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Kiradu

Kiradu

 

Etwa 37 Kilometer westlich von Barmer befindet sich inzwischen den Dörfern Hathma und Sihani der etwa um 1000 und später errichtete Komplex von ursprünglich wohl 108 Tempeln von Kiradu – touristisch noch immer ein Geheimtipp. Früher bekannt als Kiratkoop (auch Kiratkupa), wurde es im 6. bis 8. Jh. vom Kirad-Clan regiert und war im 11. und 12. Jh. zeitweise Hauptstadt der Parmar- (Paramara) Dynasty (791-1305), bis es dann von den Turushkas (1000-1526), einem tatarischen Volk aus Turkestan, zerstört wurde. 

Die fünf noch erhaltenen Tempel stehen heute unter der Verwaltung des ›Archaeological Survey of India‹. Am oft von einem leibhaftigen Affen ›bewachten‹ Haupttor muss der Eintritt entrichtet werden. 

 

Was zunächst ins Auge fällt, wenn man den Eingang zur Anlage durchschritten hat, ist links ein Komplex von zwei auf jeweils eigener Plattform stehenden Tempeln. Gegenüber auf der anderen Seite erhebt sich ein weiterer Shiva gewidmeter Tempel, der renoviert wird. Besonders der Shiva geweihte aus Sandstein zeichnet sich durch die Feinheit seiner Skulpturen und eindrucksvolle Darstellungen der Götter Brahma, Vishnu, Shiva mit Parvati, Surya und Ganesha, ganas (Kriegsbegleiter für Shiva),vidyadharas (himmlische Krieger mit magischen Kräften) sowie der ›Schönen Mädchen‹ (surasundaris) aus. Leider sind die Darstellungen von Shiva als Nataraja (»König des Tanzes«), Symbol für Schöpfung und Wandel, auf dem zweiteiligen Tor-Fries arg beschädigt. Die Schönheit der Darstellungen von Elefanten, Rittern, Musikern (gandharvas), Tänzerinnen und Göttern ist dennoch überwältigend.  Die Vorhalle (sabha mandapa) wird von acht skulptierten Pfeilern getragen. Auf einer Säule ist Hari-Hara zu sehen, auf einer anderen eine Frauengestalt (möglicherweise Hidimba, der Frau von Pandava Bhima aus dem Epos Mahabharata) über einem Fries mit fünf Skulpturen des Elefantengottes Ganesha. Interessant sind die Darstellungen von Shringara Rasa (romantische Liebe zwischen Mann und Frau), einer ursprünglich aus Kerala stammenden klassischen Tanzform sowie von Szenen aus dem Kamasutra.

 

Folgt man der Kiradu Temple Road hinter den beiden Shiva.-Tempeln gelangt man zum einzigen Tempel der Anlage, der Vishnu geweiht ist. In der Nische einer Außenwand sitzt Vishnu auf einem Garuda, umgeben von zwei Elefanten, was ungewöhnlich ist. In der möglicherweise früher als Tanzhalle genutzten Halle sieht man oberhalb der Säulen die symbolischen Köpfe von makaras (Seeungeheuern)mit Kriegern in ihren Mäulern. Ein makara ist in der hinduistischen Mythologie das Reittier (Sahara) der Flussgötter Ganga und Varuna.  Es ist auch eines der Insignien von Kamadeva (Kama = Begierde), dem himmlischen Gott der Liebe und der Lust. Er reitet auf einem Papagei, dem Symbol der Sinnlichkeit. Während die unteren Figurenreihen schöne Frauen-Skulpturen (asparas) mit unterschiedlichen Haar-Stilen zeigen, sind die oberen Reliefs mit kleineren Figuren von dikpalas, Marikas und Göttern geschmückt.  Matrikas (aus dem Sanskrit "die Mütter") bilden eine Gruppe von Muttergottheiten, von denen zwei mit einem menschlichen Körper, aber mit einem Eierkopf (Sarahi) bzw. Löwenkopf (Narashimi) dargestellt werden.. Dikpalas (auch Lokapalas) verkörpern im Hinduismus die Wächter der Himmelsrichtungen: Indra (den Osten), Agni (den Südosten), Yama (den Süden), Nitrit (den Südwesten), Varuna (den Westen), Vayu (den Nordwesten), Kubera (den Norden) und Isána (den Nordosten). Gegenüber der Vorhalle befindet sich eine steinerne Plattform ähnlich wie ein Thron..

 

 

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