Auf dem Gunbarrel Highway

Aboriginal Land - Nur mit Sondergenehmigung zu betreten
Aboriginal Land - Nur mit Sondergenehmigung zu betreten

Eine der letzten Abenteuer-Routen für off-roadbegeisterte Traveller ist für europäische Reisende zwar nicht leicht zu realisieren, denn zunächst müssen einige Hürden überwunden werden, die von der Bürokratie errichtet wurden. Der Lohn der Bemühungen ist jedoch ein Abenteuer voller überwältigender Eindrücke und faszinierender Begegnungen: Die Wüsten-Durchquerung im Zentrum Australiens über den legendären Gunbarrell Highway quer durch die Gibson-Wüste mit einem Toyota Land-Cruiser

 

Heather Highway
Heather Highway

Von der Touristensiedlung Yulara, die Besuchern aus aller Welt als Ausgangspunkt für Touren zum faszinierenden Uluru und der eindrucksvollen Bergkette der Kata Tjuta dient, führt die Fahrt unvermittelt in eine wüstenähnliche Steppenlandschaft. Vorbei an der Hohle Lasseter's Cave, die nach dem Goldsucher Harold Lasseter (1880-1931) benannt ist, beginnt jetzt eine Offroad-Tour, auf der man viele Hundert Kilometer lang nichts anderes zu sehen bekommt als Sonne, Sand und Steine sowie Spinifex-Cras in allen erdenklichen Farbschattierungen - weiß und gelb, grün und bläulich.

Gedenktafel Lasseter's Cave
Gedenktafel Lasseter's Cave

Plötzlich tauchen die verrosteten Wellblechhütten der 1968 gegründeten Ortschaft Kaltukatjara (Docker River) auf; dann wird die Grenze des Northern Territory nach Western Australia überquert. In der meteorologischen Station in Giles arbeitet ein halbes Dutzend Wissenschaftler, abseits jeglicher Zivilisation, weit entfernt von ihren Frauen und Kindern, jeweils ein halbes Jahr lang. Nicht viel spannender ist die Missionsstation Warburton. Sie wurde nach dem Forschungsreisenden Peter Warburton benannt, der als erster Europäer die Große Sandwüste durchquerte

Spurrillen
Spurrillen

Weiter geht die Fahrt nach Steptoe's Turn-off und von hier auf den miserablen Heather Highway. Er heißt nach Heather Hewitt, der Tochter des damaligen Superintendenten von Warburton. Bei Len Beadells Tree and Plaque mündet der Weg schließlich in den eigentlichen Gunbarrel Highway. Dieser führt in einem weiten Bogen quer durch ein riesiges Dünengebiet und ist eine der Pisten, die Leonard (Len) Beadell (1923-1995), der letzte große Erforscher Australiens, quer durch den Westen Australiens trieb.

Karge Baumstümpfe ragen jämmerlich aus dem trockenen, tiefroten Sandboden. Auf unserer australischen SpeziaIkarte ist mehrfach »Caution - heavy sand" (Achtung: Sandverwehungen) und »abandoned« (verlassenes Gebiet) verzeichnet. Tatsächlich wird der Highway zunehmend schlechter und entpuppt sich streckenweise als tückische Piste voller waschbrettartiger Querrillen, die die Blattfedern laut ächzen lassen.

Steptoe's Turn-Off
Steptoe's Turn-Off

Der Mount Beadell, der nach besagtem Straßenbauer Len Beadell benannt wurde, liegt weit entfernt von jeder menschlichen Ansiedlung. Mount Beadell wurde nach dem Erbauer des Gunbarrel Highway, Len Beadell, benann. Der gegen den Abendhimmel gestreckte kleine rote Berg bietet die geeignete Kulisse für das Buschcamping mit knisterndem Lagerfeuer und gegrilltem Steak.

Mount Beadell
Mount Beadell

Der folgende Streckenabschnitt ist voller Spinifex - graugrüne Büsche mit Stachelgras. Der Mount Everard entpuppt sich als nicht viel mehr als eine Felsnase, doch hat man von dort einen prächtigen Blick über die Gibson Desert.

Mount Everard
Mount Everard

Bei Everard Junction geht es zum Geraldton Historical Society Bore, einem Brunnen, der hier vor Jahren angelegt wurde. »lt may save a life«, steht auf einer Tafel zu lesen, »use it, respect it & leave it here«. Mit der kleinen Handpumpe kann man Trinkwasser aus der Tiefe hochpumpen

Mittagsrast
Mittagsrast

Auf der folgenden Piste hinter der Carnegie Homestead foltert uns das »Wellblech« - die gefürchteten Querrillen.

Carnegie Homestead
Carnegie Homestead

Am Rand der Piste stehen vereinzelt Wüsteneichen, weithin erstreckt sich die Spinifex-Steppe. Als Wegweiser dienen viele Metalltafeln, die noch an Len Beadell erinnern. 

 

Metalltafeln als Wegweier
Metalltafeln als Wegweier

150 Kilometer vor Wiluna, der ersten Siedlung seit Tagen, schlagen wir unsere Zelte für das Buschcamping auf. Ein zauberhafter Sonnenuntergang versöhnt mich mit den Strapazen der vergangenen Stunden. Noch einmal eine gewaltige Anstrengung. Wir haben die kürzere, aber schwierigere Strecke nach Meekatharra gewählt und nicht die längere Route über Sandstone und Paynes Find

Bush-Camping in der Wüste
Bush-Camping in der Wüste

Dann endlich: Meekatharra, früher ein Verladebahnhof für das Vieh, das aus dem Nord-Territorium und den östlichen Kimberleys heruntergetrieben wurde. Heute noch immer Minenstadt. in deren näherer Umgebung Gold und Kupfer gewonnen werden. Rings um diesen Ort gibt es heute große Schaf- und Rinder-Ranches. Hier geht unsere abenteuerliche Reise quer durch die Gibson-Wüste auf dem Heather Highway und dem Gunbarrel Highway glücklich zu Ende.

 

© Rainer Waterkamp