeer an einer anderen Stelle.

Nördlich von Menacha schlüpft die Straße nach einer weiten, tiefen Senke über einen Sattel. In den schroffen Bergen des Nordens zeigt sich eine archaische Landschaft. Hier befinden sich die Bastionen des Widerstandes gegen die zentrale Gewalt. Festungen, die nur auf beschwerlichen Wegen erreichbar sind, sind Zeichen dieser Macht und dienen zugleich als Zufluchtsorte.

Je weiter wir in die nördlichen Gebiete vordringen, desto seltener treffen wir auf Ansiedlungen. Mehr und mehr weicht die Steinbauweise Mauern aus Lehmziegeln. In dem wenig reizvollen Lavagebiet mit seinen Geröllebenen wird Kat angebaut. Die Märkte in den wenigen Ortschaften sind voll von diesen bitter schmeckenden Blättern, die wie leichte Gerbsäure auf die Magenschleimhaut einwirken und eine rauschartige Wirkung auslösen. Nahezu jeder erwachsene Einwohner hier gibt sich dem berauschenden Genuss hin. Die taufrischen, feinen Blätter werden im Laufe des Tages im Mund vornehmlich in der rechten Backe zu einem großen Klumpen geformt. Wenn dann die Wirkung am Nachmittag allgemein einsetzt, steht das Leben still.

 

Die Bergketten, die oftmals in Nebel gehüllt sind, erstrecken sich ins Endlose. Herden schwarzer Ziegen ziehen inmitten einer Wolke aus Dunst und Staub dahin. Dicht am Abgrund pflügen Bauern mit ihrem Kamel, ihrem Esel oder dem Höcker-Rind den schmalen Streifen Ackerboden, der ihnen zur Verfügung steht. Die Siedlungen um die Burgen sind so steinfarben wie die Berge. Trockenmauern halten die aufeinandergereihten Terrassen, auf denen spärliches Grün zu erkennen ist. Frauen in wallenden schwarzen Gewändern schöpfen Wasser aus den Zisternen.

Von Sana’a über den Sumarah-Pass, Ibb und Jiblah nach Ta’izz und Moccha

Sumarah-Pass
Sumarah-Pass

Besonders auf der Südroute zur Küste kann man das ursprüngliche Leben in der jeminitischen Provinz kennenlernen. Zunächst geht es auf den 2600 Meter hohen Yislah-Pass; danach wird das Land karg. Mit Dhamar und Yarim passiert man zwei Städte mittlerer Größe. Am 2700 Meter hohen Sumarah-Pass erstrecken sich ausgedehnte kultivierte Terrassen. Ohne diese würde die dünne Humusschicht an den zum Teil recht steilen Hängen vom Regenwasser ins Tal hinunter gespült werden – damit wäre der wertvolle Boden für den Ackerbau verloren. Mit dem Bau von Terrassen kann dieser Erosionsprozess weitgehend verhindert werden.

Dschiblah
Dschiblah

In Ibb gibt es zahlreiche Moscheen, Reste einer über zehn Meter hohen Mauer und enge Gassen mit schönen Bürgerhäusern sowie alten Toren und Türen zu sehen. Und in Dschibla (Jiblah), das auf einem Basaltkegel liegt und von zwei Wasserläufen umgeben ist, findet sich die Große Moschee  aus dem 11. Jahrhundert, die von zwei Minaretten überragt wird.

Die Handelmetropole Ta’ìzz wird überragt von den beiden Minaretten der Achrafiya-Moschee am Fuße des etwa 3000 Meter hohen Dschabel Saber. Hier schlendern tief verschleierte, schwarz gekleidete Frauen durch die Gassen, während auf den Märkten am Hoden hockende, in farbenprächtige Tücher gehüllte unverschleierte Frauen aus den umliegenden Dörfern ihre landwirtschaftlichen Produkte anbieten. Sie unterwerfen sich nicht, wie ihre Geschlechtsgenossinnen aus der Stadt, den strengen Geboten des Islam. Die alte Zitadelle und der Gouveneursrpalast befinden sich 450 Meter über der Stadt auf einer Bergspitze. Im Juni 2015 wurde die Festung Al-Qahera (Kairo) von den Saudis zerstört. Angeblich wurde sie zuvior von den Huthi und den Streitkräften des vertriebenen Präsidenten Al Abdulla Saleh als militärischer Posten zum Beschuss der Gegener unten in der Stadt genutzt.

Taíz
Taíz

Die Moscheen von Taíz sind zumeist in weißer Farbe  gehalten, insbesondere die Aschrafiyya, sowie die Muctabiya und Mudhaffar, ebenso die alte Zitadelle und der Gouverneutspalast, der 450 Meter über der Stadt auf einer Bergspitze liegt. Im Juni 2015 wurde die Festung Al-Qahera (Kairo) von den Saudis zerstört. Angeblich wurde sie zuvior von den Huthi und den Streitkräften des vertriebenen Präsidenten Al Abdulla Saleh als militärischer Posten zum Beschuss der Gegener unten in der Stadt genutzt. 

Al Mukha (Mocha), Große Moschee
Al Mukha (Mocha), Große Moschee

Danach führt die Fahrt hinunter in die feucht-warme Tihama. Die Hochgebirgsvegetation, die wir allmählich verlassen, wechselt in die subtropische Flora mit Bananen- und Papayakulturen der Tihama. Die Straße hinunter nach Al-Mukha (Mochha) an das Rote Meer ist gut ausgebaut. Vom Namen der Ortschaft leitet sich der Name »Mokka« ab, denn hier war einst der Hauptumschlagplatz für Kaffee. Das Stadtbild von Mocha (Mokka) war geprägt durch mehrstöckige, weiß verputzte Häuser wohlhabender arabischer Händler und ähnete anderen Handelshäusern am Roten Meer, mit denen Mokka Waren austauscht. Die großen Wohn- und Handelshäuser aus besseren Zeiten werden allmählich von Sanddünen der Wüste eingeebnet und sind praktisch nicht mehr bewohnt. Heute ist Mocha eine verfallene Stadt, wo nur die große Moschee und Ruinen der alten Handelshäuser von der früheren Blüte zeugen. 

Fischer vor der Küste
Fischer vor der Küste

Von Sanaa nach Sarah (Sade) 

Sadah (Sadaa)
Sadah (Sadaa)

Das Jemen-Bild bliebe unvollständig ohne einen Besuch der historischen Stadt Sadah hoch im Norden, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Zartrosa leuchten die Kuppeln der großen Moschee und das schlanke Minarett im letzten Abendlicht. Vor dem Südtor hat sich eine ganze Trabantenstadt mit Garagen, Werkstätten, Hotels und Restaurants angesiedelt. Die Stadtmauer bietet einen Blick über die Stadt mit den beiden Hauptmoscheen und der Festung im Stadtzentrum. Wenn am Nachmittag die lähmende Hitze des Tages aus den Gassen weht, dringt aus den Innenhöfen der massiven, weißen Steinhäuser orientalische Musik. Das verwirrende Geräusch ratternder Nähmaschinen in engen Gassen mischt sich mit dem Meißeln der ornamentverzierten Fenster und wächst zu einem geschäftigen Lärm, in dem das rhythmische Sägen und Schmirgeln der Schnitzer und Schreiner ihren Teil beitragen. 

Etwa auf halber Strecke biegt bei Huth die Straße in Richtung Westen nach Schahara ab. Zuerst führt sie durch sanft gewelltes Gebiet mit weiten Hängen, die durch tiefe Canyons getrennt sind. Von dem 1900 Meter hoch gelegenen Huth geht es noch auf etwa 200 Meter höher, dann aber fällt die Piste in zahlreichen Serpentinen über Geröllhalden, von kantigen Basaltklötzen besetzte Hänge und mit gewaltigen Blöcken bewehrte Schluchten hinunter in das grüne Tal bei al-Qaflah, dessen Kesselboden nur noch auf rund 1000 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Dann erblickt man, fast 1500 Meter fast senkrecht über dem Tal, den Berg, auf dem Schahara thront. Kühn ragt das Felsendorf über al-Gabei auf – eine Fluchtburg der Imame, die allerdings während des Bürgerkrieges (1962-69) von ägyptischen Flugzeugen bombardiert wurde. Es zählt zu den Höhepunkten einer Jemen-Reise.

Man erreicht den Ort nur auf einer steilen und steinigen Piste, die eine Höhendifferenz von eineinhalbtausend Meter überwindet. Die Steigung des Weges ist der Kletterfähigkeit von Eseln angepasst. Und so humpelt unser Geländewagen über unwegsame Steinhaufen dicht an tiefen Abgründen vorbei. Für die letzten Kilometer zur Stadt wird dann jeder Reisende auf grüne Toyota-Pickups verfrachtet, die von lokalen Fahrern gesteuert werden. Entlang der Piste verläuft eine Wasserleitung. Ein Geschenk des japanischen Autoherstellers, der hier einen Werbefilm für seine Autos gedreht hat. Etwa 150 Meter unterhalb der Stadt muss man das Tor passieren, das noch jede Nacht geschlossen wird.

Von dem 2450 Meter hoch gelegenen Felsennest mit seinen eindrucksvollen Steinhäusern bietet sich ein schöner Blick auf die weit unten liegenden Talebenen und die zahlreichen Terrassenfelder, die sich an die steilen Berghänge schmiegen. Sorgfältig in Feldsteinen aufgeschichtete Mauern verlieren sich auf himmelstürmenden Bergspitzen. Am Morgen, wenn tief im Tal die Nebelschwaden dahin ziehen, werden die weiße Moschee und die Steinhochhäuser von den ersten wärmenden Sonnenstrahlen ertastet.

Für größere Siedlungen ist die Region nicht geeignet, zumal auch die zur Verfügung stehenden lokalen Wasservorräte begrenzt sind. In Schahara wird in der Regenzeit jeder Tropfen in Zisternen gesammelt, wo sich im stehenden Wasser ein leuchtend grünes Blättermeer aus Algen und Pflanzen bildet. Die Frauen schöpfen das Wasser zwischen den Pflanzen und filtern es in Kanister, die dann zu den einzelnen Häusern geschleppt werden müssen. 

Schahara, Brücke al-Aud
Schahara, Brücke al-Aud

Eine schmale, zwölf Meter lange Steinbrücke (al-Aud) überspannt in einem kühnen Bogen eine mehrere hundert Meter tiefe Schlucht. Sie stammt noch aus der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts und bot einen wirksamen Schutz für den Zugang zur Stadt. Sie stellt die einzige Verbindung zum Nachbardorf her.

© Rainer Waterkamp

Wadi Ana
Wadi Ana