Kaum besuchte Tempelstätten

Menal

Bijolia

Nagda

Kiradu

Osian (Sachiya-Mata-Tempel, Surya-Tempel, Mahavira-Tempel, Harihara-Tempel)

© Rainer Waterkamp

Menal

Auf halbem Wege zwischen Chittaurgarh und Bundi, an der Grenze zwischen den historischen Regionen Mewar und Hadoti, kommt man an Menal vorbei, eine pittoreske kleine Tempelstadt, die den meisten Touristen unbekannt ist. Die Tempelanlage liegt von Chittaurgarh kommend auf der rechten Straßenseite des Highway (86 km, NH27). Man folgt einem kleinen Weg direkt gegenüber einem modernen Hindu-Tempel, der auf der linken Straßenseite steht.

 

 

Der Name Mahanal leitet sich von Maha Nala (=Große Schlucht) her, und so heißt auch die romantische rund 120 Meter tiefe große Schlucht, in die sich der Menal-Fluss während der Regenzeit stürzt. Treppen führen hier zu einer Terrasse über dem spektakulären Wasserfall.

 

Zu beiden Seiten des Wasserfalls erstreckt sich eine weiträumige Tempel- und Palastanlage, die bereits von Someshvar Chahamana (regierte 1169-1178), dem Vater von Prithviraja III. Chauhan (1165-1192, regierte 1178-1192) erbaut wurde. Auf der linken Seite der Schlucht erhebt sich über dem Fluss der Tempel der Königin Suhiya Devi (auch Suhava Devi) aus der Shakambari-Dynastie. Man kommt zu den Tempeln auf einem kleinen Weg, der gegenüber einem rot-weiß getünchten Hindu-Tempel auf der anderen Seite der Hauptstraße beginnt. 

Der Tempeleingang wird bewacht von einem sitzenden Löwen aus Stein, Bildnisse von Shiva und Parvati befinden sich an den Seitenwänden des Heiligtums. Das zweigeschossige Eingangstor (torana) zeigt Darstellungen von Bhairava (>Der Schreckliche<), die zerstörerische Inkarnation von Shiva, und Ganesha. 

 

Ein kleiner Doppel-Tempel mit Vorhallen (mandapas) nahe dem Eingang wurde Ganesha und Gauri geweiht. Vom Shikhara ist nur noch ein Teil über einem dieser Tempel erhalten geblieben. 

 

Der imposante Haupt-Tempel Mahanala (auch Mahanaleshvara) aus dem Jahre 1170 mit fünfstöckigem Turm ist Shiva geweiht, war ein großes Zentrum des Shaivismus und besteht aus Sandstein, dessen Wände mit schönen Reliefs mit Shiva und Parvati sowie Tänzern, Tieren aber auch erotischen Szenen verziert sind, so dass Menal als ein kleines Khajuraho‹ gilt. Der Shaivismus verehrt Shiva als höchste Gottheit, der alle anderen Götter überragt. 

Von der Vorhalle (mandapa) mit einem Dach, das pyramidenförmig aus geschnitzten Steinen gefertigt wurde, gelangt man zur inneren Cella (garbhagriha) mit einem fünfstöckigen Shikhara-Turm, der von kleinen Türmchen (urushringas) umgeben ist. Um die Cella führt ein überdachter Wandelgang (pradakshinapatha). 

 

Wie alle Shiva-Tempel befindet sich auch vor dem Haupttempel Mahanala ein kleiner Nandi-Schrein mit der Statue von Shivas Stier. 

 

Gegenüber dem Tempel stehen die Gruppe der eindrucksvollen Ghat-Pallava-Pillars, benannt nach der >Rock-Cut-Architektur< der Pallava-Dynastie, die 275-896 im südlichen Indien existierte. In der um 620 beginnenden Architektur, die sich auch in andere Regionen ausbreitete, wurde das zu schaffende Werk aus natürlichem Felsen herausgeschnitten und das nicht benötigte Gestein entfernt. 

In der Nähe befinden sich die Reste einiger kleinerer Tempel, die weniger gut erhalten sind, von denen einer aber ein schönes Torana-Portal besitzt. Vom Tempel nordwestlich des Hauptheiligtums sind nur noch Reste der ursprünglich drei Shikharas vorhanden. Der Name Dreiertempel für den Tempel rührt daher, weil zwischen ursprünglich zwei Räumen später ein dritter hinzugefügt wurde.

Bijolia

 

 

In Bijolia (oder Bijoliyan), zwischen Chittaurgarh und Kota gelegen, gibt es einige Sehenswürdigkeiten, die die unruhigen Zeiten der Vergangenheit überdauert haben und heute unter dem Schutz des Archaeological Survey of India‹ stehen. 

In der Stadt, früher bekannt als Vindhyavali, sind vor allem drei schöne Tempel aus dem 11. Jahrhundert zu sehen. Auf dem Weg nach Bijolia sieht man viele Rinder, die an den Seiten der Pisten entlangziehen. In Bijolia (105 km, NH27) gibt es die Abzweigungen direkt nach Kota oder nach Bundi (RJSH29) sowie über Singoli nach Bhainsrorgarh (Bhensrorgarh, 59 km).

Der wichtigste und älteste Tempel der Anlage ist der Mahakal-Tempel (1000-1099). Er ist Bhairava und Mahakala, den zerstörerischen Erscheinungsformen Shivas, geweiht und besitzt zwei Shikhara-Türme mit einer gemeinsamen Vorhalle. Es handelt sich also um einen Doppeltempel mit zwei übereinander liegenden Kulträumen. Vor dem Hauptschrein befindet sich eine Nandi-Abbildung, am Eingangstor steht unter dem Vorbau eine vierarmige Ganesh-Statue.

 

Hinter diesem Tempel ist der Mandakini-Kund für rituelle Waschungen zu finden, den man über vier Treppen erreicht.

 

Der jenseits des Teichbrunnens liegende Undeshvara-Mahadeva-Tempel (auch Udayeshvara-Tempel) aus dem Jahr 1175 ist Shiva geweiht und fällt durch die kleinen Begleittürmchen (urushringas) auf, die den Shikhara-Turm über der Cella (garbhagriha) flankieren. An der Außenwand des Shikhara-Turms kann man eine nur 20 Zentimeter kleine Schnitzarbeit einer Vinayaki bewundern, einer elefantenköpfigen Hindu-Gottheit, die zwischen zwei Säulen sitzt. Die Vorhalle (mandapa) besitzt kleinen Pavillon-Türmchen. Die Cella befindet sich etw drei Meter unterhalb der halboffenen Gebets- bzw. Versammlungshalle (sabha mandapa) und steht unter Wasser, das aus dem Mandarini-Kund hier eindringt. Hier ragt ein Shiva-Lingam heraus.

 

Der jenseits des Teichbrunnens liegende Undeshvar-Mahadev-Tempel (auch Udayeshvara-Tempel) aus dem Jahr 1175 ist Shiva geweiht und fällt durch die kleinen Begleittürmchen (urushringas) auf, die den Shikhara-Turm über der Cella (garbhagriha) flankieren. An der Außenwand des Shikhara-Turms kann man eine nur 20 Zentimeter kleine Schnitzarbeit einer Vinayaki bewundern, einer elefantenköpfigen Hindu-Gottheit, die zwischen zwei Säulen sitzt. Die Vorhalle (mandapa) besitzt kleinen Pavillon-Türmchen. Die Cella befindet sich etw drei Meter unterhalb der halboffenen Gebets- bzw. Versammlungshalle (sabha mandapa) und steht unter Wasser, das aus dem Mandakini-Kund hier eindringt. Hier ragt ein Shiva-Lingam heraus.

 

Der kleinste Tempel, der Hajareshvar Mahadev, erbaut zwischen 1100 und 1125, befindet sich rechts des Mahakala-Tempels und besteht aus Vorhalle (mandapa) und Schrein. Hier kann man eine Reihe von Götterstatuen sehen (Shiva, Brahma, Chamunda) und in der Cella (garbhagriha) einen hohen Shiva Lingam, der von hunderten kleiner Lingams umgeben ist, weshalb er auch als Sahasralingam (>tausendköpfiger Shivalingam<) bezeichnet wird.  

 

Die etwa anderthalb Kilometer weiter südöstlich im ehemaligen Festungsbereich gelegenen weiteren fünf Jain-Tempel wurden von Mahajan Lala in der Zeit des Chauhan-Raja Someshwar von Ajmer erbaut. Sie gehören mit zu den weltweit größten Felszeichnungen. Heute befindet sich hier der Panchayatan Mandir, der dem Thirthankara Parshvanata gewidmet ist und 1226 vollendet wurde.

 

Die Linienbusse nach Udaipur und Chittaurgarh halten in Menal und Bijolia.

 

Nagda

Die von Touristen selten besuchten Tempel von Nagda (etwa 24 Kilometer nördlich von Udaipur) stammen aus dem 10. Jahrhundert und sind Vishnu geweiht. Die einstmals Nagahrida bzw. Nagadraha genannte Ortschaft Nagda war einmal die Hauptstadt des Reiches Mewar und wurde durch muslimische Eroberer fast vollständig zerstört.

Der große Hindu-Tempelkomplex (bestehend aus dem Schwiegertochter-Tempel und dem Schwiegermutter-Tempel) mit einem freistehenden Tor befindet sich zwischen einem fast ausgetrockneten See und einem Hang und ist fast vollständig erhalten geblieben.

 

Beide Tempel verfügen über einen Portikus mit einem pyramidenförmigen Überbau, der den Zutritt zu einer offenen Pfeilerhalle (mandapa) mit seitlichen Vorsprüngen gewährt. 

Der Sasa-Tempel (der größere von beiden) besitzt keine shikhara mehr, doch die Mandapa ist mit vier prächtig skulptierten Säulen ausgestattet und zeigt Bildnisse von Brahma, Vishnu, Shiva sowie Surya. Zu ihnen gesellen sich Darstellungen von Liebespaaren. Der Besucher findet an den Wänden auch Szenen aus dem Ramayana-Epos sowie an der Decke aus dem Mahabharata.

Der kleinere Bahu-Tempel beeindruckt vor allem durch die Darstellung der acht Gottheiten an der Kuppel und das schön skulptierte dreibogige Torana-Portal unterhalb der Plattform. Es zeigt Reliefs von Himmelsmädchen (surasundaris) und Glockenschnurmotive. Die Form der Glocke ist von der Lotosknospe abgeleitet und versinnbildlicht den Mutterschoß der Natur, aus dem das Leben entsteht. Viele der wunderbaren Marmor-Figuren an den Wänden der Tempel wurden leider von muslimischen Fanatikern zerstört.

Kiradu

 

Etwa 37 Kilometer westlich von Barmer befindet sich inzwischen den Dörfern Hathma und Sihani der etwa um 1000 und später errichtete Komplex von ursprünglich wohl 108 Tempeln von Kiradu – touristisch noch immer ein Geheimtipp. Früher bekannt als Kiratkoop (auch Kiratkupa), wurde es im 6. bis 8. Jh. vom Kirad-Clan regiert und war im 11. und 12. Jh. zeitweise Hauptstadt der Parmar- (Paramara) Dynasty (791-1305), bis es dann von den Turushkas (1000-1526), einem tatarischen Volk aus Turkestan, zerstört wurde. 

Die fünf noch erhaltenen Tempel stehen heute unter der Verwaltung des ›Archaeological Survey of India‹. Am oft von einem leibhaftigen Affen ›bewachten‹ Haupttor muss der Eintritt entrichtet werden.

 

Was zunächst ins Auge fällt, wenn man den Eingang zur Anlage durchschritten hat, ist linkerhand ein Komplex von zwei auf jeweils eigener Plattform stehenden Tempeln, dem Shiva-Tempel und dem Someshvara-Tempel. Gegenüber auf der anderen Seite erhebt sich ein weiterer Shiva-Tempel, der renoviert wird. 

Besonders der Shiva geweihte Someshvara-Tempel  aus Sandstein zeichnet sich durch die Feinheit seiner Skulpturen und eindrucksvolle Darstellungen der Götter Brahma, Vishnu, Shiva mit Parvati, Surya und Ganesha, ganas (Kriegsbegleiter für Shiva), vidyadharas (himmliche Krieger mit magischen Kräften) sowie der ›Schönen Mädchen‹ (surasundaris) aus. Leider sind die Darstellungen von Shiva als Nataraja ("König des Tanzes"), Symbol für Schöpfung und Wandel, auf dem zweigeteilten Tor-Fries arg beschädigt. Die Schönheit der Darstellungen von Elefanten, Rittern, Musikern (gandharvas) und Tänzerinnen ist dennoch überwältigend. Die Vorhalle (sabha mandapa) wird von acht skulptierten Pfeilern getragen. Auf einer Säule ist Hari-Hara zu sehen, auf einer anderen eine Frauengestalt (möglicherweise Hidimba, der Frau von Pandava Bhima aus dem Epos Mahabharata) über einem Fries von fünf Skulpturen des Elefantengottes Ganesha. Interessant sind die Darstellungen von Shringara Rasa (romantische Liebe zwischen Mann und Frau), einer ursprünglich aus Kerala stammenden klassischen Tanzform sowie von Szenen aus dem Kamasutra. 

 

 

 

Folgt man der Kiradu Temple Road ein Stück weiter, gelangt man zu zwei weiteren Tempeln. Der einzige Tempel der Anlage, der Vishnu geweiht ist, befindet sich am weitesten vom Eingang zur Tempelanlage entfernt. In der Nische einer Außenwand sieht man Vishnu auf einem Garuda und mit zwei Elefanten, was ungewöhnlich ist. In der möglicherweise früher als Tanzhalle genutzten Halle sieht man die symbolischen Köpfe von makaras mit Kriegern in ihren Mäulern.  Ein makara ist in der hinduistischen Mythologie das Reittier (vahana) der Flussgötter Ganga und Varuna. Es ist auch eines der Insignien von Kamadeva (Kama = Begierde), dem hinduistischen Gott der Liebe und der Lust. Er reitet auf einem Papagei, dem Symbol der Sinnlichkeit.

Während die unteren Figurenreihen schöne Frauen-Skulpturen (apsaras) mit unterschiedlichen Haar-Stilen zeigen, sind die oberen Reliefs mit kleineren Figuren von dikpalas, matrikas und Göttern geschmückt. 

 Matrikas (aus dem Sanskrit »die Mütter«), manchmal auch Matara oder Matris bilden eine Gruppe von sieben (sapta), acht (ashtha) oder mehr Muttergottheiten, von denen zwei mit einem menschlichen Körper, aber mit einem Eberkopf (Varahi) bzw. Löwenkopf (Narasimhi) dargestellt werden. Dikpalas (auch Lokapalas) verkörpern im Hinduismus die Wächter der Himmelsrichtungen: Indra (den Osten), Agni (den Südosten), Yama (den Süden), Nitrit (den Südwesten), Varuna (den Westen), Vayu (den Nordwesten), Kubera (den Norden) und Isána (den Nordosten).  

Gegenüber der Vorhalle  befindet sich eine steinerne Platform ähnlich wie ein Thron. 

Osian

Osian (auch Osiyan) liegt am westlichen Rand des Aravalli-Gebirges im Übergang zur Thar-Wüste und war eine wichtige Handelsstadt am Kreuzungspunkt wichtiger Karawanenstraßen. Und so ist der Ort sowohl von Jodhpur (68 km, RJSH61) wie auch von Khimsar (70 km, MDR37 B) erreichbar. Von hier gelangt man über Pokaran nach Jaisalmer (240 km, RJSH61 und NH11).

Heute wird Osian als religiöses Zentrum von Brahmanen und Jains gleichermaßen besucht. Die Tempel sind über mehrere Quadratkilometer verstreut und stehen auf erhöhten Terrassen. Der Besucher hat 16 jainistische und hinduistische Tempel zur Auswahl, von denen zwölf aus der Zeit um 800 stammen und den Göttern Vishnu, Hari-Hara und Surya gewidmet sind. In einer westlichen Gruppe sind Hindu-Tempel zusammengefasst, beispielsweise der Surya-Tempel. Der am besten erhaltene Tempel, der Mahavira, thront rund 200 Meter weiter auf einem Hügel.

 

Sachiya-Mata-Tempel

Der brahmanische Sachiya-Mata-Tempel (Tempel der Wahrhaftigen Mutter) ist Sachiya geweiht, der Erd-, Fruchtbarkeits- und Muttergottheit der Wüste Thar, welche die neunte und letzte Inkarnation der Göttin Durga ist. Daher pilgern vor allem junge Ehepaare und kinderlose Frauen hierher, um von der Fruchtbarkeitsgöttin den ersehnten Kinderreichtum zu erflehen. Den Sachiya-Mata-Temple kann man als einen noch >lebenden<, also genutzten Tempel bezeichnen.

 

Der Tempel (1178) wird dem fremden Besucher vermutlich durch die breite, von reich dekorierten Toranabögen überspannte steile Treppe in Erinnerung bleiben. Sie führt hinauf zum Tempel, dessen Entstehungszeit auf das 8. Jahrhundert  zurückgehen soll. 

 

Vor der Mandapa (einem Pavillon gegenüber dem Tempel) und hinter dem Torbogen (torana) befinden sich Statuen, welche die Inkarnation von Durga in immer neuen Varianten zeigen. Der Tempel selbst wird flankiert von neun kleineren Tempeln. 

 

 

Kleine Türme umgeben den Tempelturm, die älteren Figuren und Reliefs sind noch relativ gut erhalten.

Surya-Tempel

 

Der Surya-Tempel aus dem 8. Jh. ist dem Sonnengott geweiht, dessen Kultbild im Sanktum steht, daher auch die Bezeichnung Surya- oder Sonnentempel. Der Sonnenkult war einst weit verbreitet, die Rauputen sehen den Sonnengott Surya als ihren Ahnherren. Der Sonnenkult war einst weit verbreitet, die Rauputen sehen den Sonnengott Surya als ihren Ahnherren. Der Surya-Tempel wurde später zu einem Kali-(Durga-) Tempel umgewandelt. Daher kann man noch eine Figur der vielarmigen Todesgöttin Durga sehen, die Asura tötet. Seit Jahrtausenden beten Hindus morgens der Sonne zugewandt. Der heiligste Vers der Veden ist die Gayatri- oder Savitri-Strophe an die Kraft der aufgehenden Sonne.

 

Der Tempel steht auf einer Plattform und hat eine Vorhalle mit einem Fries, der die Krishna-Legende illustriert. In der Mitte des Figurenfrieses befindet sich eine Lotosrosette, die von ineinander verschlungenen Nagas (Schlangen) umgeben ist. Das siebenstufige Tempeldach (Shikhara) wird durch üppiges Ziegelschnitzwerk verziert.

Mahavira-Tempel

Nur 200 Meter weiter liegt zu Füßen des Tempelberges der Mahavira-Tempel aus dem Jahr 783. Er ist der größte Jain-Tempel, der in seinen Ursprüngen noch aus der Regentschaft des Gurjar-Parihar-Rajputen Vatsaraja (775-805) stammt, und wurde dem letzten tirthankara Mahavira gewidmet, dessen Statue sich in der Cella befindet. Eigentlich ist der Tempel architektonisch eine Halle (>Tanzhalle<), über der sich eine Kuppel wölbt, die von verzierten Säulen gestützt wird.

 

 

Die Tempelanlage wurde aus rotem Sandstein auf einer weißen Terrasse erbaut. Einige Stufen führen in die offen gestaltete Vorhalle (mandapa) mit Säulen, die mit zahlreichen Schnitzereien versehen sind. Auch hier findet man wieder Reliefs anmutiger apsaras, also himmlische Nymphen aus dem Wirkungskreis Indras. 

Innerhalb des Tempelbezirks gruppieren sich sieben Schreine, mit Kultkammern weiterer tirthankaras um das Hauptheiligtum. Vor dem Tempel sieht man einen sehr schönen nahezu barocken Torbogen (torana), der als Eingangsportal errichtet wurde.

 

An der Außenseite sind zahlreiche Gottheiten zu sehen, beispielsweise der vedische >Gott des Feuers<, Agni, auch Indra (Gott des Donners), der zusammen mit Agni und Vayu, dem Gott des Windes, eine Götterdreiheit bildet, sodann Ishana (eine Erscheinung Shivas) und Kubera (der vedische Gott des Reichtums) sowie Nirriti, die als Göttin der Zerstörung gilt, schließlich der Wassergott Varuna und der Gott des Todes, Yama.

Harihara-Tempel

Wenn man vom Süden kommend auf der SH61 nach Jodhpur fährt gelangt man noch vor der Ortschaft zu einer Gruppe von Harihara-Tempeln, die beiderseits der Straße, nahe einem Fahrzeugpark, stehen. Nach der in der Nische eines der Tempel aufgestellten Kultfigur tragen sie den Namen Harihara. Diese Gottheit stellt eine Vereinigung der Aspekte Vishnus (Hari) und Shivas (Hara) dar. Während sich zwei Tempel auf der linken Straßenseite befinden, steht der dritte Tempel auf der rechten Straßenseite. Der Tempel 2 (auf einer hohen Plattform mit einer Treppe errichtet) stammt aus den Jahren 750 bis 850, der Tempel 3 wurde zwischen 775 und 1800. 

 

Die Tempel werden zu Unrecht vom Tourismus wenig beachtet. An den Außenwänden der Tempel (z.B. im Tempel 2) und in den überdachten Nischen an den Wänden der Plattform stehen noch gut erhaltene Bildnisse der Götter Agni, Buddha, Ganesh, Parvati, Shiva, Sikanda und Narasimha, (>Menschlöwe<), die vierte Inkarnation Vishnus. Auch Hari Hara ist abgebildet, so an der Ostseite des Tempels 2 sowie an der Südwand des ebenfalls auf einer hohen Plattform errichteten Tempels 3 mit seinen Balkonen. Dieser Tempel zeigt am Türrahmen über der Cella schöne Abbildungen von Kubera, Brahma, Lakshmi und Ganesh und hat einen Freies mit Krishna-lila-Szenen aus dem Leben Krishnas. An den Decken der Tempel befinden sich verschlungene Nagas. Etwas weiter östlich (hinter dem Parkplatz) befindet sich ein Tempeltank (kund).

In Fahrtrichtung weiter befindet sich an der rechts Straßenseite der ebenfalls auf einer Plattform erbaute Vishnu-Tempel aus dem Jahre 775 mit Cella. In den Nischen an der Außenwand der Cella sieht man an der nördlichen Wand Narasimha (>Menschlöwe<), die vierte Inkarnation Vishnus. An der südlichen Wand steht Trivikrama (ein anderer Name für Vishnu).

Folgt man der SH61 zu Fuß und biegt dann im Ort links in eine Barstraße, dann wieder links in eine kleine Gasse, gelangt man zu einem weiteren Harihar-Komplex mit drei Tempeln.  An ihnen kann man prächtig verzierte Außenmauern sowie reichen Skulpturenschmuck bestaunen.

© Rainer Waterkamp