Australien - Westaustralien

Meine Reisen

28. Juni 1987 - 26. Juli 1987

9. Oktober 1995 - 1. November 1995

Im Outback Westaustraliens

Voller Kontraste ist Australien – und ungezügelt schön. In West-Australien, im Goldenen Westen, spürt der Besucher den Geist der Pioniere – im Staub der Wüsten, im Sand der Strände sowie auf Rinder- und Schaffarmen. 

 

Nambung Nationalpark mit den Pinnacles

200 Kilometer nördlich von Perth erstreckt sich der Nambung-Nationalpark. Hier, wo die Landschaft zunächst saftig grün ist, öffnet sich plötzlich ein flaches, von Brauntönen überzogenes Gelände. Links und rechts des Weges nichts als niedriges Gebüsch. Dann gibt der Vorhang aus rotem Sand und gelbem Staub den Blick frei auf die Skulpturen der Kalziumsäulen, die der Wind, der phantasievolle Designer, hier geschaffen hat: die Pinnacles.

Die bis zu fünf Meter hohen Felsformationen sollen dadurch entstanden sein, dass alte Wurzelgänge im Laufe der Jahrhunderte durch mineralhaltigen Regen von Kalkablagerungen überzogen und später vom Wind freigelegt wurden. In der gelblichen Mondlandschaft zaubern die von der Natur gemeißelten bizarren Steinformationen im langen Schatten der untergehenden Sonne überraschende Farbvariationen und Silhouetten, die an Plastiken von Rodin, Henry Moore oder Giacometti erinnern.

 

Kalbarri-Nationalpark 

Fast 400 Kilometer weiter nördlich am North West Coastal Highway liegt der Kalbarri-Nationalpark mit dem 80 Kilometer langen, gewundenen Canyon des Murchison River. Es sind vor allem die landschaftlichen Schönheiten des 80 Kilometer langen, bis zu 100 Meter tiefen, gewundenen Canyons, welche den Besuch dieses Nationalparks attraktiv machen. Im Lauf von Millionen Jahren grub sich der Murchison River quer durch das Gebirge sein Bett, windet sich zwischen himmelstürmenden Felsschluchten und hohen Küstenklippen im Park, die am eindrucksvollsten am frühen Morgen sind, wenn herrliche Farben von den verschiedensten Rot- und Orangetönen bis zum Tiefviolett begeistern. Weite, fruchtbare Täler und enge Schluchten entstanden, in dem über 500 Arten von Wildblumen gedeihen.

Vom Loop, einer Flussschleife, die fast einen Kreis bildet, über einen schmalen Steg an der spektakulären Schlucht entlang gelangt man zur Felsformation Nature's Window, ein rotbraunes „Fenster" im Sandstein des Felsens, durch das man in das zerklüftete Tal blickt. Die Felsformation besteht aus übereinandergeschichteten Gesteinslagen.

Besuchenswert ist auch der Felsen Hawks Head, der aussieht wie der Kopf eines Habichts. Von der Kliffwand bietet sich ein phantastischer Blick hinunter auf den grünblauen Murchison River, in dessen Fluten sich die rote Uferschlucht eindrucksvoll glasklar widerspiegelt. Etwas nördlich der Ortschaft Kalbarri an der Küste zerschellte 1712 das holländische Schiff „Zuytdorp", dessen Bergungsgut im Museum von Geraldton zu sehen ist. 

 

Gascoyne Junction und Cobra Station

Die Fahrt zum touristischen Fixstern Mount Augustus ist anstrengend, in flimmernder Hitze scheinen die Berge der 200 Kilometer langen und 30 Kilometer breiten, wilden Kennedy Range am Horizont in der roten Dünenlandschaft wie in einem unendlichen Meer zu schwimmen. Teile des Gebirges gehören zu einem Privatbesitz, so dass man bei den Farmern eine Erlaubnis zur Durchfahrt einholen sollte.

Büschel aus goldgelbem Spinifex-Gras und stachlige Sträucher reihen sich in unendlicher Folge aneinander. Dornenzweige kletten sich an Hosenbeine, als wollten sie den Gast niemals mehr loslassen. Einsamkeit und Eintönigkeit unter einem sanften, blauen Himmel verstärken das Gefühl der endlosen Weite. Die Berge der wilden Kennedy Range scheinen am Horizont auf einem flimmernden Hitzemeer zu schwimmen. Am Rande der Piste werden Kadaver von Kängurus, um die sich große schwarze Vögel balgen, zum gewohnten Anblick. Die Dämmerung und das Scheinwerferlicht der Autos sind ihr Verhängnis. Obwohl die Kühler zum Schutz gegen Kängurus und Rinder mit einem »bull fence«, einem Schutzgitter, versehen sind, kann ein Zusammenprall gefährlich werden.

Gascoyne Junction liegt in der an Edelsteinen reichen Kennedy Range, deren rote Dünenlandschaft mit Spinifex und Mulga, einer Akazienart, bewachsen ist. In der Umgebung gibt es riesige Farmen, auf denen Schafe gezüchtet werden. Zwischen Schluchten und Klippen der Range haben sich fischreiche Wasserlöcher gebildet. In ihrer Nähe tummeln sich Adler, Emus, Papageien und Kängurus. In Gascoyne Junction, so heißt es auf einem verwitterten Holzbrett, gibt es das beste Fassbier des Nordwestens. Es ist das letzte kalte Bier für die nächsten 450 Kilometer durch den Busch auf einer blutroten, staubigen Piste.

Der Abenteurer fährt von hier aus zunächst über Daurey Creek zur Cobra Station, die bereits 1896 für Bergarbeiter errichtet wurde. Die Strecke ist akzeptabel. Auch hier bezeugt ein Schild vor der rustikalen Bar, dass dies der »letzte Pub« für die nächsten 397 Kilometer sei - hier im Inneren des Kontinents, wo die befestigten Straßen enden, wo Rinderherden den Staub aufwirbeln und die Farmhäuser immer seltener werden. Die Menschen hier sind sonnenverbrannt, hager, eher wortkarg und herb.

 

Der Mount Augustus

Von Cobra Station aus, wo auch übernachtet werden kann, geht es ostwärts zum Mount Augustus. Im 1989 eingerichteten Mount Augustus National Park (91,69 qkm), 1858 benannt von F.T. Gregory (1821 –1888) nach seinem Bruder Augustus, der eine Expedition leitete, die den verschollenen Ludwig Leichhardt (1813 – 1848) auffinden sollte. Der sieben Kilometer lange und drei Kilometer breite Berg aus nur einem Stein ist mindestens so eindrucksvoll wie Ayers Rock im Zentrum des Kontinents, der von Touristen aus aller Welt angesteuert wird. Der Mount Augustus ist rund eine Milliarde Jahre älter und zweimal größer als jener. Der 1700 Millionen Jahre alte Granitboden war früher vom Meer überflutet. Als vor etwa tausend Millionen Jahren sich Sand und Geröll auf dem Granit ablagerte, wurde im Laufe der Jahre daraus eine feste Sandstein- und Konglomeratschicht zusammengebacken, die den Granit noch heute bedeckt. Durch Erdbewegungen wurde dann das Gebirge gehoben und aufgefaltet.

In der Nähe des Mount Augustus, im Bett eines Creeks, zeugen recht gut erhaltene Malereien an den Felswänden von der vergangenen Kultur der Aborigines. Auch ein besonders schöner Billabong liegt in der Nachbarschaft, allerdings auch er nur mit allradgetriebenem Geländewagen erreichbar. Billabongs sind Talsenken, in denen nach Regenfällen das Wasser stehen bleibt. Das geringe Gefälle dieser Gegend lässt Mäander und Seitenarme in alle Richtungen entstehen. Die glitzernde Wasseroberfläche und die Spiegelungen der prächtigen weißen Bäume bilden ein Landschaftskunstwerk ohne menschliches Zutun.

 

Im Pilbara-Gebiet – Karijini Nationalpark

Wir befinden uns jetzt im sogenannten Pilbara-Gebiet (510.000 Quadratkilometer), abgelegen, rau und aufgrund der Eisenerzlager sagenhaft reich. Die südliche Grenze dieser tropischen Halbwüstenregion ist fast identisch mit dem Wendekreis des Steinbocks.

Im inneraustralischen Trockenraum regnet es selten. Der geringe Niederschlag verdunstet rasch, und die für kurze Zeit entstehenden Flüsse versickern. Solche nicht ständig fließenden Bäche und Flüsse werden Creeks genannt. Sie sind flach, voller Geröll. Bei Regen werden sie oft kilometerweit von sich übereinander wälzenden Fluten überspült. Die trockenen Betten werden von lichten Galeriewäldern markiert. Häufig führen Straßen durch sie hindurch: floodways.

Der Weg führt kurvenreich durch die eintönige Landschaft. Dann erblickt man die roten Zinnen der Berge, die in der Sonne leuchten: Der Hamersley Range (Karijini) National Park (6176,06 qkm) bereitet einen spektakulären Empfang vor. 1991 erhielt er diesen Namen nach den Karijini Aborigines, zu deren Lebensraum ursprünglich dieses Gebiet gehörte. Als massiver Block aus 2000 Millionen Jahre altem, verwittertem Felsgestein zieht er sich etwa 50 Kilometer lang durch den nördlichen Teil des Pilbara-Gebietes. Dieser National Park ist einer der größten des Westens mit zwanzig verschiedenen Schluchten. Er bietet weniger spektakuläre Bergpanoramen als vielmehr atemraubende, canonartige Schluchten mit bunten Felsformationen. Durch das zerrissene Felsplateau ziehen sich meist von Nord nach Süd bizarr erodierte, vielfarbige Kegel, glattgeschliffene tiefe Schluchten.

Besucher dieses Outback-Parks im Herzen der Pilbara Region sind auf Anhieb beeindruckt. Zum dunklen Rot des Gesteins, dem satten Blau des Himmels, über den weiße Thermikwolken segeln, kommt der goldene Schimmer des allgegenwärtigen Spinifex-Grases und die geisterhaft weißen Stämme der Snappy Gums. Ohne Zweifel: Fotografen kommen in diesem Nationalpark auf ihre Kosten. Ebenso auch die Wanderer, denn im Norden des Parks haben Wasserläufe in Jahrmillionen bis zu 100 Meter tiefe Canyons, Klammen und Schluchten in den felsigen Untergrund gesägt.

Vor uns liegt ein versteinertes Drama aus dunkler Vergangenheit: wie Blatterteigschichten ist solides Gestein in Wellen geworfen. Verbogen, gestaucht und zusammen geschoben, stoppt dieser Faltenwurf der Erdgeschichte dann plötzlich an einer Störungslinie. Unterstrichen wird das geologische Lehrstück von knalligen Farben: rot, orange, violett, ausgeleuchtet von einer sengenden Sonne, kontrastiert durch einen azurblauen Himmel.

 

Oxer Outlook und Weano Gorge

Die Hauptattraktionen des Nationalparks konzentrieren sich um den Oxer Lookout, wo die rotglühende Red Gorge, die petrol-blau-feuerrot schillernde Weano Gorge, die Hancock und die Joffre Gorge aufeinandertreffen. Ein schmaler Pfad führt von der Staubstraße hinab zu diesem Aussichtspunkt, der nicht mehr als ein unbedeutender kleiner Hügel aus rotem Gestein ist. Doch welch einen Ausblick bietet er! Die drei tief eingeschnittenen Schluchten kommen hier zusammen und bilden ein atemberaubendes Panorama.

Ein paar Kilometer vor dem Lookout führt ein Pfad hinunter in die Weano Gorge, eine der drei Schluchten, die unterhalb des Aussichtspunktes zusammenlaufen. In wenigen Minuten haben wir den Grund der Schlucht erreicht, wo sich eine Felsenfeige trotzig ans Gestein klammert. Bald rücken die Wände zusammen, aus der Schlucht wird eine Klamm. Gleich am Anfang der Engstelle behauptet sich der Schössling eines Eisenbaumes. Die Pflanze wächst nur dort, wo der Boden – wie hier - einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Eisen aufweist. Denn die Hamersley Range ist ein Gebirge aus hochkonzentriertem Erz - nicht weit vom Park entfernt befinden sich die größten Eisenbergwerke der Welt.

Nach der Engstelle öffnet sich die Weano Gorge zu einem runden Amphitheater. Der Handrail Pool ist erreicht. Himmelhoch ragen hier die Wände auf, die Sonne erreicht nur für kurze Zeit den Grund. Das Wasser im Pool ist entsprechend kalt.

Nicht weit entfernt von der Weano Gorge befindet sich der Zugang zur Hancock Gorge. Die meisten Besucher meiden allerdings die schwierige Schlucht.

 

Schluchten bei Wittenoom – Yampire Gorge und Dales Gorge

Der kleine Ort Wittenoom war neben Tom Price ein touristisches Zentrum des Pilbara-Gebiets. Das Städtchen liegt am Nordrand des Nationalparks, und die bekannteste Schlucht, die bis zu 100 Meter tiefe Wittenoom Gorge, befindet sich gleich südlich der Stadt. Bei Wittenoom wurde von 1930 bis 1966 das größte Blauasbest-Vorkommen der Erde ausgebeutet. Dann führten der Rückgang der Asbest-Nachfrage und die Krebsgefahr zur Schließung der Minen. Seitdem ist Wittenoom zu einer Geistersiedlung geworden.

Von Wittenoom kommt man zur Yampire Gorge. Da sie asbestverseucht ist, sollte man während der Fahrt die Fenster geschlossen halten, um den durch die Autos aufgewirbelten Staub nicht einzuatmen.

Ein absolutes Highlight ist die 45 Kilometer lange Dales Gorge im Osten des Nationalparks. Nach einem steilen Abstieg vom Rand der Schlucht nahe dem Rastplatz, gelangt man zum Circular Pool, der ganzjährig von den Fortescue Falls gespeist und von steil aufragenden Felswänden umgeben wird. 

Broome und Derby 

Endlich Broome, Treffpunkt der Traveller aus aller Welt. Früher war hier das Perlenfischen ein nicht ungefährlicher Beruf, wie sich aus Grabsteinen des großen japanischen Friedhofs herauslesen lässt. Heute ist Broome eine schläfrige, 3000 Einwohner zählende Stadt mit schönen Sandstränden. Am Gantheaume Point, sieben Kilometer südlich der Stadt, sind bei Ebbe 130 Millionen Jahre alte Dinosaurierspuren zu finden.

Die Weiterfahrt auf dem asphaltierten North West Coastal Highway von Broome führt nach Derby, einer kleinen Hafenstadt für Rinderzüchter im Hinterland. Der erste Europäer, der den King Sound erreichte, war William Dampier (1651-1715) im Jahre 1688. Der Ort, der sich „Gateway to the Gorges" nennt, lohnt keinen touristischen Abstecher. Allerdings steht sieben Kilometer südlich der Ortschaft ein riesiger, über 1000 Jahre alter Baobab, dessen hohler Stamm einst als nächtliche Zelle für Verbrecher diente, bevor sie zur Gerichtsverhandlung weitertransportiert wurden. 

Von diesem Baobab Prison Tree kann man entweder auf dem Great Northern Highway über Halls Creek die östlichen Kimberleys erreichen, oder über die Gibb River Beef Road durch die King Leopold Ranges fahren, deren Berge mit ihrer roten Hitze durch den Tag flimmern.

 

Auf dem Gibb River Road durch die Kimberleys

Die Kimberleys (422.000 Quadratkilometer), das Herz des wilden Westaustralien, nach dem Earl of Kimberley benannt, sind noch immer, was sie seit jeher waren: eine menschenleere Landschaft, deren Berge mit ihren roten Spitzen durch den Tag leuchten. Monotonie ist ringsherum, Ton in Ton die rote Farbe der Erde mit den bräunlich-roten Büschen, die sich am Rande der Piste ducken.

Fitzroy Crossing ist touristisch wenig interessant, doch bietet er als Versorgungsstation für die umliegenden Farmen auch Unterkünfte für Touristen, die nicht auf dem 300 Kilometer kürzeren, aber beschwerlichen Gibb River Road durch die Kimberleys reisen. 1879 kartographierte Alexander Forest (1849 –1901) während einer Expedition das Gebiet um Ord River und Fitzroy River und pries es als ideales Weideland. Mary Durack-Miller beschreibt in ihrem Buch „Kings in Grass Castles" anschaulich die lange Wanderung der Stockmen mit ihren Rinderherden von Queensland in die Kimberleys.

Für Allrad-Geländewagen ist die Gibb River Road, eine Sandpiste voller Schotter und Querrillen, eine Routine-Route - 650 Kilometer von Derby nach Kununurra am Ord River. Klares Wasser verdoppelt das Blau des Himmels, Oasen laden zur Rast während der heißen Mittagsstunden, mächtige Baobabs mit enorm dicken Stämmen und einer Haut wie Seide, riesige Termitenhügel und immer wieder rote Berge säumen den Weg. Die Räder wirbeln Staubwolken mit solcher Wucht auf, dass die zurückbleibende Landschaft manchmal nur noch als wackelnde, verhangene Kulisse mit unklaren Konturen zu erkennen ist.

 

Geikie Gorge und Windjana Gorge

Von Fitzroy Crossing gelangt man auf staubiger Straße vorbei an sechs bis 18 Meter hohen Kajeput- und Weißbäumen zur Geikie Gorge, im wohl meistbesuchten National Park (ein größtenteils gesperrtes „Sanctuary") der Kimberleys. Vor 350 Millionen Jahren war die Schlucht ein Teil eines Korallenriffs, baute sich in einem riesigen tropischen Meer ein breites Riff auf, in das sich der Fitzroy River tief eingegraben hat. Noch immer ist das Korallenriff zu sehen, das einmal das Kimberley-Bergland umfangen hat. Über die vielen Jahre haben sich Stachelrochen und Schwertfische an das Süßwasser angepasst. Oberhalb des Wassers sind die Felsen hell, eigenartig durchlöchert und mit kleinen Mustern besetzt. Die 14 Kilometer lange und bis zu 30 Meter tiefe Schlucht, deren Kippen bis auf 15 Meter Höhe weiß ausgewaschen sind, wird von dichtem Grün gesäumt: tropischen Papierrindebäumen, Flusseukalypten und Süßwassermangroven.

Im Windjana Gorge National Park liegt die faszinierende Windjana Gorge glitzernd in der Abendsonne. In dem Bett der Schlucht funkelt das Wasser des Flusses wie mit Edelsteinen besetzt in der Sonne. Wir wandern auf einem Pfad in der Talsohle, durch feinen Sand, entlang steiler, die Farben ständig wechselnder fast 100 Meter hoher Felswände. Baobabs versperren manchmal den Weg, lebendige Wesen zwischen wolkenlosem Himmel und dem Wasser des Flusses, das wie mit Edelsteinen besetzt in der Sonne funkelt. Riesige Vogelschwärme kehren kreischend in die rot leuchtende Schlucht ein und verschwinden wieder im Unsichtbaren.

Nahe der Windjana Gorge befinden sich die Ruinen der Lillimooloora Police Station, wo der Aborigine Jundumurra, von den Weißen „Outlaw Pigeon" (Taube) genannt, den Polizisten Richardson ermordete. Er startete einen dreijährigen Guerillakampf und verbarg sich in der Höhle Pigeon's Cave in der Windjana Gorge, wo er 1897 von einem eingeborenen Spurenleser aufgespürt und erschossen wurde.

Südöstlich der Windjana Gorge befindet sich im Tunnel Creek National Park der 750 Meter lange, zwischen drei und zwölf Meter hohe und bis zu 15 Meter breite, natürliche Tunnel Creek, der durch das Napier Gebirge führt und als einzige Lichtquelle nur in der Mitte ein Loch im Fels hat. Während der Regenzeit muss man Teile des Tunnels durchschwimmen.

 

Die wilden Kimberleys 

In der Abenddämmerung wandeln sich die zerklüfteten Bergkämme der King Leopold Ranges mit dem Inglis Gap vom atemberaubenden Rot zum Purpur. Hinter der King Leopold Ranges wird flachwelliges, offenes Buschland durchquert. Sehr hohes, leuchtendes Spinifex-Gras mit dicken Halmen begleitet die Fahrt zu dieser Range, zunächst durch abgestürztes Granitgestein. Die Stämme der sechs bis 18 Meter hohen Kajeput- und Weißbäume sowie der Eukalyptusbäume („Ghost gums" von den Eingeborenen genannt) sind auffallend weiß.

Vorbei an den bizarren, rot leuchtenden Tafelbergen geht es über einen langen, rauen Track zur Mt. Hart Homestead. Dann zweigt ein Track zur Lennard River Gorge ab, einer fünf Kilometer langen Schlucht mit Wasserfall. Es folgt ein Tal mit steilen rostbraunen bis ockerfarbenen Wänden und dann kommt man am Abzweig zur Silent Grove Homestaead vorbei sowie von einem weiteren Abzweig zur Mt. House, wo man tanken und seine Vorräte füllen kann. Weiter geht es über einen Grid zu einem Abzweig, der zur Adcock Gorge führt, sodann zur Galvans Gorge, einer Schlucht mit kleinen Pools. Ein Track führt zu Isdell Gorge und Falls.

Die Philipps Range, die jetzt beginnt, ist voller Spinifex. Über das erodierte Tafelland, zwischen den auffallend weißen Stämmen der hohen Kajeput- und Weißbäume sowie der Eukalyptusbäume (»Ghost gums« von den Eingeborenen genannt), tanzen Willy willies, Windgebilde aus dem Staub der Straßen. Der Weg windet sich höher und höher. Der Himmel ist jetzt fast weiß-heiß. Vorbei an den bizarren, rot leuchtenden Tafelbergen geht es zur Mount Barnett Homestead Station. Hier sind nach anstrengender und trockener Fahrt Erfrischungen gefragt. An dem herrlichen klaren See der Manning Gorge kann man sich erholen.

 

Der Barnett River wird überquert und dann geht es zu ein Abzweig zur Barnett Gorge, die sich 30 Meter hoch in den Kimberleys erhebt und mit dem Barnett River im Maul der Schlucht sowie einem Wasserfall begeistert, der sich in einen mit weißem Sandstreifen und glatten Felsen umrahmten Pool ergießt. Hohes, gelbes Gras begleitet die Weiterfahrt. In Galvans, Adcock und der Barnett Gorge gibt es Teiche zum Schwimmen, in denen Wasserlilien blühen, seichte Weiher, die mit den großen Blüten der Riesen-Seerose bedeckt sind, mit dicht an dicht wuchernden gelben Sumpfrosen. Diese Gegend erwartet keine Touristen und bietet daher auch keine Infrastruktur. Der Weg ist rau, die Creeks sind unzählbar und die roten Berge im Hintergrund scheinen kein Ende zu nehmen.

Letzte Tank- und Einkaufsmöglichkeit ist die Mt. Elizabeth Homestead, zu der ein 30 Kilometer langer Weg führt. Die Piste wird sehr rau. Dann gabelt sich die Straße und man folgt dem Gibb River Road in nordöstlicher Richtung, der teilweise den Eindruck eines Feldweges macht. Am Durack River ist „wildes Camping" angesagt, viele Kilometer vom nächsten bewohnten Stützpunkt entfernt. Die Karunji Homestead an einem Abzweig kann man erst nach weiteren 50 Kilometern Fahrt erreichen.

An Jack's oder Joe's Waterhole empfiehlt es sich, nochmals Vorräte aufzufüllen, bevor man von der Cockburn Range einen schönen Ausblick (Pentecost Lookout) auf die weite Landschaft genießt. Weiter geht es zur Home Valley Homestead und zum Old Karunji Road (nicht ausgeschildert) gleich hinter dem Pentecost River sowie auf einem Abzweig zur El Questro Homestead mit Campground, Bungalows und Einkaufsmöglichkeiten führt.

Schließlich durchquert man die King River-Furt und gelangt auf den Great Northern Highway. 

 

Kununurra und Flug über die Bungle Bungles

Erst Kununurra am Fuße dieser Berge ist wieder touristisch durchorganisiert. Besuchsziele sind hier der Elephant Rock und die glühend heißen Schluchten des Hidden Valley, beides geheiligte Stätten der Aborigines. Neben seuchenbrütenden Sümpfen und fiebererzeugenden Mangroven-Gewässern bietet das Top End spröde Savannen und sterile Berghänge voller rotem Lateritstaub.

Der Muße an seinen Stränden sollte auf jeden Fall ein atemberaubender Höhepunkt vorausgehen: ein 90-Minuten-Flug über die 350 Millionen alten Bungle Bungle's, die erst in den letzten Jahren bekannt geworden sind. Über tausend Quadratkilometer wachsen aus der Erdoberfläche ungezählte bizarre Kalksteinsäulen. Diese irdische Gänsehaut wird nur unterbrochen durch den riesigen Lake Argyle. Die größere Nähe verblüfft mit einem Wechsel aus Fingerhüten, bunt bemalten Domen und Haufen aufgetürmter Pfannenkuchen. Die Erosion nutzte die unterschiedliche Härte des Sedimentgesteins zu solcher Formenvielfalt. Diese Gegend schmeichelt sich nicht ins Herz, sie fordert heraus durch fremde, ungewohnte Schönheit.