Botswana

Meine Reisen

4. Juli 1992 - 18. Juli 1992

Von den Victoria Falls nach Botswana

 

Flug nach Maun

Vom Flugzeug aus ähnelt Botswana einem abgewetzten Teppich mit gelbrötlichem Gewebe und brüchigen Knitterfalten. Weiträumig verteilt ragen kleine schwarze Bäume auf, verbrannt oder verdorrt. Und hin und wieder eine schnurgerade Straße, die sich am Horizont verliert.

Am Südende des Okavango-Deltas landen wir auf dem kleinen Flughafen von Maun, dem Zentrum des Ngami-Landes mit Geschäften, Banken, Hotels und Safariunternehmen. Die Ortschaft ist gewissermaßen das Tor für dieses seltsame Reich, eine der wenigen Versorgungsstationen in einem Land, das zu den am dünnsten besiedelten Staaten der Erde gehört.

 

Ein Herero-Dorf

Wer nicht sofort nach der Ankunft nordwärts in die Nationalparks aufbrechen möchte, wird die Chance zum Besuch eines Herero-Dorfes oder eines Bootsausfluges mit Einbäumen auf dem Thamalakane-Fluss nutzen. Nahezu geräuschlos paddelt man durch Schilf und Riedgras, und häufig kommt man recht nahe an Wasservögel heran

 

Das Moremi Wildlife Reserve

Am nächsten Tag fahren wir zum Moremi Wildlife Reserve. Es ist eine schwierige, sandige Strecke, über die der Geländewagen durch Savannen und lichte Wälder rumpelt. Eine Viertelstunde nach dem Eintreffen auf dem Campingplatz der Botswana-Safaris bei Xakanaxa sind bereits alle Vorratskisten entladen und das Gepäck in den Zelten verstaut, die am Ufer des Okavango-Wassers stehen.

Gäste, die auf Großwildsafari gehen möchten, werden hier allerdings kaum auf ihre Kosten kommen, wohl aber Freunde von Reihern, Kormoranen, Pelikanen und Störchen, deren Silhouetten sich vor dem sherryfarbenen Licht der Abendsonne eindrucksvoll abheben.

 

Bootsfahrten im Okavango-Delta

Das Okavango-Delta ist wunderschön. Während der Trockenzeit von Mai bis August, wenn ringsherum alles ausdorrt, steigt der Wasserstand im Delta. Denn das Wasser des Okavango-Flusses der in den Bergen Angolas entspringt, benötigt drei bis vier Monate, bis es das etwa 16 000 Quadratkilometer große Sumpfdelta aus Inseln, Seen und Flussläufen erreicht und dann mitten im Land versickert. Bei Flut tauchen ganze Inseln unter Wasser, das erst zwischen September und März wieder seinen niedrigsten Stand erreicht. So wird das Delta in der regenlosen Zeit zu einem wichtigen Zufluchtsort für viele Tiere - und zu einer Touristenattraktion.

Obwohl man im Okavango-Gebiet nur selten in der Ferne Löwen brüllen hört, allenfalls das hysterische Kichern von Hyänen, bietet die Flusslandschaft genügend Möglichkeiten für individuelle Unternehmungen. Es gibt die Möglichkeit, durch Myriaden von Lagunen und schilfbestandene Wasseradern zu paddeln oder eine Safari zu Fuß in Begleitung erfahrener Rancher entlang einsamer Flüsse zu unternehmen, in denen sich Flusspferde und Krokodile tummeln. 

 

Sitatungas und Litschis

Auf den zahllosen Inseln im Delta versteckt sich die seltene und scheue Sumpfantilope, die Sitatunga, deren zierliches Geweih oftmals aus dem Schilfgras ragt, während der übrige Körper völlig verborgen bleibt. Auch die hübschen Litschis, Reh ähnliche Tiere, verbringen die Morgenstunden meist in den Nebenarmen und Seen des Deltas, während sie in den heißen Stunden auf kleinen Inseln Schutz vor der Sonne suchen. Auf dem schlüpfrigen Boden entkommen sie ihren Verfolgern vielfach durch die gewaltigen Sprünge, bei denen sie gleichzeitig alle Läufe vom Boden abheben.

 

Löwen und Elefanten

Bei Pirschfahrten mit dem Geländewagen sind Herden von Zebras, Giraffen, manchmal Elefanten und sogar Löwen zu entdecken - ein Hauch des geheimnisvollen, verlockenden und beunruhigenden Afrika. Vom kleinen Flugzeug aus betrachtet, breiten sich moosige grüne Plüschteppiche aus, zu sehen sind Inseln voller Palmen auf weißem Sand und glitzernde Flussläufe, die Papyrus und Schilf zerfurchen. Vogelschwärme erheben sich plötzlich wie Nebelschleier.

 

Flug über Okavango und die Kalahari

Wie unberührt von zivilisatorischen Eingriffen die Natur jedoch vielerorts noch ist, zeigt sich am eindrucksvollsten aus der Luft, denn vom Flugzeug aus offenbart sich ein erstaunlicher Kontrast zwischen üppiger Pflanzenwelt mit über 550 farbenprächtigen Vogelarten und der Kalahari, die aus Dornbuschsavanne und teilweise 300 Meter tiefem Sand besteht, der allerdings die zweitgrößten Diamantenvorkommen der Welt birgt.

Die ausgedehnten Flächen der monotonen Kalahari-Ebene werden nur selten von einzelnen Felsen unterbrochen. Es sind Inselberge, die stehen blieben, während die Ränder zerbröselten. Die Kalahari ist eine Trockensavanne, wobei sich karge Grasebenen, Dornbuschregionen und manchmal Gebiete mit lichten Mopanewäldern abwechseln. Überall sieht man Strychninsträucher, aus denen die Buschleute ein hochwirksames Gift gewinnen, das sie mit Giften von Schlangen, Spinnen und Skorpionen mischen.

 

San in den Tsodilo Hills

Gelegentlich breiten sich lichte Mopanewälder aus. In dieser unwirtlichen Gegen leben die San, Menschen, die kaum anderthalb Meter groß sind. Ihr Haar wächst in eng beieinander stehenden Büscheln. Sie scheinen grazil, fast schwächlich, sind schweigsam und recht scheu. Die mageren Männer haben aprikosenfarbene Haut und sind bis auf einen Lederschurz nackt. Die Sprache besteht aus eigenartigen Schnalzlauten. Es gibt kein offizielles Stammesoberhaupt, kein kodifiziertes Recht und keine vorgeschriebenen Strafen. Jede Jagdhorde ist in Familien aufgeteilt, die aus Mann, Frauen und Kindern besteht. Die zweite Frau eines Mannes ist gewöhnlich eine Schwester der ersten Frau. Kinder werden bis zum zweiten oder dritten Lebensjahr von der Mutter gestillt. Während der Trockenzeit sollen die Frauen angeblich unfruchtbar sein; Kindestötungen sollen vorkommen.

Während die Frauen wilde Melonen und Zwiebeln sammeln, gehen die Männer auf die Jagd. Die Beute wird grundsätzlich unter allen Angehörigen der Horde verteilt. Das tödliche Gift, mit dem sie die Pfeile präparieren, wird aus den Larven der Diamphidia-Käfer gewonnen, die unter den glänzenden Blättern einer Commiphora-Pflanze zu finden sind. Eine raffinierte Methode haben sie sich ausgedacht, um in dieser Trockenheit zu überleben: Sie füllen Straußeneierschalen mit Wasser und vergraben diese tief in den Sand, der unterhalb der Oberfläche kühl ist. Nur ein hohles Röhrchen ragt aus der Erde, aus dem die kostbare Flüssigkeit gesogen wird. Die Eierschale selbst bleibt im Boden und kann auch von Tieren nicht ausgegraben werden.

 

Savuti

Kann man in der Kalahari nur unter freiem Himmel übernachten, weil der Transport von schwerem Zeltmaterial im Flugzeug nicht möglich ist, so sind die einfachen Camps bei Savuti doch wenigstens mit Duschen und Toiletten ausgestattet. Die Savuti-Ebene ist benannt nach dem Fluss, der dem Linianty-Delta entspringt und nach etwa 150 Kilometern in der Mababe-Ebene endet.

Und die Dunkelheit der afrikanischen Nacht fasziniert: Unheimliche Geräusche jenseits des hauchdünnen Zeltstoffes lassen unbekannte Gefahren erahnen, zum Beispiel wenn in der Stille der Nacht ein Löwe brüllt oder eine Hyäne den Mülleimer am Rande des Camps polternd umwirft. Es ist Geschmackssache, ob man dieses Erlebnis genießen will oder sich in die „Chobe Game Lodge“ bei Kasane begibt, dem Jetset-Treff, im maurischen Stil erbaut, wo auch Liz Taylor und Richard Burton ihre zweiten Flitterwochen in gepflegtem Ambiente verlebten.

Savuti ist eine von Bäumen und Büschen durchzogene, etwa 2400 Quadratkilometer große Ebene. Man gelangt zu ihr auf einer Piste, die sich durch dichte Wälder und ebene Savannen windet. Während der anstrengenden Fahrt durch die unberührte Landschaft stößt man überall auf kleinere Herden von Wildtieren: Zebras, Giraffen und Tsessebeantilopen, einzelne Elefanten sowie Impalas, die oft nahe am Pistenrand stehen. Der blaue Himmel ist mit wattegleichen Kumuluswolken locker bedeckt. Davor ragen bizarre Bäume auf. Neben Palmen, Akazien, Ebenholzarten, Feigen und Baumgerdenien finden sich Wurstbäume mit streng riechenden länglichen Früchten. Seltener sind Affenbrotbäume, die Baobabs.

 

Im Chobe-Nationalpark

Hier halten sich die größten Tierherden Botswanas auf. Dank der guten Versorgung mit Wasser sind in dem knapp 7000 Quadratkilometer großen Chobe-Nationalpark zahlreiche Antilopenarten, große Büffelherden sowie Zebra, Gnu-, Antilopen- und Elefantenherden zu sehen - manchmal auch kleinere Löwengruppen, die im hohen und dichten Gras liegen. Im Unterschied zu den Mopane-Wäldern im Moremi-Nationalpark erstrecken sich hier weite Savannengebiete, die man mit dem Geländewagen durchstreifen kann. Am Chobe-Fluss lässt sich fast allabendlich beobachten, wie bei Sonnenuntergang die Elefanten im Fluss baden.