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Indiens Welt der Götter

Bild: Durga im Vimala Vasahi-Tempel, Mt. Abu (Rajasthan).
Bild: Durga im Vimala Vasahi-Tempel, Mt. Abu (Rajasthan).

 

Die Welt der Götter ist für Europäer kompliziert, meist widersprüchlich und unverständlich. Man begegnet ihnen aber auf Reisen durch Indien immer wieder. als Statuen an Straßen, als Skulpturen in Tempeln und in mehr oder weniger kitschiger Form als Abbildungen auf Märkten und in Geschäften. Es ist also sinnvoll, sich mit der indischen Götterwelt näher zu befassen. Zum Verständnis wichtig ist die Vorstellung von der hinduistischen Trinität‹ mit den drei Gestalten‹ des Göttlichen. Als Brahma (Schöpfung), Vishnu (Erhaltung) und Shiva (Zerstörung) verkörpert sie die fundamentalen Prinzipien des Kosmos.   

Der jugendliche Vishnu mit blauer Haut ist die wichtigste Form des Göttlichen im Hinduismus, er gilt als Erhalter und Bewahrer der Welt und soll das Gleichgewicht zwischen dem Gutem und dem Bösen auf der Welt halten. Vishnu wird stets mit blauer Hautfarbe dargestellt. Seine wichtigsten Attribute sind das Rad und die Keule, das Muschelhorn und der Lotos. Er wird mit vier Armen und in königlichem Gewand dargestellt und hält in zwei seiner vier Hände das Muschelhorn Shankha, das heute noch in Thailand und Kambodscha genutzt wird. 

Vishnu kann verschiedene göttliche Gestalten (Avatare) annehmen. Er tritt beispielsweise als Fisch (Matsya), als Eber (Varaha), als Mannlöwe (Narasimha) und als Zwerg (Vamana) auf. Am populärsten sind jedoch seine siebte Inkarnation als der Held Rama und seine achte als Krishna. Seine neunte Inkarnation ist Buddha. Besonders bedeutsam ist seine Inkarnation als Narayana, den auf der Weltenschlange ruhenden Gott in Menschengestalt‹. Sein Reittier ist Garuda, ein adlerähnlicher Vogelmensch. 

Vishnus Gemahlin ist Lakshmi, die Göttin des Glücks, Reichtums, der Fruchtbarkeit und der Schönheit. Sie begleitet ihn durch alle Inkarnationen. Ihre Inkarnationen finden sich in Sita, der Frau von Rama, und Radha, Krishnas bevorzugtes gopi. Ihr Vahana (Reittier) ist die Eule. Man findet sie oft in Tempeln, die von der Industriellenfamilie Birla gestiftet wurden.

Brahma wird als Schöpfer der Welt  angesehen, doch nur ganz wenige Tempel sind ihm geweiht. Er wird auf einer Lotusblüte sitzend mit vier Armen und vier Gesichtern dargestellt, die in verschiedene Himmelsrichtungen blicken. Sein Reittier ist die mystische Gans oder der Schwan. Seine Gattin Sarasvati gilt als Göttin der Kunst und Wissenschaften und sitzt meist auf einer Lotusblüte. Man erkennt sie an ihrer indischen Laute (Vina oder Veena). Ihr Reittier ist der weiße Schwan oder die Gans. 

Shiva (>Glücksverheißender‹) hat eine besondere Bedeutung und wird auch Mahadeva genannt. Zu den friedvollen Inkarnationen Shivas gehört seine Erscheinungsform als Nataraja (König des Tanzes‹), in dem er seinen kosmischen Tanz‹ (tandava) aufführt. In zerstörerischer Gestalt tritt Shiva als der Schreckliche‹ (Bhairava) auf. Shiva wird mit weißer, roter oder schwarzer Hautfarbe dargestellt, zudem besitzt er ein drittes Auge, auch Weisheitsauge genannt. Man sieht Shiva mit dem Dreizack (trishula), sein Reittier ist der Bulle Nandi. 

Shiva steht aber auch mit der Göttin Parvati als Symbol für die Vereinigung des männlichen und weiblichen Prinzips, das als Yoni (weibliche Genitalien) und Lingam (Phallus) dargestellt wird. Sie gilt als Mutter von Ganesha und Skanda; die Dreiheit von Shiva mit Parvati und Ganesha gilt deshalb auch als göttliche Familie. Parvati hat viele Erscheinungsformen. Sie kann als Durga (Sanskrit=unbezwingbar) auftreten, um das Böse zu bekämpfen. Mit zehn Armen kämpft sie als Mahishasurmardini (=Büffeltöterin) gegen den mächtigen Büffeldämonen Mahishasura, der sich auch in verschiedene andere Gestalten verwandeln konnte. Die vielen Arme sollen sowohl die große Kraft der Schöpfung (Shakti), nach anderen Interpretationen die acht bzw. zehn Richtungen des Hinduismus symbolisieren. Ihr Vahana ist der Tiger oder Löwe (eher unwahrscheinlich).

Parvati wird auch als indigo-farbene oder schwarze Kali (=Die Schwarze), also Göttin des Todes und der Erneuerung mit vier oder zehn Armen dargestellt und symbolisiert den Kreislauf des Lebens. In der kämpfenden und blutrünstigen Form, tanzend mit Totenschädeln, flammendem Haar, Schlangen und Säbeln um ihren Leib sowie einer Kette aus 51 Totenköpfen (entsprechend den 51 Buchstaben des Sanskrit-Alphabets) und herausgestreckter Zunge verkörpert sie die zerstörerische Manifestation von Durga. Mit einem Bein steht sie auf der Hüfte, mit dem anderen auf der Brust ihres Gatten Shiva. Besonders populär ist sie in Bengalen. Das Vahana der Göttin Kali ist die Eule.

Der Göttin Durga ist beispielsweise der Ambika-Mata-Tempel in Jagat (Rajasthan) gewidmet, hier unter dem Namen Ambika bekanntdaher der Name. Die Göttin Kali genießt besondere Verehrung in Bengalen und Nepal, ihr wurde der Tempel Kalighat in Kolkata (früher Kalkutta) geweiht, die Göttin Kali wird hier Kalika genannt. 

Krishna (das bedeutet in Sanskrit dunkel‹), die achte Inkarnation Vishnus, wird mit blauer oder dunkler Hautfarbe und gelber Kleidung dargestellt. Man sieht den populären Hirtengott auf Gemälden in Palästen abgebildet, meist als Kuhhirte mit der Flöte. Manche seiner Taten ähneln denen des griechischen Halbgottes Herkules. Sogar sein Tod findet seine Entsprechung in der europäischen Mythologie: Wie Achill wird er an seiner einzigen verwundbaren Stelle, der Ferse, tödlich getroffen.

Gana bedeutet auf Sanskrit Vielheit‹, isha  Herr‹. Ganesha demzufolge Herr aller Wesen‹. Der Sohn Shivas und Parvatis wird als Elefantengott und – da er Süßigkeiten liebt - mit rundlichem Bauch und oft mehrarmig dargestellt, häufig auch mit Dreizack und drittem Auge. Sein Reittier ist die Ratte oder Maus. 

Rama, die siebte Inkarnation Vishnus, wird meist dunkelhäutig und mit Pfeil und Bogen dargestellt; er ist der Held im großen hinduistischen Epos Ramayana. Er und seine Gattin Sita gelten als perfektes Liebespaar. 

Agni, der Gott des Feuers, reitet auf einem Widder oder einer Ziege.

Der Kriegsgott Skanda, ist nach der Hindu-Mythologie der Sohn Shivas. Ihm wird Desinteresse am weiblichen Geschlecht nachgesagt, so dass Frauen seine Tempel meiden. Sein Reittier ist der Pfau.

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