Auf dem Gibb River Road

Für Allrad-Geländewagen ist die Gibb River Road, eine Sandpiste voller Schotter und Querrillen, eine Routine-Route - 650 Kilometer von Derby nach Kununurra am Ord River. Klares Wasser verdoppelt das Blau des Himmels, Oasen laden zur Rast während der heißen Mittagsstunden, mächtige Baobabs mit enorm dicken Stämmen und einer Haut wie Seide, riesige Termitenhügel und immer wieder rote Berge säumen den Weg. Die Räder wirbeln Staubwolken mit solcher Wucht auf, dass die zurückbleibende Landschaft

Auf dem Gib River Road
Auf dem Gib River Road

Geikie Gorge und Windjana Gorge

Von Fitzroy Crossing gelangt man auf staubiger Straße vorbei an sechs bis 18 Meter hohen Kajeput- und Weißbäumen zur Geikie Gorge, im wohl meistbesuchten National Park (ein größtenteils gesperrtes „Sanctuary") der Kimberleys. Vor 350 Millionen Jahren war die Schlucht ein Teil eines Korallenriffs, baute sich in einem riesigen tropischen Meer ein breites Riff auf, in das sich der Fitzroy River tief eingegraben hat. Noch immer ist das Korallenriff zu sehen, das einmal das Kimberley-Bergland umfangen hat. Über die vielen Jahre haben sich Stachelrochen und Schwertfische an das Süßwasser angepasst. Oberhalb des Wassers sind die Felsen hell, eigenartig durchlöchert und mit kleinen Mustern besetzt. Die 14 Kilometer lange und bis zu 30 Meter tiefe Schlucht, deren Kippen bis auf 15 Meter Höhe weiß ausgewaschen sind, wird von dichtem Grün gesäumt: tropischen Papierrindebäumen, Flusseukalypten und Süßwassermangroven.

Geikie Gorge
Geikie Gorge

Im Windjana Gorge National Park liegt die faszinierende Windjana Gorge glitzernd in der Abendsonne. In dem Bett der Schlucht funkelt das Wasser des Flusses wie mit Edelsteinen besetzt in der Sonne. Wir wandern auf einem Pfad in der Talsohle, durch feinen Sand, entlang steiler, die Farben ständig wechselnder fast 100 Meter hoher Felswände. Baobabs versperren manchmal den Weg, lebendige Wesen zwischen wolkenlosem Himmel und dem Wasser des Flusses, das wie mit Edelsteinen besetzt in der Sonne funkelt. Riesige Vogelschwärme kehren kreischend in die rot leuchtende Schlucht ein und verschwinden wieder im Unsichtbaren.

Windjana Gorge
Windjana Gorge

Südöstlich der Windjana Gorge befindet sich im Tunnel Creek National Park der 750 Meter lange, zwischen drei und zwölf Meter hohe und bis zu 15 Meter breite, natürliche Tunnel Creek, der durch das Napier Gebirge führt und als einzige Lichtquelle nur in der Mitte ein Loch im Fels hat. Während der Regenzeit muss man Teile des Tunnels durchschwimmen.

 

Tunnel Creek
Tunnel Creek

Die wilden Kimberleys 

In der Abenddämmerung wandeln sich die zerklüfteten Bergkämme der King Leopold Ranges mit dem Inglis Gap vom atemberaubenden Rot zum Purpur. Hinter der King Leopold Ranges wird flachwelliges, offenes Buschland durchquert. Sehr hohes, leuchtendes Spinifex-Gras mit dicken Halmen begleitet die Fahrt zu dieser Range, zunächst durch abgestürztes Granitgestein. Die Stämme der sechs bis 18 Meter hohen Kajeput- und Weißbäume sowie der Eukalyptusbäume („Ghost gums" von den Eingeborenen genannt) sind auffallend weiß.

 

In den Kiberleys
In den Kiberleys

Vorbei an den bizarren, rot leuchtenden Tafelbergen geht es über einen langen, rauen Track zur Mt. Hart Homestead. Dann zweigt ein Track zur Lennard River Gorge ab, einer fünf Kilometer langen Schlucht mit Wasserfall. Es folgt ein Tal mit steilen rostbraunen bis ockerfarbenen Wänden und dann kommt man am Abzweig zur Silent Grove Homestaead vorbei sowie von einem weiteren Abzweig zur Mt. House, wo man tanken und seine Vorräte füllen kann. Weiter geht es über einen Grid zu einem Abzweig, der zur Adcock Gorge führt, sodann zur Galvans Gorge, einer Schlucht mit kleinen Pools. Ein Track führt zu Isdell Gorge und Falls.

 

Cockburn Range
Cockburn Range

Die Philipps Range, die jetzt beginnt, ist voller Spinifex. Über das erodierte Tafelland, zwischen den auffallend weißen Stämmen der hohen Kajeput- und Weißbäume sowie der Eukalyptusbäume (»Ghost gums« von den Eingeborenen genannt), tanzen Willy willies, Windgebilde aus dem Staub der Straßen. Der Weg windet sich höher und höher. Der Himmel ist jetzt fast weiß-heiß. Vorbei an den bizarren, rot leuchtenden Tafelbergen geht es zur Mount Barnett Homestead Station. Hier sind nach anstrengender und trockener Fahrt Erfrischungen gefragt. An dem herrlichen klaren See der Manning Gorge kann man sich erholen.

 

Philipps Range
Philipps Range

Der Barnett River wird überquert und dann geht es zu ein Abzweig zur Barnett Gorge, die sich 30 Meter hoch in den Kimberleys erhebt und mit dem Barnett River im Maul der Schlucht sowie einem Wasserfall begeistert, der sich in einen mit weißem Sandstreifen und glatten Felsen umrahmten Pool ergießt. Hohes, gelbes Gras begleitet die Weiterfahrt. In Galvans, Adcock und der Barnett Gorge gibt es Teiche zum Schwimmen, in denen Wasserlilien blühen, seichte Weiher, die mit den großen Blüten der Riesen-Seerose bedeckt sind, mit dicht an dicht wuchernden gelben Sumpfrosen. Diese Gegend erwartet keine Touristen und bietet daher auch keine Infrastruktur. Der Weg ist rau, die Creeks sind unzählbar und die roten Berge im Hintergrund scheinen kein Ende zu nehmen

Station am Barnett Gorge
Station am Barnett Gorge

Letzte Tank- und Einkaufsmöglichkeit ist die Mt. Elizabeth Homestead, zu der ein 30 Kilometer langer Weg führt. Die Piste wird sehr rau. Dann gabelt sich die Straße und man folgt dem Gibb River Road in nordöstlicher Richtung, der teilweise den Eindruck eines Feldweges macht. Am Durack River ist „wildes Camping" angesagt, viele Kilometer vom nächsten bewohnten Stützpunkt entfernt. Die Karunji Homestead an einem Abzweig kann man erst nach weiteren 50 Kilometern Fahrt erreichen. An Jack's oder Joe's Waterhole empfiehlt es sich, nochmals Vorräte aufzufüllen, bevor man von der Cockburn Range einen schönen Ausblick (Pentecost Lookout) auf die weite Landschaft genießt. Weiter geht es zur Home Valley Homestead und zum Old Karunji Road (nicht ausgeschildert) gleich hinter dem Pentecost River sowie auf einem Abzweig zur El Questro Homestead mit Campground, Bungalows und Einkaufsmöglichkeiten führt.

 

Abzweigung am Victoria Highway
Abzweigung am Victoria Highway

Schließlich durchquert man die King River-Furt und gelangt auf den Great Northern Highway. 

 

© Rainer Waterkamp