Rajasthan südlich von Udaipur

Jagat

Rishabdeo

Dungarpur

Baneshwara-Festival

© Rainer Waterkamp

JAGAT

 

 

Südöstlich von Udaipur (35 km, MDR 11) befindet sich im Dorf Jagat der kleine (Ambika-Mata-Tempel (auch Jagat- oder Jagdir-Tempel). Er wurde um 960 nach Christus erbaut und ist im 11. Jahrhundert renoviert worden. Hier wird die Göttin Durga, Schöpferin des Universums, unter dem Namen Ambika verehrt. Ihr wurde der Tempel geweiht, daher der Name.    

                                                      

 

Der auf einer erhöhten Plattform errichtete Tempelkomplex besteht aus einer offenen lichtdurchfluteten Eingangshalle (mukha mandapa) mit Satteldach, einer großen Vorhalle (mandapa) mit gestuftem Pyramidendach, einem kleinen Vorraum (antarala) mit seitlichen Jali-Fenstern sowie dem Sanktum (garbhagriha), über dem sich ein Shikhara-Turm mit drei seitlichen Begleittürmchen (urushringas) erhebt. 

Die Gebets- oder Versammlungshalle (sabha mandapa) zeigt einen tanzenden Ganesha. In der Cella gibt es die Darstellung einer Szene aus der Samudra-Manthana, einer der bekanntesten Episoden der Puranas (=alte Geschichten), in welcher der Ursprung von Amrita, dem Nektar der Unsterblichkeit, erklärt wird.

Der Tempel wird von Touristen auch wegen der erotischen Skulpturen aufgesucht, die Liebesspiele der Pärchen, ihre Posituren, Bekleidung, Haartracht und das Schönheitsideal der Figuren erinnern an die Darstellungen von Khajuraho. Man kann in mehreren Variationen Durga, die Göttin der Zerstörung sehen, wie sie den Büffeldämon Mahishasura niederstreckt. Auch Agni, der Gott des Feuers, ist dargestellt.

 

Bambara Karni Fort, 45 km von Udaipur entfernt, war noch Anfang der 1990er Jahre eine Ruine, heute ist es ein Palast-Hotel oberhalb des Dorfes Bambara. Die großen Zimmer sind entsprechend dem Charakter einer alten Burg ausgestattet, haben also keinen Safe, kein TIV, keine Mini-Bar, doch sehr freundliches Personal. Etwas für Genießer, die weniger Komfort als Abgeschiedenheit, Ruhe und die Stille der Natur suchen.

Rishabdeo

Beim Ort Dhulev (benannt nach dem Bhil-Dorf Dhula), heute Rishabdev (oder Rishabdeo), 67 Kilometer südlich von Udaipur gelegen und auf dem Highway NH 48 erreichbar, befindet sich der etwa 1200 Jahre alte Kesariyaji Jain Tirth (auch Shri Rishabh Dev Jain Temple), der Rishabdev gewidmet ist, einer Inkarnation von Mahavira. Rishabdev ist bekannt unter dem Namen Kesariaji, weil die schwarze Marmorfigur von den Gläubigen mit Safran (Kesar) eingerieben wird. Von den Bhli wird die Gottheit >Kalaji< genannt, das Idol ist auch bekannt unter dem Namen >Dhulevdhani< in Anlehnung an den Ort Dhulev. Die älteste Petrographen-Inschrift soll aus dem Jahr 1431 stammen.

 

Der Marmor-Tempel hat 1444 Säulen und gehört den Digambara- und Shwetambara-Sekten der Jain Dharma. Das schwarze Marmorbild wird aber nicht nur von ihnen, sondern auch von Hindus und von den Bhil verehrt. Zudem gibt es 21 sitzende und zwei stehende Götter-Figuren sowie sehr feine Schnitzereien. Schwarze Elefanten stehen am Eingang des Tempels. Zwei große Glocken mit einem Gewicht von 108 Kilogramm hängen an der Decke der Versammlungshalle. 

 

An der Nord- und Südseite befinden sich Bildnisse von Vasupujya (dem zwölften Tirthankara), Mallinath (dem 19. Tirthankara), Neminath (dem 22. Tirthankara), Parshvanath (dem 23. Tirthankara) und Mahavira (dem 24. und letzten Tirthankara), zudem 52 Nebenschreine (devakulikas). Über dem zweiten Tempeleingangs prangt ein Elefant, genannt >Marudevi’s Elephant< (Marudevi ist die Mutter von Rishabdev). 

Achtung, es gibt einige unebene Stellen und unterschiedlich hohe Stufen.

 

 

 

Nicht weit entfernt führt eine Basarstraße zu einem nahezu unbekannten, schneeweißen Tempel, der zahlreiche schöne Skulpturen aufweist. Er ist unbedingt sehenswert, zumal er nicht weit vom Kesariyaji Jain-Tempel entfernt und zu Fuß bequem zu erreichen ist.

Dungarpur

Im 13. Jahrhundert wurde etwa 100 Kilometer südlich von Udaipur auf einem Bergrücken die Stadt Dungarpur mit heute 43000 Einwohnern gegründet. Sie liegt am südlichsten Ende inmitten der Ausläufer des Aravalli-Gebirges, das sich hier als eher unwirtliche steinige Landschaft voller Kakteen und Hartlaubgewächse entpuppt; sie wird nicht zuletzt deshalb von Touristen nur selten besucht. Allerdings bietet der Udai Bilas Palast, der Mitte des 19. Jets erbaut und 1940 erweitert wurde, eine höchst komfortable Unterkunft. 

 

Allerdings hat die Stadt gerade wegen ihrer Abgelegenheit bis heute ihren ursprünglichen Charme bewahrt, obwohl sie mittlerweile ein schönes Heritage-Hotel besitzt. Und die Paläste Juna Mahal und Udai Vilas zählen zu den schönsten Rajasthans, die vor allem mit Spiegelmosaiken beeindrucken, welche die Schönheit der rajputischen Frauen zeigen. 

 

Mit seinem Gewirr aus weißen Zinnen und Wachttürmen erhebt sich das cremefarbene Juna Mahal (Old Palace) über der Stadt. Den Zugangscode erhält man im Udai Bilas Hotel und kostet mit Fotografiererlaubnis 250 Rs.

 

Die siebenstöckige Burganlage muss man auf schmalen, steilen Steintreppen ersteigen, um das Burginnere mit den Wandgemälden und alten Fresken bewundern zu können. 

 

Wände und Decken zeigen eine Fülle von Szenen aus der Geschichte Dungarpurs und beispielsweise den plastischen Fries tanzender Frauen zwischen den Konsolen, die einen Balkon stützen oder die vergoldeten Fresken aus dem 19. Jahrhundert an den Wänden der Privatgemächer von Maharawal Udai Singh II (1839-1898), auf denen er in einer feierlichen Prozession dargestellt ist. 

Ein Geheimtipp ist eine kleine Kammer mit zwei niedrigen Türen im Schlafzimmer des Maharawal, in der man zahlreiche erotische Malereien mit den 50 Szenen aus dem Kamasutra entdecken kann.

Baneshwar Festival

Während der staubigen Fahrt nach Baneshwar, 60 Kilometer östlich von Dungarpur, begegnet man Frauen vom Stamm der Bhil, gekleidet in schwarze Kniebundhosen, roten ärmellose Tuniken und mit goldbestickten Schleiern sowie reichem Silberschmuck. Das Wort Baneshwar (>Meister des Dreiecks<) bezieht sich auf die drei Flüsse (Mahi, Jhakad und Som), die den Ort umgeben.

An der Mündung der Flüsse Mahi und Som stehen der Baneshwar Mahadev-Tempel (erbaut um 1749 zu Ehren von Shiva) und ein Tempel für Brahma. Der Shiva-Tempel besitzt einen Lingam, der als >Herr der Flussmündung< verehrt wird (während des Festivals geöffnet 5.00 bis 23.00 Uhr). Daneben befindet sich ein Vishnu-Tempel (Mavji-Tempel) von 1793. 

 

In den Monaten Januar oder Februar findet das Baneshwar Fair statt, das auch als >Kumbha Mela for the tribes< bezeichnet wird. Während des Festivals ist die Brücke über den Fluss voller Menschen, den Weg vor und hinter der Brücke säumen zahlreiche Verkaufsläden. Die Ortschaft wird von der Polizei während dieser Zeit für Fahrzeuge weiträumig abgesperrt.

Der Fluss wird von den Menschen genutzt, um ein Bad zu nehmen oder sich um Feuerstellen zu versammeln. Ein silbernes Bild des Heiligen Mavji, angeblich eine Inkarnation von Vishnu, wird während des fünftägigen Baneshwar Festivals der Bhil in einer Prozession zum Fluss gebracht. Das Bad im Fluss gilt während der Festival-Zeit als heilig, da ein hoher Priester namens Mathadhish hier - zusammen mit den Gläubigen - ein Bad nimmt und damit das Wasser weiht. 

 

Neben den religiösen Riten werden auch traditionelle Tänze und Lieder sowie Zauberkunststücke vorgeführt. Die gewaltigen Riesenräder dürfen natürlich nicht fehlen. Die Gläubigen bringen Opfergaben dar, beten in den Tempeln, baden und die Bhils verteilen die Asche ihrer Toten im heiligen Fluss.  

© Rainer Waterkamp