Addis Abeba

Mahnmal an die Opfer des Mengistu-Regimes
Mahnmal an die Opfer des Mengistu-Regimes

Ausgangspunkt jeder Äthiopien-Reise ist Addis Abeba, die Hauptstadt Äthiopiens, die sich von der hohen Entoto-Gebirgskette (3000 Meter) im Norden bis zu den südlichen Ausläufern (2300 Meter) erstreckt und von Menelik II. 1887 gegründet wurde. In seinem Bemühen, das alte Reich Shoa, wie es vor der Zerstörung durch die Mohammedaner bestanden hatte, wiederherzustellen, verlegte er seine Hauptstadt von Ankober zunächst nach Entoto (1880). Im Jahre 1886 bat Königin Taytu ihren Gatten um ein Stück Land. Diese Siedlung bekam den Namen Addis Abeba, was auf Amharisch »Neue Blume« bedeutet. Die Errichtung eines zweiten Palastes (1887) in der Nähe der heißen Quellen von Filwoha Meda gilt als Geburtsdatum der Stadt. 

Stefanos-Kirche
Stefanos-Kirche

 

Vom Meskel Square zur Universität

Der große Meskel Square (auch unter dem Namen Revolution Square aus der Zeit des Mengistu-Regimes bekannt) ist ein guter Ausgangspunkt für einen Spaziergang durch die Hauptstadt Äthiopiens. Im Nordosten des Platzes erhebt sich die koptische Stephanos-Kirche, mit quadratischem Grundriss, von einer Kuppel überwölbt. An der Fassade befindet sich das Mosaik eines zeitgenössischen Künstlers, welches das Martyrium des Heiligen Stefan darstellt.

Statue vor dem Nationalmuseum
Statue vor dem Nationalmuseum

Nahe der Straßenmündung an der südlichen Seite des Meskal Square befindet sich das Addis Abeba Museum (Stadtmuseum), dessen Zugang an einer kleinen Seitenstraße der Bole Road liegt. Es wurde 1986 eröffnet, 2015 renoviert und zeigt die Geschichte der Stadt. Ganz in der Nähe des Museums befindet sich die Exhibition Hall, wo regelmäßig Veranstaltungen stattfinden.

Africa Hall, Buntglasfenster von Afwerk Tekle
Africa Hall, Buntglasfenster von Afwerk Tekle

Vom Meskal Square nach Norden verläuft die Menelik II. Avenue, eine Prachtstraße mit modernen Gebäuden. Rechts der Straße liegt die moderne Africa Hall, gleich nach der Finfine Bridge. Das siebenstöckige Gebäude, unter Kaiser Selassie 1959/61 als Versammlungsort für die Nationen und Organisationen Afrikas zur Erörterung gemeinsamer Fragen erbaut, ist Sitz der United Nations Economic Commision for Africa (ECA). Das Foyer wird von einem modernen Buntglasfenster beherrscht, das die Inschrift »Africa: Past, Present and Future« trägt. 

Auf der gegenüberliegenden Seite der Menelik II. Avenue erhebt sich der 1955 erbaute prunkvolle Bau des Jubiläumspalastes (Jubilee Palast). Hier wurde 1974 Haile Selassie entmachtet. Der Palast aus weißem Marmor wurde 1991 die offizielle Residenz des Präsidenten. Das Eingangstor erinnert an den Buckingham Palace in London. Besichtigungen und Fotografieren sind nicht erlaubt.

Die Menelik II. Avenue endet bei der Itegue Menen Street, die in einem Bogen unterhalb um das Gebäude des Kaiserpalastes Meneliks II. (Gebe) von 1890-92 verläuft. Das Gebäude wurde ab 1974 von der Militärdiktatur des Derg als Regierungssitz genutzt. Heute ist er Sitz des Premierministers und für Besucher nicht zugänglich. Fotografieren ist verboten. Besucher erhalten keinen Zutritt, so dass auch die kleine 1886 im Tukul-Stil erbaute Kidane Meret Kirche nicht besichtigt werden kann. 

Eine Ausnahme bildet das auf der Rückseite stehende viereckige Menelik Mausoleum mit einer großen Kuppel und einer goldenen Krone obenauf sowie kleinen Kuppeln auf den Ecktürmen. Je zwei skulptierte Löwen bewachen die vier Eingänge. In der Krypta sind Menelik II. und seine Frau, Kaiserin Zawditu, begraben. Das Mausoleum kann besichtigt werden. An der Ostwand befindet sich ein Gemälde vom Besuch der Königin von Saba bei Salomo in Jerusalem, an der Südwand eine Darstellung von Ras Mekonen, an der Westwand wird die Krönung von Menelik II. gezeigt und an der Nordwand findet sich Ras Mekonen, der Menelik den Sieg von Adua im Jahr 1896 über die Italiener mitteilt.

Vom Großen Palast führt die Straße weiter nordwärts den Hügel hinauf bis zur Congress Hall, unter Mengistu erbaut. Daneben befindet sich das von einem Glockenturm gekrönte Parlament, unter Kaiser Haile Selassie I. errichtet. Das Haupttor wird von zwei Löwen bewacht. An der Fassade des Gebäudes sieht man auf Kacheln ein großes Gemälde, das St.Georg darstellt, wie er den Drachen tötet.

 

Dreifaltigkeitskirche
Dreifaltigkeitskirche

Etwas abseits der Hauptstraße am Arat Kilo Square passiert man das Haupttor der an europäische Bauten erinnernden neoromantischen Dreifaltigkeitskirche mit ihren beiden Türmen und der hohen Kuppel, einer der prächtigsten Kirchen der Stadt. Im Innern findet man wunderschön geschnitzte Decken, Glasfenster mit Szenen aus der Bibel, einen herrlichen Kronleuchter und Wandmalereien, Schnitzarbeiten, Mosaiken und Glasmalereien. Dargestellt werden Adam und Eva im Paradies, die Geburt Jesu und Haile Selassie mit äthiopischer Flagge. 

Neben Begräbnisstätten der Kaiserin, vieler Patrioten aus der Zeit der italienischen Besetzung und der Prinzen Mekonen und Sahle Selassie befindet sich vor der Kirche ein Grab der Britin Sylvia Pankhurst (»Ethiopia. A Cultural History«). 

Die Itegue Menen Street endet am Arat Kilo Square (4-Straßen-Platz). In seiner Mitte erhebt sich ein großer Obelisk, dessen Spitze von einem Löwen von Juda gekrönt wird. Links sieht man das Ministry of Education, dahinter verläuft nach links die Adwa Avenue mit einem scharfen Bogen, wo die Ras Mekonen Bridge den Kachame-Bach überspannt, zum De-Gaulle-Platz.

Vom Arat Kilo führt die St.George VI. Street nach Norden zum Sidist Kilo (6-Straßen-Platz). Zunächst gelangt man zur Kunstschule. Im Vorhof sieht man Skulpturen, in den Innenräumen finden Ausstellungen statt. Dann sieht man auf der linken Seite etwa in Straßenmitte die Enda Mariam Kirche (1937 erbaut), die zwischen herrlichen Bäumen steht. 

Daran schließt sich das Archäologische Institut mit National Museum an, mit Funden aus Eritrea und Tigre sowie einem großen Stoffgemälde an der Nordwand, dem wohl ältesten religiösen Werk dieser Art. Hier befindet sich auch das Skelett von »Lucy«; Besucher bekommen allerdings nur eine Nachbildung des Hominiden-Skeletts zu sehen. Im oberen Stockwerk kann man alte Zeremoniengewänder, Roben und Kronen, Gemälde moderner äthiopischer Maler, vor allem von Afewerk Tekle, und den Thron Haile Selassies bewundern.

Sidist Kilo
Sidist Kilo

Der nächste Platz ist der Sidist Kilo, den ein Obelisk zur Erinnerung an die 1937 von den Italienern hingerichteten Äthiopier schmückt. Gleich bei der Kreuzung befindet sich der Eingang zum Löwenpark mit einem ziemlich traurigen Käfig. 

 

 

Im Nordwesten des Sidist Kilo liegt das Hauptcamp der Universität, die im ehemaligen Palast von Haile Selassie untergebracht ist. Das würdevolle Gebäude wurde früher Genete Leul Palace (»Paradies der Prinzen«) genannt und ist heute der Öffentlichkeit zugänglich. Im 2. Stock ist das Ethnologische Museum zu finden, in dem Kirchenmalereien, Kreuze, Geräte, Waffen und Schmuck zu sehen sind. Die bemerkenswerte Bibliothek besitzt eine umfangreiche Sammlung von Werken über Äthiopien, darunter Ge'ez-Manuskripte und Berichte früherer Forschungsreisender wie James Bruce und Richard Burton.

Vom Mexico Square zur St.Georgs-Kathedrale

Löwe von Juda am Alten Bahnhof
Löwe von Juda am Alten Bahnhof

Ausgangspunkt dieses Rundgangs ist der Mexico Square; zwischen ihm und dem Maskal Square liegt der Alte Bahnhof, von dem die Churchill Avenue nach Norden verläuft. Der Bahnhof wurde 1929 von den Franzosen gebaut; auf dem Platz davor steht eine. Bronzefigur des Löwen von Juda.

Andinet Square
Andinet Square

Folgt man der Churchill Avenue, gelangt man zum Ras Hotel und dem 1955 fertiggestellten Nationaltheater (früher Haile Selassie I. Theater) mit einem kupfernen Fisch im Innenhof von einem österreichischen Bildhauer. Neben dem Theater auf der Westseite der großen Kreuzung (Andinet oder Unity Square) befindet sich eine Steinfigur des Löwen von Juda, ein Werk des französischen Bildhauers Morris Calka.

Von hier nach Westen und rechts abbiegend erreicht man auf der Yared Street die Nationalbibliothek, wo im 1. Stock Erbstücke der kaiserlichen Familien und interessante Manuskripte (z.B. die Vier Evangelien, illuminiertes Manuskript aus dem frühen 14.Jahrhundert die Paulusbriefe, ein Altes und ein Neues Testament usw.) aufbewahrt werden. 

Betonobelsik
Betonobelsik

Am riesigen Black Lion Hospital mit seinen revolutionären Standbildern aus der Mengistu-Zeit und dem Tiglachin-Denkmal, einem gigantischen Betonobelisken zur Erinnerung an die äthiopischen nd kubanischen Gefallenen im Ogaden-Krieg in den 1970er Jahren, gelangt man zum Main Post Office. Ihm angeschlossen ist das sehenswerte National Postal Museum, das eine komplette Sammlung aller in Äthiopien herausgegebenen Briefmarken enthält. Ab hier reihen sich Andenkensläden aneinander, und unterhalb des Tewodoros-Platzes (auch Tewodros Square) gibt es empfehlenswerte Schmuckgeschäfte sowie Läden für Baumwollstoffe. 

St. Georgskathedrale
St. Georgskathedrale

Das Innere dieses eleganten Kuppelbaus birgt interessante Gemälde auf Mosaiken. An der Ostwand befinden sich Bilder der Krönung Haile Selassies und vom Besuch der Königin von Saba bei König Salomo, an der Südwand von Christus, Himmel und Hölle, Kreuzigung und Himmelfahrt, an der Nordwand vom Heiligen St. Georg und von Haile Selassie in der Schlacht von Maychew. Im sehenswerten Museum werden die Kronen und Insignien von Haile Selassies Krönung aufbewahrt.

Werk von Afewerk Tekle
Werk von Afewerk Tekle

An der westlichen Ecke des Platzes steht die City Hall (Rathaus), die nach dem Grundriss eines dreizackigen Sterns gebaut wurde. Der Glockenturm erinnert an die Stelen von Axum. Das Auditorium besitzt eine Bühne für Theateraufführungen. In dem Gebäude befinden sich ein Foyer mit Marmorfußboden, ein Restaurant, eine Bar, ein Kino und das Fernsehstudio von Addis Abeba.

Vom Menelik II. Square verläuft nach Westen die Abuna Petros Street zum gleichnamigen Platz, benannt nach einem Erzbischof, der von den Italienern erschossen wurde. Die Johannes-Kirche im Norden des Abuna Petros Square zählt zu den modernen koptischen Kirchen. Weiter nach Westen erreicht man den Mercato (auch Addis Ketema), einen farbenprächtigen Markt (besonders mittwochs und samstags). Im überdachten New Market findet man Kleidung und Handwerksprodukte. Handeln ist unumgänglich, auch Vorsicht vor Dieben und Schleppern ist geboten.

Junge Frau auf dem Mercato, dem großen Markt
Junge Frau auf dem Mercato, dem großen Markt

Ausflug zu den Entoto Mountains

Vom Sidist Kilo Square sechs Kilometer nach Norden den Hügel hinauf und an der Botschaft der USA vorbei erreicht man den Gipfel der Entoto Mountains. Von hier oben hat man einen atemraubenden Blick auf Addi Abeba. Auf der rechten Seite des Gipfels liegt die achteckige Entoto-Mariam-Kirche (auch Kirche der Heiligen Maria) mit verwittertem Glockenturm. Viele Gläubige suchen die Kirche wegen des heiligen Wassers auf, das hier aus einer Quelle fließt. Im Innern der Kirche, in der Menelik II. 1878 gekrönt und 1889 zum neuen Kaiser gekrönt wurde, sieht man wunderschöne Wandgemälde mit Darstellungen aus Legenden und Heiligen-Berichten. Interessant ist auch das Museum, das religiöse Manuskripte, Kreuze und Kirchengegenstände sowie Gewänder zahlreicher Könige und politischer Führer besitzt.

Etwa einen Kilometer nach Norden ist die orthodoxe Kidus-Raquel-Kirche zu erreichen. Das achteckige Gebäude hat die Form einer Pagode; die beiden nördlich der Kirche in den Felsen geschlagenen Räume sollen den Leichnam Meneliks beherbergt haben, bis er in das Mausoleum überführt wurde.