Rajasthan, südlich von Kota

Baroli

Jhalawar

Jhalarapatan

Chandrabhaga

Bhand-Devra-Tempel

© Rainer Waterkamp

Die Region südlich und östlich von Kota ist für den Tourismus noch wenig erschlossen. Hier befindet man sich im »unbekannten Rajasthan« - einsame Gehöfte, noch einsamere Landschaften flimmern im grellen Licht der Mittagssonne. Es locken Forts, Tempel und Paläste sowie ein fast unberührtes Wildreservat. Doch zunächst geht es zur großartigen Tempelanlage Baroli (auch Badoli).

 

Tempelanlage Baroli

 

Nur sehr selten unternehmen Besucher den Abstecher südwestlich von Kota auf schlechter Piste (50 km, RJSH33) zu dem sehenswerten Tempelkomplex von Baroli (auch Badoli). Die großartige Tempelanlage überdauerte nahezu unversehrt ein Jahrtausend; eine Inschrift nennt das Jahr 925 als Gründungsdatum. Obwohl auch sie dem Zerstörungswahn von Aurangzeb nicht entging, ist noch einiges erhalten geblieben, sodass sich eine Besichtigung durchaus lohnt. Der Tempelkomplex steht unter dem Schutz der Archaeological Survey of India‹ und stellt ein klassisches Beispiel des nordindischen oder Nagara-Stils aus der Zeit der Pratihara-Kaiser dar. 

 

Die insgesamt neun Tempel (acht in einem archäologischen Komplex am Chambal River und ein Tempel einen Kilometer weiter entfernt) sind den Hindugöttern Vishnu (ein Tempel), Shiva (vier Tempel) in seiner Form als Mahadeva (Gott der Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung), Durga (zwei Tempel) und Ganesha (ein Tempel) geweiht. Außerdem gibt es den der Trinität (bestehend aus Brahma, Vishnu und Shiva) gewidmeten Trimurti-Tempel. Ein steinernes Abbild von Nataraja (Shiva als »König des Tanzes«) wurde 1998 gestohlen und soll sich bei einem privaten Sammler in London befinden.

 

Ghateshvara-Mahadeva-Tempel

 

 

Bereits am Eingang zur Anlage von Baroli befindet sich ein malerischer Shiva-Tempel mit einem Lingam inmitten eines Tempelteichs (kund). Ein schmaler Steg aus Steinblöcken führt hinüber.

Der größte Tempel der Anlage ist jedoch der Ghateshvara-Mahadeva-Tempel aus dem 10. Jahrhundert. Verehrt wird Shiva, der Lingam im Sanktum (garbhagriha) sieht aus wie ein umgekehrter Topf, woher sich auch der Name leitet – Ghateshwara bedeutet »Topf-Gott« und Mahadeva (maha=groß, deva=Gott) ist eine Bezeichnung für Shiva.  

In der nach allen Seiten offenen, von Säulen umstandenen Versammlungshalle (mukha mandapa), deren Zugang ein Torana-Bogen bildet, findet man Darstellungen von Andkakantake (Shiva tötet den Dämon Andhaka) und der Göttin Chamunda. Die Halle ist reich dekoriert, beachtenswert ist Shiva als kosmischer Tänzer (nataraja), umgeben von Brahma, Vishnu und mythologischen Gestalten. An den Pfeilern und Deckensegmenten sind verschiedene Liebespaare sowie himmlische Nymphen (apsaras) zu erkennen.

Von dieser Halle gelangt man ins quadratische Sanktum (garbhagriha). Das Deckendekor des Sanktum, das von einer geschnitzten Shikhara gekrönt wird, ziert eine Lotosblüte. Zwischen der Versammlungshalle und dem Sanktum steht ein steinerner Bulle, Shivas Reittier Nandi.

 

Die Tanzhalle (ranga mandapa) mit einem Pyramidendach befindet sich getrennt vom Tempel und wurde erst später hinzugefügt. Abbildungen zeigen die Flussgöttinnen Ganga und Yamuna als Torhüterinnen (dwarapalas) sowie die Trinität Brahma-Vishnu-Shiva.

 

Weitere Tempel

 

Der kleine Ganesh-Tempel nahe dem Haupttempel ist dem vielarmigen Gott geweiht, Arme und Füße der Gottheit mit Elefantenkopf wurden allerdings von islamischen Fanatikern zerstört. 

Sehenswert ist auch der Trimurti-Schrein im Südwesten des Tempelkomplexes. Die Mukha Mandapa ist allerdings beschädigt, auch das Relief des dreiköpfigen Shiva (Trimurti-Shiva), wurde teilweise zerstört. Der Schrein wird gekrönt von einer schlanken Shikhara.

In der Nähe des Trimurti-Schreins stehen die skulptierten Säulen eines alten Tores, das mit verführerischen Frauen, ihren Liebhabern und mit Blumengirlanden verziert ist.

Zwischen dem Ghateshvara-Mahadeva-Tempel  und dem Trimurti-Schrein befindet sich der besonders fein gearbeitete Mahishamardini-Schrein (auch Ashtamata-Tempel) aus dem 10. Jahrhundert, der Durga als Büffeldämon-Töterin (Mahishasura mardini) geweiht ist. Er besteht aus dem Sanktum, einer zweiten Kammer (antarala) und einer Versammlungshalle (mukha mandapa). Ein geschnitztes Parvati-Bild befindet sich in einer Nische in der sukanasa (»Nase«, über dem Portikus). Zu sehen ist eine tanzende Maheshvari, Gefährtin von Maheshvara (maha=groß, ishvara=großer Gott, Beiname für Shiva).

Der (Vamana-Tempel (auch Vamanavatar-Tempel) wurde der vierarmigen Vamana geweiht, einer kleinwüchsige Gottheit und der fünften Inkarnation von Vishnu. Das Dach ist leider völlig zerstört, auch die Figur der zwergenhaften Erscheinungsform von Vishnu wurde beschädigt. 

 

Jhalawar

 

 

Jhalawar, über den zur Zeit im Ausbau befindlichen Highway südlich von Kota (88 km, NH52) erreichbar, ist weithin als Hadoti (Hadavati) bekannt, also als Land der Hadas. Die Straße nach Jhalawar befindet sich auf weiten Strecken noch in einem erbärmlichen Zustand voller Schlaglöcher. Das Fürstentum Jhalawar wurde von Jhala Zalim Singh I. von Kota (1730-1823) etwa um 1791 gegründet. Im Jahr 1838 wurde es auf Druck der Briten aus dem Gebiet Kota ausgegliedert. Der Herrscher Zalim Singh (1865-1897, regierte 1875–1897) ließ während seiner Herrschaft eine Stadtrecht-Charta in eine Steinsäule gravieren.

Der ehemalige Maharaja-Palast (Jhalawar Fort oder Garh Palace) im Zentrum der Stadt, erbaut von Maharaj Rana Madan Singh (regierte 1838-1845) in der Zeit von 1840-1845, ist zu einem sehenswerten Museum umgewandelt worden. Der Palast ist mit herrlichen Fresken verziert, besonders das Zenana Khas weist schöne Gemälde auf.

Das Government Museum von Jhalawar, das 1915 gegründet wurde, ist Teil des Fort Palace, einige Fußweg-Minuten vom Fort entfernt. Hier findet der Besucher eine große Sammlung wunderschöner Gemälde, einmaliger Manuskripte, alter Münzen und wertvoller Skulpturen von Chandravati, beispielsweise von Ardhanarishvara Natraj, Lakshminarayana, Trimurti, Vishnu und Krishna. Auch Epigrafiken (alte Inschriften) aus der Jhalarapatan-Region sind zu sehen. 

(Bhoj Mohalla, nahe Bada Bazaar, Tel. +91 /7432/ 230099, 10:30-16:30, Freitags geschlossen)

 

Auf dem Palastgelände (Bhoj Mohalla) befindet sich auch das frühere Theater Bhawani Natyashala, ein Parsi-Theater von 1921 mit außerordentlich guter Akustik. Das Opernhaus ist nicht mehr in Funktion, der Saal ist ausgeräumt. Sollte es jemals wieder seine Funktion aufnehmen, müsste es zuvor aufwendig restauriert wird.

 

 

Unterkunft in Jhalawar

Prithvi VilasPalace, Gayatri Nagar, Jhalawar-326001. Im Jahr 1912 erbautes Gebäude in einer Grün-Anlage. Zimmer mit antiker Ausstattung. Mit großem Restaurant, Pool. Hier wohnt man wie ein Maharaja. Etwas schwer zu finden. 

www.hotelsrajasthan.net

 

Jhalarapatan

 

Südlich von Jhalawar befindet sich die von einer mittelalterlichen Mauer umgebene alte Stadt Jhalarapatan (7 km, NH52), die man auch >Stadt der Tempelglocken< nannte, da sich hier früher über 100 Tempel befunden haben sollen. Der Ort wurde 1792 von Jhala Zalim Singh I. (1730-1823) erbaut, dem Gründer von Jhalawar. 

Der Padmanath-Surya-Tempel (auch ›Sonnentempel‹) befindet sich inmitten des Zentrums von Jhalarapatan und besitzt zahlreiche Skulpturen mit Götterbildnissen. Der noch gut erhaltene Tempel aus dem 11. Jahrhundert ist Padmanath, einer Inkarnation von Surya, geweiht und hat als Sehenswürdigkeit 52 Zierpfeiler unter seiner drei Meter hohen kunstvoll skulptierten Kuppel zu bieten, die mit erotischen Reliefschnitzereien verziert sind. An den drei Seiteneingängen befinden sich schön geschnitzte Toranas. Die früher an der Rückseite des Tempels vorhandene Statue von Padmanabh wurde in die Cella gebracht. 

Beim faszinierenden rosa und türkisfarbenen Shantinath-Tempel aus dem Jahr 1046 sind der schwarz-weiße Marmorgang und die schönen Wandmalereien beachtenswert. Die steinernen Brüste der weiblichen Figuren sind in weißen und pinkfarbenen Farben gehalten. Am Eingang zum Sanktum, in dem sich eine Shantinath-Statue aus Bronze befindet, stehen zwei lebensgroße Marmor-Elefanten.

 

Östlich der Ortschaft erhebt sich auf einem Hügel das Fort Navlakha, das 1860 von Jhala Prithvi Singh (1830-1875, regierte 1845-1875) errichtet wurde und nicht mehr bewohnt ist.

 

 

Tempelanlage Chandrabhaga

 

Zwei Kilometer außerhalb von Jhalarapatan liegt am Ufer des Chandrabhaga-Flusses der Chandrabhaga (oder Chandrabagha Tempel), auch Chandravati (Mondgärten<) genannt. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von frühmittelalterlichen Tempeln (eine Inschrift verweist auf das Jahr 692), von denen der zentrale Tempel Shitaleshvar aus dem Jahr 689 stammt. Der Tempel gliedert sich in eine garbhagriha (Cella), eine Vorhalle und einen mukha mandapa, einen nach zwei Seiten offenen Pavillon. Der sabha mandapa (lange Gebetshalle) beeindruckt durch 26 schön modellierte Säulen. Berühmt sind zwei reich ornamentierte Deckenpaneelen der Vorhalle. 

Der Chandra Mouleshvar-Mahadev-Tempel (auch Chandramouli Mahadev Tempel) am Flussufer hat besonders schöne Skulpturen und Reliefs am Tempelportal.

Bhand Devra Tempel

 

 

 

Besichtigenswert ist der Bhand Devra Tempel (40 km östlich von Baran) am Ufer des Parvan River aus dem Jahr 1162. Man erreicht den Tempelkomplex (auch Bhand Devara-Tempel, bekannt als Mini-Khajuraho von Rajasthan‹) auf der Bergspitze des Ramgarh Hill in schweißtreibenden Kletterpartien über 750 Stufen, die von Jhala Zalim Singh I. von Kota (1730-1823) erbaut worden sein sollen. Hier stehen zwei Tempel, die Annapuma Devi und der lokalen Gottheit Kisnai gewidmet sind. In der Empfangshalle sieht man schöne Abbildungen von Göttern, Apsanas und verliebten Pärchen. Viele Skulpturen zeigen Bhairava (Der Furchteinflößende), die zerstörerische Inkarnation des Hindu-Gottes Shiva. Von den ursprünglich 64 Yonis ist nur noch einer erhalten geblieben.

 

 

Man kann sich die Anstrengung aber auch ersparen und dafür den eindrucksvollen Shiva-Tempel unten im Tal am Fluss besichtigen. 

Die Tempelanlage ist stark vom Verfall bedroht und steht jetzt unter dem Schutz des >Archeological Survey of India<, der diese wertvolle Stätte restaurieren will.

Im Oktober/November finden hier die Festivitäten von Kartik Purnima statt (manchmal auch Devi-Diwali-Festival genannt), das zu Ehren der Götter Shiva und Vishnu abgehalten wird (>Festival of lights of the Golds<).

© Rainer Waterkamp