Australien - Zentrum

Meine Reisen

 

28. Juni 1987 - 26. Juli 1987

 

25. Februar 1989 - 16. März 1989 (Mumbai - Singapur - Johore Bahru/Malaysia - Adelaide - Mt.Gambier - Alice Springs - Melbourne - Philipp Island - Canberra - Sydney - Goldküste mit Coolangatta - Brisbane - Hongkong - Macao - Zhong Shan)

 

14. Mai 1993 - 30. Mai 1993 (Darwin - Alice Springs - Cairns - Sydney)

 

Literatur

Australien. Globetrotter, artcolor-Verlag, Hamm 1989 , 1990, Neuauflage 1993–ISBN: 3-89261-084-3, 3-89261-332-X

 

Die schönste Reise meines Lebens, Bruckmann, München 2012 (»Der Weg ist das Ziel - durch die Gibson Desert in Australien«), -ISBN: 978-3-7654-5775-3

 

Secret Places. 100 unbekannte Traumreiseziele weltweit, Bruckmann, München 2019 (1. und 2. Auflage), Neuauflage 2020. Beitrag »Gunbarrel Highway«, -ISBN-13: 978-3-7343-1272-4.

Reportage: Auf dem Gunbarrel Highway

Auf dem Gunbarrel Highway

Eine der letzten Abenteuer-Routen für off-roadbegeisterte Traveller ist für europäische Reisende zwar nicht leicht zu realisieren, denn zunächst müssen einige Hürden überwunden werden, die von der Bürokratie errichtet wurden. Der Lohn der Bemühungen ist jedoch ein Abenteuer voller überwältigender Eindrücke und faszinierender Begegnungen: Die Wüsten-Durchquerung im Zentrum Australiens über den legendären Gunbarrell Highway quer durch die Gibson-Wüste mit einem Toyota Land-Cruiser

Von der Touristensiedlung Yulara, die Besuchern aus aller Welt als Ausgangspunkt für Touren zum faszinierenden Uluru und der eindrucksvollen Bergkette der Kata Tjuta dient, führt die Fahrt unvermittelt in eine wüstenähnliche Steppenlandschaft. Vorbei an der Hohle Lasseter's Cave, die nach dem Goldsucher Harold Lasseter (1880-1931) benannt ist, beginnt jetzt eine Offroad-Tour, auf der man viele Hundert Kilometer lang nichts anderes zu sehen bekommt als Sonne, Sand und Steine sowie Spinifex-Cras in allen erdenklichen Farbschattierungen - weiß und gelb, grün und bläulich.

Plötzlich tauchen die verrosteten Wellblechhütten der 1968 gegründeten Ortschaft Kaltukatjara (Docker River) auf; dann wird die Grenze des Northern Territory nach Western Australia überquert. In der meteorologischen Station in Giles arbeitet ein halbes Dutzend Wissenschaftler, abseits jeglicher Zivilisation, weit entfernt von ihren Frauen und Kindern, jeweils ein halbes Jahr lang. Nicht viel spannender ist die Missionsstation Warburton. Sie wurde nach dem Forschungsreisenden Peter Warburton benannt, der als erster Europäer die Große Sandwüste durchquerte.

Weiter geht die Fahrt nach Steptoe's Turn-off und von hier auf den miserablen Heather Highway. Er heißt nach Heather Hewitt, der Tochter des damaligen Superintendenten von Warburton. Bei Len Beadells Tree and Plaque mündet der Weg schließlich in den eigentlichen Gunbarrel Highway. Dieser führt in einem weiten Bogen quer durch ein riesiges Dünengebiet und ist eine der Pisten, die Leonard (Len) Beadell (1923-1995), der letzte große Erforscher Australiens, quer durch den Westen Australiens trieb.

Karge Baumstümpfe ragen jämmerlich aus dem trockenen, tiefroten Sandboden. Auf unserer australischen SpeziaIkarte ist mehrfach »Caution - heavy sand" (Achtung: Sandverwehungen) und »abandoned« (verlassenes Gebiet) verzeichnet. Tatsächlich wird der Highway zunehmend schlechter und entpuppt sich streckenweise als tückische Piste voller waschbrettartiger Querrillen, die die Blattfedern laut ächzen lassen.

Buschcmaping: Mittagsrast und Zeltübernachtung

Der Mount Beadell, der nach besagtem Straßenbauer Len Beadell benannt wurde, liegt weit entfernt von jeder menschlichen Ansiedlung. Der gegen den Abendhimmel gestreckte kleine rote Berg bietet die geeignete Kulisse für das Buschcamping mit knisterndem Lagerfeuer und gegrilltem Steak.

Der folgende Streckenabschnitt ist voller Spinifex - graugrüne Büsche mit Stachelgras. Der Mount Everard entpuppt sich als nicht viel mehr als eine Felsnase, doch hat man von dort einen prächtigen Blick über die Gibson Desert. 

Bei Everard Junction geht es zum Geraldton Historical Society Bore, einem Brunnen, der hier vor Jahren angelegt wurde. »lt may save a life«, steht auf einer Tafel zu lesen, »use it, respect it & leave it here«. Mit der kleinen Handpumpe kann man Trinkwasser aus der Tiefe hochpumpen.

Auf der folgenden Piste hinter der Carnegie Homestead foltert uns das »Wellblech« - die gefürchteten Querrillen. 

Am Rand der Piste stehen vereinzelt Wüsteneichen, weithin erstreckt sich die Spinifex-Steppe. Als Wegweiser dienen viele Metalltafeln, die noch an Len Beadell erinnern. 

150 Kilometer vor Wiluna, der ersten Siedlung seit Tagen, schlagen wir unsere Zelte für das Buschcamping auf. Ein zauberhafter Sonnenuntergang versöhnt mich mit den Strapazen der vergangenen Stunden. Noch einmal eine gewaltige Anstrengung. Wir haben die kürzere, aber schwierigere Strecke nach Meekatharra gewählt und nicht die längere Route über Sandstone und Paynes Find. 

Dann endlich: Meekatharra, früher ein Verladebahnhof für das Vieh, das aus dem Nord-Territorium und den östlichen Kimberleys heruntergetrieben wurde. Heute noch immer Minenstadt. in deren näherer Umgebung Gold und Kupfer gewonnen werden. Rings um diesen Ort gibt es heute große Schaf- und Rinder-Ranches. Hier geht unsere abenteuerliche Reise quer durch die Gibson-Wüste auf dem Heather Highway und dem Gunbarrel Highway glücklich zu Ende.

 

Reportage: Highway ins Outback

Der Reisende, der das Abenteuer einer Geländewagenfahrt von Darwin, der Biertrinker-Hochburg im tropischen Norden, in das Zentrum des »roten Kontinents« wagt, wird unausweichlich die Bekanntschaft mit dem machen, was die Australier »bull dust« nennen: die gelb-rote brisante Mischung aus Sand und Staub, die bei Trockenheit den ganzen nördlichen Kontinent zu bedecken scheint. Die Flüsse sind braun verschlammt, brackig und tiefrot vom Lehm. Und die riesigen Mulden sind unvorhersehbar tief. Gerät man zu langsam hinein, bleibt man hoffnungslos stecken. Fährt man zu schnell, wird die Bugwelle rasch übermächtig. 

Westlich vom Stuart Highway ist noch immer Pionierland, Australiens »last frontier« mit mächtigen Bäumen, endlosen Weiten und wenigen »long-grass-people«-Typen, umherziehenden Vagabunden, schweigsamen Außenseitern, teilweise an der Zivilisation gescheiterten Exoten mit dunkler Vergangenheit und ungewisser Zukunft. Östlich des Stuart Highways ist es nicht weniger trostlos – endlos weites, wildes Land mit Menschen, die ihre Tätowierungen tragen wie lebende Bildnisse, deren Humor so trocken ist wie der Sand ringsum, die selten ohne eine geöffnete Bierdose in der Hand zu sehen sind – Niemandsland »Never never«, am Rande der Welt »down under«.

Nur wenige Kilometer von Darwin entfernt erstreckt sich östlich ein Nationalpark mit zwei landschaftlich unterschiedlichen Gebieten: der Kakadu-Nationalpark, zweieinhalb Mal so groß wie Luxemburg, konfrontiert den Reisenden sowohl mit einem Überschwemmungsgebiet, zahlreichen Billabongs und Lagunen, zum andern mit steil aufragenden Felsen und fantastischen Schluchten, Wasserfällen und Flüssen. Die einzigartige Flora reicht von Mangrovenwäldern an der Küste sowie schlickigen Ufern des westlichen und östlichen Alligator River über offenes Grasland bis zu nahezu unberührten Eukalyptus- und Regenwäldern am Arnhemland-Plateau. Crocodile Dundee lässt grüßen! 

Als Dokumentation alter Aborigines-Kunst mit rund eintausend Felszeichnungen und Malereien, die bis zu 20.000 Jahre alt sind, steht der Park auf der UNESCO-Liste der wichtigsten und erhaltenswerten Kulturdenkmäler der Welt. Die zeitlosen Malereien am Nourlangie Rock und am Obiri Rock zeigen Menschen, Kängurus und Schildkröten. Von einem Felsen in der Nähe des Nourlangie Rock erblickt man in der Ferne die Senken des Arnhem-Plateaus. Hier lebt für die Ureinwohner noch Namarrgon, der die Stürme fegt und Blitz und Donner schickt. In der Trockenzeit ist der Besuch des Nationalparks mit einem Geländewagen problemlos zu bewältigen: nur während der Regenzeit kommen selbst Allrad-Fahrzeuge hier nicht durch. 

Am Kreuzungspunkt des Stuart Highway mit dem Victoria Highway, der nach West-Australien führt, liegt Katherine. Wahrscheinlich würde dieses triste Nest noch immer einer der zahllosen Vorposten versprengter Abenteurer und Stockmen, wie die Cowboys hier genannt werden, in der endlosen Einsamkeit des Outback sein, hätte der Tourismus nicht den Katherine River entdeckt. 

Insgesamt 13 Schluchten winden sich zwölf Kilometer lang durch den Sandstein, danach öffnet sich ein breites Tal. Jede der Schluchten, die sich im glitzernden Fluss spiegeln, hat ihren eigenen Charakter, neun Schluchten sind vom Fluss aus zugänglich. An den bis zu 70 Meter hohen Felsflanken sind viele tausend Jahre alte Felszeichnungen der Ureinwohner zu sehen. Wildbäche, Wasserfälle, Strudel und Stromschnellen sowie das Spiel von Licht und Schatten vermitteln einen grandiosen Eindruck von der tosenden Kraft des Katherine Flusses. Am Ufer sonnen sich Süßwasserkrokodile, in den Bäumen wiegen sich behaupte Papageien, schwatzhafte Kakadus und lebhafte Bienenfresser mit farbenprächtigem Kopfgefieder. 

Während der Weiterfahrt auf dem Stuart Highway fällt unser Blick von Zeit zu Zeit auf eines der kleinen Provinznester, die als Verstärkerstationen für die Telegrafenlinie entstanden waren, wie Daly Waters. 

Bei Renner Springs beginnt die Reise durch Trockengebiete. Die Savannen des Küstengebietes liegen nun endgültig zurück, voran erstrecken sich die unwirtlichen, trockenen Ebenen des Landesinneren. Es ist eine unbeschreibbare Einsamkeit, die man hier erlebt, eine eintönige, rotbraun gefärbte Wegstrecke. 

Verloren und nahezu vergessen Tennant Creek, eine Goldgräberstadt im Nirgendwo, mit einer 1872 errichteten Telegrafenstation, bei der zwei namenlose Gräber zu besichtigen sind. Die in dieser Gegend lebenden Warramunga haben verhindert, dass sich Weiße vor 1880 hier festsetzen konnten. 

Etwa hundert Kilometer südlich erheben sich zu beiden Seiten des Stuart Highway einige Haufen gigantischer, runder Felsblöcke: die Devil’s Marbles. Diese rötlichen Granitkugeln sollen einst ein einziger Felsen gewesen sein, bis durch Erosion die einzelnen Blöcke abgetrennt wurden, die immerhin eine Größe bis zu sieben Meter Durchmesser haben. Nach einer Legende der Eingeborenen handelt es sich bei den anderthalb Millionen Jahre alten Felskugeln um die Eier der Regenbogenschlange Wanambi.

Dunst steht wie Rauch über dem Highway, auf dem riesige Trucks mit einer ungeheuren Staubwolke hinter sich entlang donnern. Diese »Roadtrains« genannten gewaltigen Lastwagengespanne mit bis zu vier Anhängern sind kraftstrotzende Symbole des fünften Kontinents. Wie roboterhafte Ungetüme einer außerirdischen Welt donnern die PS-Kolosse über die Pisten, eingehüllt in einen Dunst aus Staub- und Sandwolken, am Bug wie gewaltige Schaufeln massive bullbars (oder cangaroo-catcher, wie sie hierzulande genannt werden) gegen Kängurus und Wasserbüffel. Kein Trucker nimmt seinen Fuß auch nur einen Millimeter vom Gaspedal, wenn ein Känguru oder ein Rind den Highway kreuzt. Der lange Bremsweg würde die Karambolage nicht verhindern und nur die gesamte Ladung ins Rutschen bringen. Auch wir machen den Autoriesen respektvoll Platz und warten in sicherer Entfernung am Straßenrand.

Die scharfkantige Bergkette der MacDonnell-Ranges, die Alice Springs in einem weiten Bogen umfasst, zieht sich mehrere hundert Kilometer durch das Land. In der Umgebung gibt es eine ganze Reihe spektakulärer Gebirgsschluchten, die einen Besuch lohnen: Emily und Jessie Gaps, Ormiston Gorge, Simpson’s Gap und Finke Gorge mit Palm Valley. Uns hält jedoch nichts mehr, wir müssen zum Uluru, der wie ein Ungeheuer aus grauer Vorzeit 348 Meter aus Sand, Spinifex-Gras und Mulga-Gestrüpp herausragt. Sein Entdecker Ernest Giles wusste noch nicht, dass die gewaltige Sandsteinformation sich noch Hunderte von Metern unter der Erde fortsetzt. 

 

Bis heute hat der Uluru, wie die Eingeborenen den Ayers Rock nennen, kultische Bedeutung für die Aborigines. Insbesondere einige der Höhlen und Risse rings um den Berg sind Besuchern deshalb nicht zugänglich. Dennoch gehört der Uluru neben dem Kakadu-Nationalpark zu den am meisten besuchten Nationalparks Australiens, was ihn auch besonders gefährdet. Das Land wurde 1985 offiziell wieder den Aborigines zugesprochen, zugleich aber von der Bundesregierung zur touristischen Nutzung gepachtet. Zwei Jahre später wurde der Park von der UNESCO zum erhaltenswerten »Erbe der Menschheit« erklärt, ein gewisser Schutz vor Zerstörung.

Für uns bleibt das Spiel der Farben unvergesslich: Im vollen Schein der Morgensonne leuchtet der Uluru, weithin bekannt auch als Ayers Rock,  pastellfarben und rosa. Steigt die Sonne höher und liegen die Felswände im Schatten, färbt er sich braun und grau, dann gelblich. Am späten Nachmittag, wenn es regnet, glänzt er silbrig, bis die letzten Sonnenstrahlen ihn in Hellrot oder Gold tauchen. Wenn die herabsinkende Sonne die Landschaft in ein gespenstisches Licht versenkt, beginnt der heilige Berg tiefrot zu glühen, bis er bei Einbruch der Nacht nur noch als tintenschwarze Silhouette am Himmel zu erkennen ist. 

Mit dem Geländewagen machen wir einen Abstecher zu den 28 Steinblöcken der Olgas, die sich 32 Kilometer weiter westlich befinden. Ernest Giles, der erste Weiße, der sie sah, nannte sie nach einer russischen Prinzessin. Mit 1072 Metern ragt der Mount Olga, der höchste dieser Steinklötze, aus dem Buschland auf. Am frühen Vormittag leuchtet die mysteriöse Anhäufung domartiger Felskuppeln in braunroten Farben. Die Eingeborenen nennen die Berge Katatjuta (viele Köpfe), und um jeden rankt sich eine Legende, was schon die Namen andeuten: Mudjera, rote Eidechse der Sandhügel oder die kleineren Mingarri, Beutelmäuse, die in einem Lager zwischen Mulga-Bäumen spielen. Ganz gebannt vom Zauber des Ortes, kommen uns diese Geschichten plötzlich viel plausibler vor als alle Erklärungen zur Erosionsgeschichte.