Wenig bekannte Stadt-Paläste

Fort Lohagarh

Karauli, City Palace

Kota, City Palace

Bundi, Garh Palace

© Rainer Waterkamp

Fort Lohagarh

Das Fort mit seinem doppelten Ring aus hohen Lehmmauern und dem tiefen Wassergraben trug seinen Namen Lohagarh (Eisenfestung) zu Recht, galt es doch als uneinnehmbar. Erbaut wurde die Zitadelle am nordwestlichen Ende der Stadt vom Jat-König Maharaja Suraj Mal (geboren 1707, regierte 1756-1763), die Planung der Verteidigungsanlagen soll auf einer Beschreibung im Epos Ramayana basieren.  

Die Festung entsprach dem Typ eines Lehmforts und war von zwei Wällen umgeben, die ihrerseits jeweils durch einen etwa 45 Meter breiten und 20 Meter tiefen Graben geschützt wurden. Der äußere Wall, an dem acht Jahre gearbeitet wurde, hatte eine Länge von elf Kilometern und konnte jedem Artilleriebeschuss standhalten. Das erfuhren auch die Briten, die die Festung schon 1805 mehrere Monate lang erfolglos belagert hatten, sie aber 1826 schließlich doch erobern konnten. Zwar wurde der äußere Wall zerstört, doch wenigstens zwei massive Türme blieben erhalten. Der erste Turm, Fateh Burj, erinnert an die vernichtende Niederlage, die die britischen Streitkräfte unter Lord Lake 1805 im Kampf mit der Bharatpur-Armee hinnehmen mussten, der folgende Turm, Jawahar Burj, den man über eine Rampe erreicht, wurde zur Erinnerung an die Eroberung Delhis 1764 durch Maharaja Sawai Jawahar Singh (regierte 1763-1768) errichtet. Er ist der höchste Turm der Anlage und enthält sechs Pavillons. Der eiserne Vijay Stambha (Siegessäule) am Jawahar Burj dokumentiert den Versuch der Herren von Bharatpur, ihre Herkunft von Gott Vishnu abzuleiten und damit den schlechten Ruf der Jat -  sie galten als Nachfolger gewalttätiger und kulturloser Emporkömmlinge aus den unteren Bevölkerungsschichten - zu korrigieren. Der Wassergraben und der innere Mauerring mit zwei Stadttoren sind im Gegensatz zum äußern Ring noch erhalten. 

 

Das nördliche Ashtdhatu-Tor mit seinen riesigen runden Bastionen soll eine Kriegsbeute aus Delhi sein, das die Jats erobert hatten. Der Name (Tor der acht Metalle) kommt daher, dass das Tor mit Spitzen bewehrt ist, die aus acht Metallen gefertigt wurden (ashta=acht, dhatu=Metal). Die runden Bastionen sind beidseitig mit Kriegselefanten bemalt. Im Süden befindet sich das Lohiya-Tor (auch Chowburja Gate =Vier-Säulen-Tor). Beide Tore waren nach der Eroberung von Delhi aus der dortigen Stadtmauer entfernt und im Triumph nach Bharatpur gebracht worden. 

 

Die interessantesten Gebäude im Fort, die zwischen 1730 und 1850 erbaut wurden, sind Kishori Mahal, das stark heruntergekommen war und zur Zeit restauriert wird, und das Mahal Khas, erbaut 1826 von Balwant Singh, Raja von Bharatpur (1820-1853, regierte 1825-1853), heute ein stilvolles Heritage-Hotel.

 

Das Government Museum in der Mitte des Forts zeigt eine archäologische Sammlung von Funden des alten Bharatpur Staates, darunter 581 Steinskulpturen, 10 Schriften, 120 Terracottas, 670 Münzen, 1966 Waffen und 196 Miniaturgemälde. Das früher als Kachahari Kalan (auch Kachhari oder Kachahri-Khas) bekannte Palastgebäude, einst der Verwaltungstrakt der Herrscher von Bharatpur, war bereits 1944 in das State Archaeological Museum umgewandelt worden. Das Zugangstor besitzt große Elefanten-Gemälde.

 

Der an der Westseite des Forts stehende orangefarbene Kamra Palace (früher als Personal Chamber bekannt) ist heute ebenfalls ein bedeutender Teil des Government Museum und besitzt Jain-Skulpturen, eine Waffensammlung und Manuskripte in arabischer Schrift und in Sanskrit. Ausgestellt werden beispielsweise Schnitzereien aus dem 2. Jahrhundert sowie Darstellungen Shivas als Nataraja (der kosmische Tänzer) und Parvatis aus dem 7. Jahrhundert, des Jain-Heiligen Parshva aus dem 11. Jahrhundert und eines Ganesha aus dem 10. Jahrhundert. Das Prunkstück der Sammlung aber ist der aus dem 2. Jahrhundert stammende Shivalingam aus rotem Sandstein. 

 

 

Auf dem höchsten Punkt des Forts befindet sich der Badan-Singh-Palast (auch als Old Palace oder Purana Mahal bekannt), um 1733 vom Vater von Suraj Mal erbaut. Ein steiler Weg mit Pflastersteinen führt hinauf und sollte den Pferden mit ihren Hufen den notwendigen Halt geben. 

 

Die eindrucksvolle Durbar-Halle des Palastes, deren Wände, Pfeiler und Bögen mit feinen Steinmetzarbeiten versehen sind, hieß früher Maharaja Meeting Hall und wurde für private und öffentliche Audienzen genutzt. Von einem in die Wand eingelassenen Alkoven aus hielt der Raja seine Hofaudienzen ab.

 

 

 

 

 Mahal Khas. Der 300 Jahre alte Palast an der Ostseite des Forts mit wunderschönen Wandmalereien ist seit 2015 ein Heritage-Hotel. Die großen Zimmer mit schweren Holztüren sind mit Kettenschlössern gesichert. Mit Balkon und Wäscheservice, Multicuisine-Restaurant und Bar. Im schönen Hof wird das Essen serviert. Hervorragender Servive.

 

Karauli City Palace

Von Bharatpur nach Süden gibt es eine Verbindung nach Karauli, einer alten Festungsstadt, die 1348 unter dem Namen der lokalen Gottheit »Kalyanpuri« von Raja Arjun Pal (auch Arjun Deo) gegründet wurde. Der Legende nach stammt die Herrscherfamilie von Krishna ab, weshalb sie unter den Yaduvanshi-Rajputen den obersten Rang einnahm. 

Ein selten besuchtes Juwel ist der City Palace aus dem Jahre 1635; der gegenwärtige Bau stammt allerdings aus dem 18. Jahrhundert. Er wurde aus rötlichem Sandstein erbaut, die Verwendung weißer Steine verleiht ihm einen besonderen Akzent. 

 

Zunächst kommt man durch das schöne Ganesh-Tor zum Palasthof mit Springbrunnen. Es folgt der Gopal Mandir (Diwan), eine große Halle mit riesigen Säulen, deren Decken mit Spiegeln versehen sind. Die Halle erinnert an entsprechende Diwan-i-Am-Hallen der Forts in Agra und Delhi. An den Wänden findet sich ein herrliches buntes Blumendekor. 

 

 

 

 

Im oberen Stockwerk erblickt man vor den Fenstern der Frauengemächer die steingeschnitzten Jalis. Hier beeindruckt der Rang Mahal (auch Sheesh Mahal genannt) mit großen runden Spiegeln, während die »Tanzhalle« der Damen die Porträts der Könige zeigt. Es gibt auch eine Halle für Ringkämpfe (Akhada oder Akhara) und eine Art Fitnessraum für den Maharaja. An den Seitenwänden befinden sich Gemälde mit Jagdszenen. Weitere Räume sind mit farbenfrohen Wandbildern geschmückt, die beispielsweise die Götter Vishnu, Krishna, Ganesha und Hanuman zeigen. Auch Motive aus dem Leben der Maharajas und Kampfszenen sind zu sehen. Auf der Dachterrasse befindet sich ein Pavillon mit schönen Gemälden. Nicht versäumen sollte man den Blick von der Dachterrasse auf die Stadt und den River Bhadrawati. In den obersten Räumen folgen weitere Räume sowie ein länglicher Empfangssaal.

 

 

Bhanwar Vilas Palace

 

Ehemaliger Fürstensitz außerhalb des Ortes am Highway nach Agra/Jaipur, errichtet 1938 als Residenz des Maharajas. Eine Unterkunft mit 35 unterschiedlich möblierten Zimmern und 8 Suiten. Mit Bar, Konferenzhalle, Swimmingpool, Multicuisine-Küche.

 

Kota - Stadtpalast

 

Zwischen den Festungsmauern und dem Chambal-Fluss baute sich die neue Dynastie 1625 ihren Stadtpalast, der sich über die Dächer der Innenstadt erhebt. Unter dem Protektorat der Moguln konnte man auf eine starke Befestigung verzichten, doch ist die Stadt mit einer Mauer umgeben, die teilweise noch erhalten ist. 

Der City Place (Stadtpalast) erstreckt sich am Jaleb Chowk, früher ein Platz für Militärparaden und Elefantenkämpfe. An der linken Seite des Platzes erhebt sich sich der alte Frauenpalast (Zenana), ein klassischer Rajputenbau mit braunen rechteckigen Balkonen und den für die Frauengemächer typischen Fenstern, durch die man schauen konnte, ohne selbst gesehen zu werden.

An der rechten Seite des Platzes befindet sich der in weißen und lachsfarbenen Farben gehaltene Mardana mit mehreren öffentlichen Audienzhallen und privaten Gemächern der Raos und Maharaos von Kota. Man betritt ihn durch das Hathi Pol (Elefantentor), dessen Torbogen von den Rüsseln zweier Elefanten flankiert werden, welche Maharao Bhim Singh I. (regierte 1707-1720) im Jahr 1720 von Bundi nach Kota brachte.   

 

 

 

Am Hofplatz Raj Mahal Chowk kommt man zunächst zum sehenswerten Maharao Madho Singh Museum, schräg gegenüber befindet sich der Raj Mahal, erbaut von Madho Singh (1599-1648, regierte 1631-1648), der zum ältesten Teil der Anlage gehört. Von hier führt ein Korridor zum Shila Khana, wo ein Waffenmuseum, untergebracht ist, sowie zu einem Raum, der mit zahlreichen Fotos der Herrscher von Kota aufwartet. Im darunter liegenden Tiefgeschoss sind die Jagdtrophäen des Maharajas zu sehen. Die öffentliche Empfangshalle (Durbar-Halle) enthält einen silberfarbenen Thron (Raj Gaddi) und großen Elefanten, die aus Holz geschnitzt sind. Ausgestellt sind nicht nur silberne Elefantensitze und Sänften sondern auch Manuskripte und ein Pachisi-Spiel (eine Form des Mensch-ärgere-dich nicht).

 

Der City Place (Stadtpalast), in dem sich das sehenswerte Maharao Madho Singh Museum befindet, erstreckt sich am Jaleb Chowk, früher ein Platz für Militärparaden und Elefantenkämpfe. 

An der linken Seite des Platzes erhebt sich sich der alte Frauenpalast (Zenana), ein klassischer Rajputenbau mit braunen rechteckigen Balkonen und den für die Frauengemächer typischen Fenstern, durch die man schauen konnte, ohne selbst gesehen zu werden.

 

An der rechten Seite des Platzes befindet sich der in weißen und lachsfarbenen Farben gehaltene Mardana mit mehreren öffentlichen Audienzhallen und privaten Gemächern der Raos und Maharaos von Kota. Man betritt ihn durch das Hathi Pol (Elefantentor), dessen Torbogen von den Rüsseln zweier Elefanten flankiert werden, welche Maharao Bhim Singh I. 1720 von Bundi nach Kota brachte. 

Von den Nachfolgern von Madho Singh wurden zahlreiche Umbauten und Erweiterungen vorgenommen. Wenn man am Raj Mahal vorbei eine Treppe hinauf steigt, gelangt man zu mehreren Palasträumen. In der Bara Dari, einem marmornen Pavillon, veranstaltete der Herrscher seine privaten Parties. Von der Bhim Mahal, einer imposanten tiefroten Säulenhalle, hat man einen schönen Blick auf Stadt und Fluss. Von hier gelangt man in zwei Räume mit zahlreichen Miniaturmalereien.

 

 

 

 

In den oberen Stockwerken befindet sich auch der Bada Mahal (Barah Dari), ein Raum mit quadratischen Miniaturen, die an den Wänden befestigt wurden. Hier sind zahlreiche Gemälde und Fresken erhalten geblieben, beispielsweise von Krishna und von europäischen Herren in Tropenhelmen. Miniatur-Malereien zeigen die Maharajas auf dem Rücken ihrer Pferde und eine indische Dame beim Baden. Exklusive Innenarchitektur des 18. Jahrhunderts bietet das achteckige Schlafzimmer mit farbig eingelegtem Glas an den Wänden.

 

 

Bundi, Garh Palace

Bundi liegt malerisch eingebettet in einem Tal der Vindhya-Hügelkette, nordöstlich von Bijolia (52 km, RJSH29). Über der Stadt mit seinen bunten Häusern thront auf einem Felsen der große Palast des ehemaligen rajputischen Fürsten Ratan Singh (regierte 1607-1631), Rao von Bundi. Wie die meisten Rajputenstädte entstand auch Bundi am Fuße eines Felsens, auf den die Herrscher die Festung Taragarh bauen konnten. In ihr befinden sich jetzt ein großes Wasserreservoir und eine Funkstation. Der Palast hingegen klebt unterhalb der Festung an einem Hang.  

Räuberische Clans überrannten die Bhils und Mina im Tal des Chambal und errichteten ihr Königreich der Hadavati (auch Hadoti) im Dreieck Kota, Bundi und Jhalawar. Durch eine kluge Politik gewann Rao Surjan II. (regierte 1544-1585), der Herrscher von Bundi, das Vertrauen des Mogulherrschers Akbar, der ihm Religionsfreiheit und Privilegien gewährte. Seitdem gehörten die Herrscher von Bundi zu den engsten Verbündeten der Mogulen. Dies war insofern wichtig, als Bundis Herrscher ständig in Konflikte mit den mächtigen rajputischen Nachbarn, den Maharanas von Mewar, verwickelt waren, aus deren Herrschaftsbereich sie ja herausgelöst wurden. Allerdings musste er 1569 die als nahezu unbezwingbar geltende Festung Ranthambhore an den Mogulherrscher abtreten. Zudem verlor das Fürstentum 1631 auch noch einen Teil seines Territoriums, weil der Mogulherrscher Jahangir (1569-1627, regierte 1605-1627) das bereits seit 1624 teilweise unabhängig regierte Kota endgültig abtrennte und einen neuen Rajputen-Staat gleichen Namens gründete.

Interessant ist, dass sich in den Rajputen-Residenzen ab dem 16. Jahrhundert verschiedene Zentren für Wand- und Miniaturmalereien entwickelten. Die älteste Schule von Mewar orientierte sich ursprünglich am Vorbild mittelalterlicher Palmblattmalereien jainistischer Klöster Gujarats. Nach 1600 wurden Wand- und Buchmalerei der Schulen von Jaipur, Alwar, Kishangarh, Jodhpur und Bikaner von persischen Ateliers an Mogulhöfen inspiriert. Doch besonders berühmt wurden die vorzüglichen Miniaturen aus Bundi, die unter Rao Bhao Singh (regierte 1658-1682) ihren ersten Höhepunkt erlebte. Sie sind einige der wenigen, die vom Mogul-Stil nahezu unbeeinflusst blieben und reichlich Szenen aus den Krishna-Mythen sowie Elefantenkämpfe auf zart türkisfarbenem Hintergrund zeigen.

 

Der Bundi-Palast (Garh Palace) zieht sich einen Hang hinauf und präsentiert sich dem Betrachter als trutzige Festung. Die Räume scheinen eher übereinander als nebeneinander zu liegen. Rudyard Kipling (1865-1936), der Ende des 19. Jahrhunderts hier eine Zeitlang lebte, beschrieb den Bau als »eine Lawine von Mauerwerk, jederzeit bereit herabzustürzen«. Erst um 2005/2006 wurden die älteren Paläste Badal Mahal (1607) und Phool Mahal (ebenfalls 1607) sowie Chhatra Mahal (1644) den Touristen zugänglich gemacht. Leider befindet sich die Festung, die nur teilweise zugänglich ist, wegen langdauernder Erbstreitigkeiten in einem bedauernswerten Zustand und zerfällt immer mehr.

Eine steil ansteigende, gepflasterte Rampe führt hinauf zu zwei Toren, dem Hazari Pol (Tor der Eintausend) und dem Eingangstor Hathi Pol (Elefantentor) von 1620, das von den Skulpturen zweier steinerner Elefanten mit erhobenen Rüsseln bewacht wird. Über Treppen gelangt man in den kleinen Hof des Palastes, an dessen gegenüberliegender Seite die Stallungen lagen und über den sich heute der Ratan Mahal (Edelsteinpalast) erhebt, auch Halle der öffentlichen Audienzen (Diwan-i-Am) genannt, den Rao Ratan Singh (regierte 1607–1631) errichten ließ und die man über eine breite Treppe erreicht. Die Halle besitzt einen überdachten Marmorbalkon; auf dem konnte sich der Herrscher von einem recht einfachen Marmorsitz aus an die in der Säulenhalle versammelten Gäste und an die weniger privilegierten Besucher im Hof wenden.

 

Am äußersten Ende des Ratan Daulat führt ein ein Weg zum Chhatra Mahal (auch Chattar Mahal), erbaut von Rao Chattarsal (regierte 1631-1658) oberhalb des Hauptpalastes. Hier befanden sich die privaten Gemächer mit fein gearbeitete Wandmalereien und die private Audienzhalle (Diwan-i-Am) mit Balkon. Dargestellt sind Diener und Musikanten sowie Maharao Bishen Singh (regierte 1773-1821). Natürlich darf Krishna nicht fehlen, der mit Kuhherden und seinen Gespielinnen gezeigt wird. Auch Shiva und Vishnu sind zu sehen.

 

Vom Hof des Chhatra Mahal führen kleine Stufen hinauf zum Phool Mahal (Blumenpalast) von Rao Bhoj Singh (regierte1585-1607) mit einer Elfenbeintür und einem noch kleineren Hof, an den sich ein herrlich ausgeschmückter Pavillon anschließt. Der Palast ist stark vom Malstil aus Kota beeinflusst, das nicht allzu weit von Bundi entfernt liegt. Zu sehen sind Darstellungen des Holi-Festes mit Musikanten und Tänzerinnen, badende Menschen, Frauen beim Teej-Festival sowie europäisch gekleidete Soldaten. 

Über einige weitere Treppenstufen geht man hinauf zum Badal Mahal (Wolkenpalast) mit einem schmalen Eingang an der Südseite sowie Fenstern an der Ost- und Westseite. Er enthält noch gut erhaltene Gemälde, die alle noch aus den Jahren 1600 bis 1640 stammen sollen. Sie zeigen  Krishna, die Gottheiten Shiva und Parvati, den vierköpfigen Brahma, Durga (die Frau von Shiva, die auf einem Löwen reitet), von Sarawati mit einer Vina (Veena), von Rama mit seiner Frau Sita sowie vom Affenkönig Sugriva (aus dem Epos ›Ramayana) und von einer Löwenjagd. An der Westwand sieht man Jäger bei der Tigerjagd, an der Südwand eine Nashornjagd, an der Nordwand sind Elefantenkämpfe zu sehen. 

An der Ostwand findet man Szenen aus der folkloristischen ›Madhavanala-und-Kamakandala-Liebesgeschichte‹. Sie ist ähnlich beliebt wie die ›Dhola-und-Maru-Legende‹ und handelt vom jungen Brahmanen Madhavanala, der aus seinem Land verbannt wird, weil sein König ihn wegen seiner Jugend und seines guten Aussehens beneidet. Madhavanala begegnet im Exil der hübschen Kamakandala und beide verlieben sich. Doch auch diese ›Romeo-und-Julia-Geschichte‹ hat einer tragisches Ende, denn Kamakandala tötet sich im irrigen Glauben, ihr Geliebter sei ermordet worden. Madhavanala folgt ihr in den Tod, nachdem er von ihrem Suizid gehört hat. In einer Abwandlung dieser Geschichte ist Madhavanala ein verkleideter wandernder Musikant, der vom Anblick der hübschen Kamakandala derart entzückt ist, dass er in dauernde Ohnmacht fällt.

 

Der auch früher schon zugängliche berühmte Chitra Mahal (Palace of Paintings) umfasst einen Innenhof, in dem einst Springbrunnen plätscherten, und eine von Säulen bestandene Bildergalerie. Diese offene Säulengalerie, ein ›Pavillon der Gemälde‹, ist mit einigen der schönsten Wandmalereien rajputischer Kunst in den charakteristischen Türkis-, Grün- und Brauntönen verziert. Die Malereien zeigen Szenen aus den Krishna-Mythen und Elefantenkämpfe auf zart türkisfarbenem Hintergrund. Weithin bekannt sind die Szenen über einer Reihe gemalter Elefanten, die von links nach rechts den Reigentanz von Krishna, die Entstehung des Mount Govardhan und die Entwendung von Kleidern der Gopis durch Krishna zeigen. Entzückend auch die Frauendarstellungen wie die einer jungen Dame in golddurchwirkter Kleidung, die eine Taube auf ihrer Hand trägt. 

 

Ein Gang links führt zum Schlafzimmer von Maharao Umaid Singh (regierte 1748-1770) mit nur einem Eingang und keinem Fenster. Die Bilder der unteren Reihen wurden durch eindringendes Wasser ausgewaschen. Zu sehen sind vor allem Gemälde von Krishna und dem Maharao Umaid Singh. Ein Gemälde zeigt den rauchenden Maharao mit musizierenden und tanzenden Frauen in einem Garten. Wie alle heiligen Schriften Indiens sind auch die Krishna-Legenden in einer Symbolsprache abgefasst. So versinnbildlicht die Flöte den Menschen, der durch göttlichen Odem belebt wird. Die Gopis, besonders Krishnas Favoritin Radha, verkörpern die Seelen, die den Göttern in Liebe verbunden sind, der Baum ist das Symbol des Lebens und die Kühe zeigen Krishna als Beschützer der Tiere.

 

Colonel James Tod (1782-1835), Offizier der British East India Company, hielt seinen Eindruck von der Festung um 1820 mit den Worten fest: »Wer den Palast von Bundi gesehen hat, kann sich leicht die Hängenden Gärten der Semiramis vorstellen«.

 

Sternenfort

Hinter dem Chitra Mahal gelangt man in etwa 20 Minuten auf einem steil ansteigenden Pfad zum Sternenfort (Festung Taragarh), das  aus der Gründungszeit der Stadt stammt und 1342 oder 1354 gebaut wurde. Erhalten geblieben sind nur einige Zinnen, die gewaltige Kanone Garb Gunjam (›Donner-der-den-Leib-erzittern-lässt‹) und in die Felswände eingehauene Wasserbehälter

Von hier oben hat man man einen schönen Ausblick auf den Palast und die Stadt. Übrigens soll sich hier auch ein Labyrinth an Katakomben befinden, in dem der Staatsschatz versteckt gewesen sein soll. Er konnte nur einmal von jedem Herrscher besichtigt werden, doch das Wissen um seine Lage ging verloren, als der letzte Führer 1940 starb und sein Geheimnis mit ins Grab nahm.

© Rainer Waterkamp